«Bei der Depotplanung musste ich eingreifen»

Zuerst veröffentlicht in den Lokalinfo-Zeitungen vom 29. Juli 2021.

Seit gut 100 Tagen ist Marco Lüthi Direktor der Verkehrsbetriebe Zürich. Im Interview erzählt der 44-Jährige, wo er eingreifen musste im Betrieb mit über 2500 Mitarbeitenden, was er dem Tempo-30-Regime Gutes abgewinnen kann und wie er die Mitarbeiterzufriedenheit verbessern will.

Von Lorenz Steinmann und Pascal Turin

Marco Lüthi, Sie waren knapp zwei Jahre Direktor der Sihltal-Zürich-Uetliberg- Bahn (SZU). Wollen Sie länger bleiben bei den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ)?
Definitiv. Der Wechsel war nicht geplant. Ich hatte ein supertolles Team und spannende Aufgaben.

Trotzdem wechselten Sie. Warum?
Hier kann ich grössere Themen angehen, auch nationale, verkehrspolitische Anliegen. Das war bei der SZU nicht der Fall.

Ihre beruflichen Sporen abverdient haben Sie sich bei der Rhätischen Bahn (RhB) im Kanton Graubünden. Keine Sehnsucht mehr nach dieser beliebten Gebirgsbahn?
Ich war Leiter Unternehmensentwicklung und damit Stellvertreter des Stabs- und Personalchefs auf Stufe Geschäftsleitung. Meine Aufgabe als rechte Hand des Direktors war vor allem, den Modernisierungsprozess des alten Rollmaterials der RhB voranzutreiben sowie als Verkehrsingenieur die Vielzahl von Doppelspurabschnitten zu planen. Ich durfte in Chur meine heutige Frau kennen lernen, sie ist mir sogar ins Unterland gefolgt (lacht).

Und nun wohnen Sie in Zürich?
Wir mussten schnell etwas finden. Fündig wurden wir in Birmensdorf. Ähnlich wie in Chur ist man in Birmensdorf schnell in der Natur.

Wie kommen Sie denn zur Arbeit nach Altstetten?
Natürlich mit dem ÖV. Bis ins Triemli nehme ich die «Konkurrenz», das Postauto. Von dort fahre ich mit dem Bus von uns nach Altstetten, oder dann mit dem Tram via Kalkbreite. Ich benutze den ÖV täglich.

Sie haben Abschlüsse der Universität St. Gallen und der ETH. Können Sie auch Bus fahren oder ein Tram lenken?
Nein, das kann und will ich nicht. Dafür braucht es Profis und ich würde es fast ein wenig despektierlich finden. Ich hatte früher den Pilotenausweis. Wenn man etwas richtig machen will, dann muss man es seriös machen. Ein bisschen Tram oder Bus fahren wäre gefährlich.

Dann fliegen Sie auch nicht mehr?
Nein, das habe ich während meiner Studienzeit gemacht. Man muss viel fliegen, um es seriös und sicher zu machen. Mein Motto: Entweder mache ich es richtig oder ich lasse es sein.

Sind Sie denn neben einem Flugplatz aufgewachsen, oder wie kamen Sie zur Fliegerei?
Ich bin neben dem Verkehrshaus in ­Luzern aufgewachsen. Dadurch habe ich multimodale Verkehrserziehung erfahren (lacht). Dazu war mein Vater Eisenbähnler. Eigentlich war ich also näher bei den Bahnen. Ich kam aber bei der militärischen Pilotenvorschulung relativ weit und das konnte ich dann zivil nutzen.

Ihr Vorgänger Guido Schoch verstand sich nicht so gut mit dem Zürcher Verkehrs­verbund (ZVV). Wie ist Ihr Verhältnis zum ZVV, der ja fast alle finanziellen Entscheidungen der VBZ absegnen muss?
Das ist tatsächlich eine spezielle Kombination mit oft unterschiedlichen Haltungen zwischen Stadt und Kanton. Diese wirken sich dann auf den ZVV und die VBZ aus. Wir müssen Lösungen suchen, obwohl wir wissen, dass die Rahmenbedingungen oft kaum Lösungen zulassen. Ich versuche, mit Zahlen und Fakten unsere Situation aufzuzeigen.

Beim ZVV hat, wie auch bei den VBZ, ein Wechsel bei der Führung stattgefunden. 
Persönlich kenne ich den neuen ZVV-Direktor Dominik Brühwiler gut. Wir haben an der ETH im gleichen Institut gearbeitet, zeitlich aber nicht zusammen. Uns ist bewusst, dass ein Konsens wegen übergeordneter Vorgaben schwierig ist. Menschlich streiten wir sicher nicht, inhaltlich werden wir in den Diskurs gehen müssen.

Haben Sie da Beispiele?
Die Tempo-30-Geschichte ist eine ganz schwierige Thematik. Der Stadtrat hat eine Haltung und der Kanton hat eine Haltung. Da ist die Schnittmenge sehr gering.

Müssten nicht Stadtrat Michael Baumer und Regierungsrätin Carmen Walker Späh (beide FDP) zusammensitzen?
Es ist eigentlich eine Ebene höher. Zuständig sind der Gesamtstadtrat und der Gemeinderat sowie der Kantonsrat auf der anderen Seite. Somit müssen sich die übergeordneten Parlamente einig werden, die uns die Rahmenbedingungen vorgeben.

Ist die Umsetzung von Tempo 30 im grossen Stil überhaupt möglich?
Der Stadtrat will dazu flankierende Massnahmen umsetzen, zum Beispiel vermehrt Eigentrassees für Tram und Bus. Doch auch das wird etwas kosten.

Glauben Sie wirklich, dass der Kanton die geforderten 70 Millionen bezahlt?
Es sind grobe Schätzungen. Und eben, über mögliche flankierende Massnahmen hat man noch nicht diskutiert. So könnten die Mehrkosten auch tiefer liegen. ­Einen Masterplan haben wir noch nicht. Die Mehrkosten beruhen darauf, wo ­Linien kippen, sprich, wo es mehr Fahrzeuge und Personal braucht. Wenn wir auf gewissen Strecken mit dem Tram weiter 50 fahren könnten, würde uns das ­helfen. Wenn wir dank Eigentrassees nicht im Stau stehen, hilft das zudem, ­Verlustzeiten zu minimieren.

Dann wünschen Sie sich also beispielsweise, dass auf der Hardturmstrasse, wo heute Tempo 30 gilt, das Tram weiter 50 fahren darf?
Das ist ein schwieriges Thema. Es würde ­sicher zusätzliche bauliche Massnahmen brauchen. Da sind wir momentan daran, das konkret zu erarbeiten.

Wie viele Strecken sind von den VBZ be­troffen, wenn Tempo 30 flächendeckend eingeführt wird? 
Der Stadtrat spricht davon, dass auf dem grössten Teil der Strassen Tempo 30 gelten soll. Dazu soll es aber spezielle Gutachten geben. Die Gesamtplanung macht das Tiefbauamt, wir kommen relativ weit hinten. Wir können einfach aufzeigen, was der Mehrwert ist, wenn weiterhin Tempo 50 gilt auf VBZ-Trassees. Entscheiden muss schlussendlich aber der Stadtrat.

Ihr politischer Chef, Stadtrat Baumer, nannte die Forchstrasse als Knackpunkt. 
Die Forchstrasse ist eine typische Ein­fallsachse. Dort ist ein Abwägen wichtig. Soll Tempo 50 für alle weiterhin gelten oder soll man dank flankierender Massnahmen dafür sorgen, dass die Forchbahn und wir weiterhin 50 fahren können als ÖV? Die dritte Variante wäre, dass alle nur noch 30 fahren dürfen. Was bedeutet dies finanziell, was bedeutet das für die Anwohner? Da muss man abwägen. Für jedes dieser Projekte gibt es jeweils eine Auslegeordnung.

Also schaut zuerst das Tiefbauamt die Strecken mit Ihnen an, erst dann werden sie ausgeschrieben?
Ja, so verstehe ich den Stadtrat.

Aber das kann Jahre dauern …
Ja, deshalb will man auch etappiert vorgehen. Zuerst kommen die einfachen Strassenzüge, wo weniger Verkehrsteilnehmende betroffen sind und es weniger bauliche Massnahmen braucht.

Die Mehrkosten wegen Tempo 30 will man in Höngg einsparen, indem man die Buslinie 38 aufhebt. Könnte es wegen Tempo 30 einen weiteren Abbau geben? 
Bei der Buslinie 38 wurden wir mit Tempo 30 vor vollendete Tatsachen gestellt. Dann wollte uns der ZVV die Mehrausgaben nicht finanzieren, weil die Linie 38 einen sehr tiefen Kostendeckungsgrad hat. Sehr schön finde ich nun, dass sich der Stadtrat zur Linie 38 bekannt hat. Er hat zumindest einen Überbrückungskredit in Aussicht gestellt, bis die Finanzierung geklärt ist.

Dann ist die Linie 38 also gerettet?
Wir gehen davon aus, dass die Linie 38 weiter bestehen bleibt. Schlussendlich entscheidet aber der Stadtrat. Immerhin hat der ZVV betont, dass er grundsätzlich keine Angebotsreduktion will. Angebotsabbau bedeutet immer auch einen ­Ertragsrückgang, und das will man nicht.

Der neue VBZ-Direktor Marco Lüthi vor einem Flexity-Tram. Foto: Pascal Turin

Wegen Corona sind die Einnahmen aber massiv zurückgegangen.
Corona bedeutet eine Zwischendelle. Wir gehen davon aus, dass wir 2024 wieder dort stehen, wo wir vor Corona waren. Dazu kommen prognostiziertes Bevölkerungs- und Arbeitsplatzwachstum in und um Zürich. Das Mobilitätsbedürfnis wird also nach all den Modellen steigen.

Hand aufs Herz: Wie teuer ist eigentlich das tägliche Im-Stau-Stehen? Das wäre doch eine Vollkostenrechnung analog der Diskussion um Thema 30, oder?
Die Frage ist berechtigt. Wir kennen zwar die Punkte mit Verspätungen, aber die Mehrkosten haben wir noch nicht untersucht. Der Verkehr ist historisch gewachsen. Stolz können wir auf unser weltweit bekanntes System mit der Lichtsignalbevorzugung für Trams und Busse sein. Das hat viele Verluste reduziert.

Die Rosengarten-Abstimmung inklusive Tramlinie ging verloren. Wie wollen Sie jetzt den Flaschenhals Central und Hauptbahnhof entlasten?
Wir arbeiten an einer Mobilitätsvision 2050. Es soll einen ÖV-Doppelring in und um Zürich geben. Mehr dazu sagen wir im Herbst. Später werden wir auf der Basis dieser Vision dann die Netzentwicklung ausarbeiten.

Und ein wenig konkreter?
Es sind oberirdische wie auch unterirdische Linien geplant. Und: Das Ganze ist abgestimmt mit der Stadt wie auch mit dem ZVV. Wichtig ist uns der multimodale Ansatz mit Bahn, Tram, Bus, Trottinett und Velo, damit die Quartiererschliessung noch besser wird. Das soll unser Beitrag für ein attraktives Zürich sein.

Am Central und am Bellevue stehen sich die VBZ oft selber im Weg.
Tatsächlich müssen wir die Peripherie stärken. Heute führen ganz viele Linien ins Zentrum und von da wieder weg. Künftig wollen wir Stadelhofen, Oerlikon und Altstetten besser einbinden. Dazu arbeiten wir eben an einem modularen Ringsystem. So muss man nicht mehr immer ins Zentrum kommen.

Bei einer neuen Umfrage der «Handelszeitung» («Beste Arbeitgeber Verkehr und Logistik») kam die RhB auf Rang 1, die VBZ lediglich auf Rang 14, noch hinter Eurobus. Was halten Sie von dieser Umfrage?
Ich weiss nicht, wie die Umfrage zu Stande gekommen ist. Wir möchten aber nahe bei den Mitarbeitern sein und schauen, dass die Zufriedenheit wächst. Das Thema Kommunikation zu den Mitarbeitern ist für mich sehr wichtig ebenso wie die Transparenz. Das habe ich schon bei der RhB und der SZU gesehen. So können die Mitarbeitenden Entscheide besser nachvollziehen.

Mussten Sie in Ihren ersten Wochen als neuer Chef bei den VBZ bereits irgendwo die Notbremse ziehen?
Normalerweise führe ich so, dass ich Verantwortung delegiere. So macht das Arbeiten für die Mitarbeitenden mehr Spass. Ich sehe das als Wertschätzung. Nur wenn es aus dem Ruder läuft, ziehe ich die Notbremse. Der erste Hemdknopf muss einfach sitzen.

Wo wurde mit falschem Zuknöpfen ­begonnen?
Wir müssen vermehrt schauen, dass die Fahrgäste wieder zurückkommen, sonst passt es finanziell nicht mehr. Und: Wir müssen in nächster Zeit viele Depots und auch die Zentralwerkstatt erneuern. So braucht es viel Abstellflächen für die Trams. Das ist noch nicht optimal aufeinander abgestimmt. Sonst gibt es Zusatzaufwand und zu viele Leerfahrten. Ein Knackpunkt sind auch die neuen Trams, die sich nicht mehr wie die alten auseinander koppeln lassen in den Depots. Zudem brauchen wir für immer mehr Elektrobusse Ladeeinrichtungen. Das braucht viel Vorlaufzeit.

Von der Gewerkschaft VPOD wird kritisiert, dass der Kanton die Einhaltung der Gesamtarbeitsverträge (GAV) zu wenig kontrolliert. So haben die VBZ auch schon Ausschreibungen verloren, etwa gegen die Limmat Bus AG, welche schlechtere Arbeitsverträge hat.
Die Limmat Bus AG hat auch einen Gesamtarbeitsvertrag. Wichtig ist das Bench­markmodell des ZVV, das die besonderen Gegebenheiten, etwa in der Stadt Zürich, berücksichtigt. Heute und morgen sind keine Ausschreibungen geplant, bei der Limmattalbahn sind die VBZ leider unterlegen. Uns ist wichtig, dass für unsere ­Mitarbeitenden gewisse Rahmenbedingungen eingehalten werden. Wir möchten dem Kanton die Vorteile eines GAV aufzeigen, damit wir bei einer künftigen Ausschreibung gleich lange Spiesse ­haben wie die Mitbewerber. Das wäre aber ein politischer Prozess, wir können da als VBZ keinen Einfluss nehmen. Uns ist wichtig, dass wir mit den Sozialpartnern gut ­auskommen.

So könnte Zürich nachhaltiger bauen

Zuerst veröffentlicht in den Lokalinfo-Zeitungen vom 14. Mai 2021.

Foto: Pascal Turin

Kaum ein Neubau kommt ohne Beton aus, dessen Produktion weltweit Milliarden Tonnen CO2 verursacht. Doch darüber, ob abgerissen oder saniert wird, entscheiden ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte. Und der Baustoff Beton ist gar nicht das Hauptproblem.

Für viele ist es ein Schock. Sie leben teilweise schon jahrelang in ihrer Siedlung, wenn die Hiobsbotschaft eintrifft: Die Besitzerinnen und Besitzer planen einen Neubau, das Haus wird abgerissen. Oft wehren sich die Bewohner, versuchen mit Interessensgemeinschaften die Eigentümerinnen von der Abkehr zu überzeugen. Die Politik wird eingespannt, die Stadt um Hilfe gebeten. Häufig bringt der ganze Widerstand wenig. So etwa bei der Hofacker-Siedlung in Hirslanden, wo die Bagger längst aufgefahren sind.

Mediale Aufmerksamkeit erhielt der geplante Neubau der Siedlung Brunaupark in Wiedikon. Kritisiert wurde insbesondere der Abriss von Gebäuden, die noch über eine gute Bausubstanz verfügen. Die Grossüberbauung verzögert sich nun, aber hauptsächlich, weil die Gerichte den Lärmschutz seit einiger Zeit höher gewichten als früher. Das Projekt wird überarbeitet und vorerst das Ladenzentrum der Migros renoviert.

Grosse Investitionen nötig
Die Stadt Zürich muss verschiedene Aspekte berücksichtigen. Es wird Bevölkerungswachstum prognostiziert, weshalb es mehr Wohnraum braucht. Schlagwort: Verdichtung. Ebenso hat die Stadt den Auftrag, gemeinnützigen Wohnungsbau zu fördern. Gleichzeitig soll der Grünraum erhalten bleiben. Nicht zu vergessen wäre der Denkmalschutz, die Erreichung der 2000-Watt-Ziele und die selbst auferlegte Klimaneutralität bis 2040.

Wie die «Republik» kürzlich berichtete, hat die Stadt vergangenes Jahr eine Studie veröffentlicht, die aufzeigt, wie sie Netto-Null erreichen könnte. Netto-Null bedeutet, dass alle Treibhausgasemissionen durch Ausgleichsmassnahmen der Atmosphäre entzogen werden müssen.

Im Sinne einer klimaneutralen Limmatstadt sollten eigentlich die 2020 bestehenden Gebäude praktisch auch 2050 noch alle stehen, heisst es in der Studie. Jedoch mit energetischen Erneuerungen, wie angefügt wird. Doch das bedingt grosse Investitionen der Eigentümerinnen und Eigentümer und wohl finanzielle Förderung durch den Staat.

Holz und Beton nicht ausspielen
Gemäss einem Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen macht der Bau- und Gebäudesektor 38 Prozent der globalen CO2-Emissionen aus. Mitverantwortlich ist der Baustoff Beton, dessen Produktion Milliarden Tonnen CO2 verursacht. Ausserdem verursachen Gebäude im Betrieb Treibhausgase, fürs Heizen oder Kühlen. Zusätzlich steckt die beim Bauen verbrauchte Energie als sogenannte «graue Energie» in den Wänden. Bei einem Abriss eines Gebäudes mit guter Bausubstanz wird die graue Energie verschwendet.

Ein Ausspielen von Beton mit anderen Materialien wie Holz wäre aber falsch. Dieser Meinung ist Guillaume Habert. Er ist Professor für Nachhaltiges Bauen an der ETH Zürich. Wenn Brettschichtholz, auch Leimholz genannt, verbaut wird, sei die Klimabilanz nicht so viel besser als Beton. «Es gibt keine guten oder schlechten Materialien, sondern das richtige Material am richtigen Ort», erklärt Habert.

Hinzu kommt, dass in Nordamerika und Europa verhältnismässig wenig Neubauten entstehen. Im Gegensatz dazu im globalen Süden, vor allem in Südostasien, Indien und Afrika, wo immer mehr ­Menschen bezahlbaren Wohnraum benötigen. Ersetzt man Beton nun einfach ­generell mit Holz, würde dies zu einer massiven Abholzung der Wälder führen.

Darum ist es wichtig, Strategien zu entwickeln, damit die CO2-Emissionen bei Betonbauten möglichst reduziert werden. In diese Richtung wird viel geforscht, darunter beim Zement, der neben Kies, Sand und Wasser der entscheidende Bestandteil von Beton ist. Die ETH Lausanne hat einen «grünen» Zement namens LC3 entwickelt, die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt arbeitet ebenfalls an alternativem Zement.

Beim Sanieren gibts Widersprüche
«In der Schweiz sind nicht Neubauten das Hauptproblem, sondern die nötige energetische Sanierung bestehender Gebäude», sagt Habert. Für die Dämmung werde oft Expandierter Polystyrol-Hartschaum (EPS), auch als «Styropor» bekannt, verwendet. Für die Herstellung von EPS-Dämmstoffen wird Erdöl benötigt. «Wir stossen CO2 für die Herstellung von Dämmmaterialien aus – um dann damit den Energieverbrauch von Gebäuden zu reduzieren», bringt der ETH-Professor den Widerspruch auf den Punkt. Doch selbst EPS-Dämmstoffe seien nicht grundsätzlich schlecht.

Egal ob für Neubauten oder Renovationen, es ist eine Berücksichtigung verschiedener Materialien nötig. Etwa Beton und Zement, der mit weniger CO2-Ausstoss produziert werden kann, oder Holz. Auch Lehm wäre eine Möglichkeit, weil dieser bei der Verarbeitung nur einen Bruchteil der Energie anderer Materialien benötigt. Für die Dämmung eignet sich Stroh, Hanf oder Flachs. Gleichzeitig müssten die alten Heizungen ausgewechselt werden. «Wichtig ist, dass man diese Aspekte kombiniert», sagt ETH-Professor Habert.

Handlungsspielraum beschränkt
Doch in welchen Fällen setzt sich die Stadt Zürich für Sanierungen ein – und in welchen eher für Neubauten? «Es lässt sich keine allgemeingültige Antwort geben», sagt dazu Lukas Wigger, Mediensprecher des Präsidialdepartements. Es gibt Fälle, in denen durch einen Ersatzneubau deutlich mehr Wohnraum als vorher entstehen kann, allenfalls preisgünstige Wohnungen oder solche zur Kostenmiete gebaut werden. Idealerweise wird früh kommuniziert, die Mieterschaft erhält Ersatzangebote und wird auch durch ein «MieterInnen-Büro» oder eine ähnliche Institution unterstützt. «In Fällen, wo alle oder viele dieser Voraussetzungen gegeben sind, sind Ersatzneubauten oftmals sinnvoll», erklärt Wigger.

Die Stadt wirkt laut eigener Aussage bei privaten Bauträgerschaften sensibilisierend auf ein sozialverträgliches Vorgehen hin. Das Amt für Städtebau bietet ­zudem Beratungsgespräche für Bauherrschaften an. Das kann sich positiv auswirken. Doch wenn ein Gebäude nicht im Inventar der Denkmalpflege aufgeführt ist, hat die Stadt rechtlich keine Möglichkeit, einen Abbruch zu verhindern – ihr sind die Hände gebunden.

Es sei denn, es handelt sich ganz offensichtlich um ein «übersehenes» hochwertiges Schutzobjekt. In diesem Fall müsste der Stadtrat ein Veränderungsverbot mit anschliessender formeller Schutzabklärung verfügen. «Dies geschieht in der Stadt Zürich sehr selten, weil mit dem Denkmalinventar die überwiegende Zahl der schutzwürdigen Bauten in der Stadt bereits klar und transparent definiert sind», erklärt Wigger.

Ab und an entlässt die Stadt aber Gebäude aus dem Denkmalschutz, etwa das Haus zum Falken mit dem ehemaligen Café Mandarin direkt neben dem Bahnhof Stadelhofen. Dort soll ein Neubau des Stararchitekten Santiago Calatrava entstehen.

Manchmal funkt jedoch die Justiz dazwischen. So entschied das Bundesgericht zum Beispiel, dass die Gründersiedlung der Familienheim-Genossenschaft im Quartier Friesenberg nicht abgerissen werden darf. Damit wurde dort die bauliche Verdichtung eingeschränkt.

Stadt baut auch mit Lehm
Eine Vorbildfunktion fällt der Stadtverwaltung zu. Anfang 2000er-Jahre wurden die Gerätehäuser der Sportanlage Sihlhölzli unter anderem mit Stampflehm gebaut. Auch die Erweiterung des Schul­pavillons Allenmoos II in Unterstrass oder der Bettenhausneubau des Triemlispitals sind Beispiele für Bauten mit substanziellem Lehmanteil. «Die Stadt Zürich setzt bei ihren Bauten grundsätzlich ökologisch nachhaltige Baumaterialien ein», so Lucas Bally vom Hochbaudepartement. Sie spiele seit 20 Jahren eine Pionierrolle in der Nutzung von Recyclingbeton. «Damit sind ganz wesentliche Beiträge zum Schliessen von Stoffkreisläufen und zum Landschaftsschutz gelungen», sagt Bally. Der Kunsthauserweiterungsbau bestehe zu 98 Prozent aus Recyclingbeton.

Als Pionierprojekt gilt die Wohnsiedlung Kronenwiese oberhalb des Limmatplatzes. Sie besteht zwar auch aus viel ­Beton, dafür wird der Energiebedarf der Öko-Überbauung für Raumwärme, Warmwasser und Lüftung lokal und aus erneuerbarer Energie gewonnen. Dies geschieht in Form von 21 Erdsonden und einer Solaranlage. Für die Siedlung war kein Abriss nötig, da das Areal unbebaut war. Hier musste die Stadt weder zwischen Sanierung oder Neubau entscheiden noch Mietverträge kündigen.

Es war Millimeterarbeit gefragt

Zuerst veröffentlicht im «Züriberg» vom 29. April 2021.

Die geotechnische Zentrifuge der ETH wird langsam in den Untergrund hinabgesenkt. Sie wurde ursprünglich in Bochum verwendet und für die ETH Zürich aufgerüstet. Foto: Pascal Turin

In Zukunft können ETH-Forscherinnen und ETH-Forscher Erdbeben oder Bodenverschiebungen realistisch simulieren. Auf dem Campus Hönggerberg wurde eine der weltgrössten Zentrifugen installiert.

Ganz langsam senkten die Bauarbeiter das knapp zehn Meter lange Objekt von einem mobilen Kran in den Untergrund hinab. Millimetergenau musste es an die richtige Stelle gesetzt und in einen Betonzylinder eingefügt werden. Die riesige Zentrifuge, die kürzlich auf dem Campus Hönggerberg der ETH Zürich installiert wurde, ist laut der Hochschule die fünftgrösste der Welt.

Mit dieser geotechnischen Zentrifuge wollen Forscherinnen und Forscher zukünftig Erdbeben oder Bodenverschiebungen realistisch simulieren, wie Ioannis Anastasopoulos erklärte. Er ist Professor für Geotechnik an der ETH. Dieses Fachgebiet beschäftigt sich unter anderem mit Baugrunduntersuchungen. Dank der Zentrifuge können Modelle erstellt und Risiken beim Bauen besser eingeschätzt werden – darunter die Stabilität von Hochhausfundamenten.

Federn dämpfen Vibrationen
Durch die Rotation der Zentrifuge entsteht Beschleunigung. «Die Kraft, die auf den Untergrund wirkt, kann dadurch mit einer viel kleineren Menge der entsprechenden Erde simuliert werden», sagte Anastasopoulos. Die geotechnische Zen­trifuge kann G-Kräfte erzeugen, die dem 250-Fachen der Erdbeschleunigung entsprechen, und dabei bis zu zwei Tonnen Last tragen.

Zum Vergleich: Kampfjetpilotinnen und Kampfjetpiloten müssen in Tests für kurze Zeit 9 g aushalten. Zum Glück war es James Bond im Film «Moonraker» also möglich, die Zentrifuge fürs Astronautentraining in letzter Sekunde zu stoppen. In dieser wollte ihn ein Bösewicht skrupellos um die Ecke bringen.

Die Zentrifuge der ETH steht auf einem Betonzylinder. Darunter befinden sich Stahlfedern. «Durch die speziell angefertigten Federn werden die Schwingungen gedämpft, welche durch die Zentrifuge entstehen», erklärte Bauprojektleiter Rainer Brandstätter. Damit soll verhindert werden, dass sich Vibrationen auf dem Hönggerberg ausbreiten. Das ist besonders wichtig, weil überall auf dem Campus Messungen stattfinden, die nicht gestört werden dürfen.

Die Zentrifuge ist übrigens aus zweiter Hand. Sie stand bei der Ruhr-Universität in Bochum und wurde dort nicht mehr gebraucht. «Sie war eine grossartige Kaufgelegenheit, viel billiger als eine neue Zentrifuge», sagte Brandstätter. Für die ETH Zürich wurde die Zentrifuge jedoch aufgerüstet, darunter mit einem Schütteltisch zur Simulation von Erdbeben.

Das ganze Projekt ist Teil der Sanierung und Erweiterung des Gebäudes HIF.  Dieses stammt aus dem Jahr 1976. Dort forscht und lehrt das Departement Bau, Umwelt und Geomatik. Aktuell wird fleissig gearbeitet, Anfang 2023 soll der gesamte Bau fertig sein. Teile des Gebäudes werden aber schon vorher bezogen.

Neuer Zoo-Direktor will Seilbahn

Tritt in die grossen Fussstapfen seines Vorgängers Alex Rübel und hat mit Schuhgrösse 49 die besten Voraussetzungen: Severin Dressen. Foto. pw.
Tritt in die grossen Fussstapfen seines Vorgängers Alex Rübel und hat mit Schuhgrösse 49 die besten Voraussetzungen: Severin Dressen. Foto. pw.

Zuerst veröffentlicht in den Lokalinfo-Zeitungen vom 25. Juni 2020.

Er ist gekommen, um zu bleiben: Der 32-jährige Severin Dressen will den Zoo Zürich bis zu seiner Pensionierung führen und die Zoo-Seilbahn bauen.

Seit mehreren Jahren ist eine Seilbahn vom Bahnhof Stettbach zum Zoo Zürich geplant. Sie soll das Parkplatzproblem lösen und die Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr verbessern. Doch die Fronten sind verhärtet. Gegner befürchten eine Verlagerung des Verkehrs aus dem Quartier Fluntern nach Dübendorf, wenn in Stettbach alle auf die Seilbahn umsteigen wollen.

Ein Zeichen in dieser umstrittenen Geschichte setzte jetzt Severin Dressen. Der 32-jährige Deutsche ist ab Juli neuer Direktor des Zoos. Für ihn ist die Seilbahn der richtige Weg für die Zukunft. «Wenn sich der Züri-Zoo etwas in den Kopf gesetzt hat, dann setzt er das auch um», verkündete Dressen vor den Medien.

Grosse Fussstapfen ausfüllen
Dressen tritt in grosse Fussstapfen. Sein Vorgänger Alex Rübel hat den Zoo nicht nur 29 Jahre lang geführt, er ist auch ein guter Lobbyist in Zoo-Sachen. Der Zunftmeister der Zunft zur Saffran hat in seiner Amtszeit viele grosse Projekte umsetzen können und dafür das Geld aufgetrieben. Erst kürzlich wurde Rübels letzter Meilenstein vor der Pension eröffnet – die Lewa-Savanne mit Giraffen und Nashörnern. «Der Nachfolger muss ganz grosse Fussstapfen ausfüllen», sagte darum Verwaltungsratspräsident Martin Naville. Dass Dressen, der mit Frau und seinen zwei Kindern in Zürich lebt, das kann, daran scheint beim Zoo niemand zu zweifeln. Der in Aachen aufgewachsene Biologe erhielt viele Vorschusslorbeeren. Sein Vorgänger Alex Rübel betonte die Gemeinsamkeiten, etwa bei der Philosophie. «Auch in vielen kleinen Sachen denken wir ähnlich», fügte Rübel an. Er selbst war bei seinem Amtsantritt 1991 mit 36 Jahren nur vier Jahre älter als sein Nachfolger Dressen gewesen.

Über 140 Bewerbungen gingen für die Stelle ein. Am Ende standen zwei Frauen und drei Männer in der engen Auswahl – ein Schweizer, eine Österreicherin und drei Deutsche. Durchgesetzt hat sich Dressen, der in Berlin und London Biologie studiert und in Zoologie an der Universität Oxford doktoriert hat. Vor seiner Stelle in Zürich war er stellvertretender Direktor im Zoo Wuppertal.

Seit 1. April arbeitete sich Dressen nun im Hintergrund ein, bildete sich im Bereich Management weiter. Auch ein Medientraining erhielt der 32-Jährige. In der Einführungszeit war Dressen noch vor den Medien abgeschirmt worden.

Zoo plant neue Anlage für Gorillas
Als Herausforderung nannte Dressen die Digitalisierung – darunter beim Bildungsangebot. Vorgestellt wurden die nächsten Bauprojekte, die jedoch noch sein Vorgänger Rübel aufgegleist hat. So ist eine begehbare Voliere im Gebiet Pantanal geplant, ebenso soll zwischen Zoolino und Lewa-Savanne eine Anlage für Gorillas entstehen. Im heutigen Menschenaffenhaus werden dann die Orang-Utans ein modernes Zuhause erhalten.

Gerade die Bauprojekte sollen nicht die einzigen sein, die Dressen umsetzen möchte. Details könne er zwar keine nennen, wie er am Rande der Veranstaltung sagte, er wolle aber bis zur Pensionierung bleiben. Zeit für weitere Meilensteine bleibt also. Nächstes Jahr soll der Entwicklungsplan 2050 vorgestellt werden.

Er bändigte die Luftströmungen

«Der Weg zum Überschall-Verkehrsflugzeug» war das Thema seiner Abschiedsvorlesung 1967 an der ETH: Aerodynamiker Jakob Ackeret im Hörsaal. Foto: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Photographisches Institut der ETH Zürich
«Der Weg zum Überschall-Verkehrsflugzeug» war das Thema seiner Abschiedsvorlesung 1967 an der ETH: Aerodynamiker Jakob Ackeret im Hörsaal. Foto: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Photographisches Institut der ETH Zürich

Zuerst veröffentlicht in den Lokalinfo-Zeitungen vom 14. Mai 2020.

Wo die Luftfahrt aktuell hinsteuert, ist offen. Einer, der sie massgeblich beeinflusste, war der Aerodynamiker Jakob Ackeret.

Plötzlich ein lauter Knall: Ein Kampfjet bricht durch die Schallmauer. Dass er so schnell fliegen kann, ist auch der Arbeit von Jakob Ackeret zu verdanken. Zu seinen Leistungen gehörte die Erforschung des Überschallflugs. Die Einführung der Mach-Zahl – der Masseinheit für Schall- und Überschallgeschwindigkeit – geht auf ihn zurück. Er hat vorgeschlagen, sie nach dem österreichischen Physiker Ernst Mach zu benennen.

Jakob Ackeret wurde 1898 geboren und wuchs in Riesbach auf. Er studierte Maschinenbau an der ETH und wurde 1920 Assistent. Knapp ein Jahr später wechselte er nach Göttingen zu Ludwig Prandtl. Unter dem deutschen Strömungsforscher widmete er sich der Flugzeug-Aerodynamik. «Zu diesem Zeitpunkt befanden sich Wissenschaft und Technik des Flugwesens in voller Entwicklung», schreibt Luft- und Raumfahrtspezialist Georges Bridel im Buch «Schweizer Wegbereiter des Luftverkehrs».

In Göttingen beschäftige sich Ackeret mit dem Ausbau des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Strömungsforschung, das heute Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation heisst. Der Wissenschafter erforschte die Probleme des Flugs bei hohen Geschwindigkeiten.

Für Kampfflugzeuge verwendet
«Die frühen Pioniere der Luftfahrt mussten sich mit der Antriebsfrage genauso intensiv befassen wie mit der Aerodynamik des Auftriebes und des Widerstandes», heisst es im Buch. Strahltriebwerke setzten sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg durch. Vorher gab es nur die Luftschraube – also Propeller an einem Flugzeug. Ackeret sammelte deshalb Erfahrung bei Wasserturbinen und entwickelte einen Verstellpropeller für Schiffe. Dessen Weiterentwicklung wurde später in den schweizerischen Kampfflugzeugen C-36 und Morane D-3802/03 eingesetzt.

Als Ackeret 1927 aus Deutschland nach Zürich zurückkehrte, übernahm er das Labor für Hydraulik und Strömungsmaschinen bei der Escher Wyss AG. Schon wenige Jahre später, 1934, ernannte ihn die ETH zum ordentlichen Professor für Aerodynamik. Mit seinem neuartigen Überschallwindkanal sorgte er weltweit für Aufsehen. Ackeret leistete wichtige Beiträge im Bereich des Flugzeugbaus, des Überschallflugs und der Weltraumfahrt. Doch der Zürcher war nicht überall erfolgreich: In den 1950er-Jahren scheiterte die Entwicklung des Schweizer Düsen-Jagdflugzeugs P-16, an der sein Institut beteiligt war. Nach Abstürzen von Prototypen zog der Bundesrat eine Bestellung für 100 Stück zurück. Eine Enttäuschung dürfte zudem sein, dass sich die Überschallgeschwindigkeit in der zivilen Luftfahrt nie durchgesetzt hat. Exemplarisch dafür ist das Ende des französisch-britischen Überschall-Passagierflugzeugs Concorde. Immerhin: Im Militär ist der Überschall Standard.

Seine Abschiedsvorlesung an der ETH 1967 schloss Ackeret mit Worten von Gottfried Keller: «Und wenn vielleicht in hundert Jahren, in Luftschiff hoch mit Griechenwein durchs Morgenrot käm’ hergefahren – wer möchte da nicht Fährmann sein?» Ackeret starb 1981 mit 83 Jahren in Küsnacht. Zum hundertsten Geburtstag widmete ihm die ETH-Bibliothek 1998 eine Ausstellung.

Das Buch «Schweizer Wegbereiter des Luftverkehrs» ist nur noch antiquarisch erhältlich. Andere Werke über Schweizer Pioniere: www.pioniere.ch

Kirchen sind mehr als historische Gebäude

Zuerst veröffentlicht in «Zürich 2» vom 7. November 2019.

Aus dem Zürcher Altstadtpanorama nicht wegzudenken: Die Kirche St. Peter mit der grössten Turmuhr Europas. Foto: Lisa Maire

Sie prägten lange Zeit das Wachstum Zürichs: Ein neues Buch beleuchtet die Geschichte der Stadt anhand der Altstadtkirchen.

Heute sind sie schon rein aus touristischer Sicht nicht mehr wegzudenken: die Altstadtkirchen. Doch schon im Hochmittelalter – Mitte 11. Jahrhunderts bis Mitte 13. Jahrhunderts – war Zürich ein Pilgerort. Seine Kirchen und Klöster prägten die Entwicklung der Limmatstadt.

Das neue Buch «Die Zürcher Altstadtkirchen. Eine Stadtgeschichte entlang der Sakralbauten» ähnelt einem Reiseführer. Im Mittelpunkt stehen die Wasserkirche, das Fraumünster, die Predigerkirche, das Grossmünster, der St. Peter, die Augustinerkirche sowie die Liebfrauenkirche. Geschrieben hat es das Vater-Sohn-Autorenduo François Baer und Yves Baer.

Gefoltert in der Kapelle
Die erste Kirche Zürichs war keine der heute berühmten Altstadtkirchen. In mittelalterlichen Chroniken wird die Kapelle St. Stephan als älteste Pfarrkirche bezeichnet. Sie stand südlich der Bahnhofstrasse in der Gegend um den Pelikanplatz. Hier sollen die Zürcher Stadtheiligen Felix und Regula gefoltert worden sein.

Enthauptet wurden die Stadtheiligen dann aber auf einer kleinen Insel in der Limmat. Dort bauten die Zürcherinnen und Zürcher später die Wasserkirche. Der Kult um Felix und Regula war Reformator Huldrych Zwingli ein Dorn im Auge. Er bezeichnete die Wasserkirche als «rechte Götzenkirche», weshalb sie fast am meisten Änderungen erfuhr. Beim Bildersturm 1524 entfernte man die Altäre und die Orgel. Zwingli liess Bilder, Statuen sowie Wandschmuck abhängen. «Als Folge der Umnutzungen nach der Reformation wurde die Wasserkirche mehrmals umgebaut», so die Autoren. Sie diente zeitweise als Warenlager, danach ab 1634 als erste öffentliche Bibliothek.

Das Grossmünster brennt 1763 nach einem Blitzeinschlag. Erst 1781 bis 1787 erhalten die Türme Kuppeln. Zeichnung: Paul Usteri, Baugeschichtliches Archiv

Karl der Grosse jagte einen Hirsch
Das Grossmünster hat ebenfalls einen starken Bezug zu Felix, Regula und ihrem Diener Exuperantius. So sollen die Stadtheiligen nach ihrer Enthauptung ihre Köpfe ergriffen haben und bis zu ihrer Grabstätte gegangen sein, wo heute die Kirche mit den zwei markanten Türmen steht.

Das Grossmünster ist das historische Wahrzeichen der Stadt Zürich. Und um die Kirche rankt eine weitere Legende: Karl der Grosse habe einen Hirsch von seiner Residenz in Aachen bis nach Zürich verfolgt. Der Hirsch führte ihn an die Grabstätte von Felix und Regula und sei in die Knie gesunken. Karl der Grosse befahl deshalb, eine Kirche zu errichten. «Zwischen 952 und 1055 residierten zwölf Mal die Kaiser in Zürich», schreiben François und Yves Baer. So sei es durchaus denkbar, dass die Gründungslegenden des Grossmünsters und der Wasserkirche einen wahren Kern hätten und Karl der Grosse in Zürich residiert habe. Das lässt sich aber nicht beweisen.

Klar ist hingegen, dass das Grossmünster Ausgangspunkt der Reformation in Zürich war. Zwingli predigte hier, er trat sein Amt am 1. Januar 1519, also vor 500 Jahren, an. Auch architektonisch hat sich die Kirche verändert. «Am 24. August 1763 brannte das Dach des Nordturms aufgrund eines Blitzeinschlages ab, die Glocken wurden mit nassen Kuhhäuten vor dem Schmelzen gerettet», schreiben die Autoren. Ein kompletter Neubau stand zur Diskussion. 1770 erhielten die Türme Balustraden und glichen damit der Notre-Dame in Paris. Zwischen 1781 und 1787 entstanden die Kuppeln.

Das Buch von François Baer und Yves Baer ist mit über 500 Abbildungen reich illustriert. Einige Fotos sind allerdings etwas klein geraten. Neben einer Einführung zur Geschichte der Stadt von der Spätantike bis heute werden die sieben Altstadtkirchen mit je einem Kapitel gewürdigt. Das Buch zeigt Ereignisse entlang der Gotteshäuser auf und stellt wichtige Persönlichkeiten vor. «Die Zürcher Altstadtkirchen. Eine Stadtgeschichte entlang der Sakralbauten» zeichnet die Baugeschichte der Kirchen nach, erzählt, welche Schätze im Verlauf der Jahrhunderte verloren gingen.

Die römisch-katholische Liebfrauenkirche steht geografisch ausserhalb der Altstadt. Sie wurde im Jahr 1894 eingeweiht. Foto: Pascal Wiederkehr

Langer Weg zur eigenen Kirche
Um 1850 war laut Statistik Stadt Zürich über neunzig Prozent der Wohnbevölkerung evangelisch-reformiert. 2017 lebten in Zürich noch rund 21 Prozent Reformierte. Konfessionslose und römisch-katholische Personen sind häufiger vertreten – dies vor allem durch Zuwanderung.

Nur etwa 0,2 Prozent der Bevölkerung ist hingegen christkatholisch. Die Christkatholiken haben ihre Heimstätte in der Augustinerkirche in der Nähe der Bahnhofstrasse. Im Zuge der Reformation wurde die Kirche zur Münzstätte umfunktioniert. Erst 1840 übernahmen die Katholiken die Kirche. Der Streit um die Unfehlbarkeit des Papstes nach dem Ersten Vatikanischen Konzil von 1870 spaltete die Gemeinde in Christkatholiken und romtreue Katholiken. Die Romtreuen waren die Minderheit und verloren die Augustinerkirche. In der damals eigenständigen Gemeinde Aussersihl wurde deshalb die Kirche St. Peter und Paul gebaut. Unter anderem wegen ihrer schlichten Ausstattung und ihrer Lage bezeichnete man sie als Armeleutekirche. Weil die katholische Bevölkerung im 19. Jahrhundert stark wuchs, wurde der Bau weiterer Kirchen nötig. Ab 1893 entstand die Liebfrauenkirche im Stil einer christlichen Basilika. Die Anlehnung an italienische Vorbilder soll die Verbundenheit mit Rom ausdrücken.

Yves Baer, François G. Baer – Die Zürcher Altstadtkirchen. Eine Stadtgeschichte entlang der Sakralbauten. NZZ Libro, 2019. 256 Seiten, über 500 Abbildungen.

Kunstwerke, die wir (nicht) vermissen

Zuerst veröffentlicht in «Zürich 2» vom 8. August 2019.

In Zürich ist wieder Kunstsaison. Nein, ich meine nicht die liegen gelassenen Bierdosen am Seeufer und auf Bänkli, die in ihrer Gesamtheit ebenfalls ein Werk ergeben könnten: «Rücksichtslosigkeit», geschaffen von Zürichs Bevölkerung. Ich rede von der Open-Air-Ausstellung Gasträume, die noch bis zum 1. September zu sehen ist. Auf dem Tessinerplatz steht beispielsweise ein Jägerhochsitz, von dem Klingeltöne und Pfeifgeräusche erklingen. Der Klingelton lässt den Homo smartphonensis nach dem Handy greifen. Ob sich Frauen umdrehen, wenn es aus dem Hochsitz pfeift, lasse ich offen.

Immer wieder sind temporäre Kunstwerke in der Stadt zu sehen. Manche sorgen für Gesprächsstoff, andere verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind. Der Hafenkran am Limmatquai war seiner Zeit voraus.

Heute, wo jeder auf Instagram ist, wäre er der letzte Schrei. Mit dem richtigen Filter, der den Hafenkran verschönert, und dem passenden Hashtag hätte er zum Schweizer Eiffelturm avancieren können. Damals aber war das Monstrum für viele ein Schandfleck. Die perfekte Altstadt-Szenerie in den Augen der Touristiker nachhaltig verdorben.

Es ist zu gross geraten für eine Modelleisenbahn, aber zu klein, um die Wohnungsnot zu lindern.

Für weit weniger Diskussionen, dafür aber für hämische Kommentare sorgten die Sonnensegel der Künstlerin Claudia Comte auf dem Münsterhof. Sie waren willkommene Schattenspender, hielten aber den Sommergewittern nicht richtig stand.

Zwar nicht temporär, aber immerhin auffällig ist ein anderes Werk: Seit letztem Jahr steht bei der offenen Rennbahn in Oerlikon ein Minihaus. Geschaffen hat es das Künstlerduo Fischli/Weiss. Es ist zu gross geraten für eine Modelleisenbahn, aber zu klein, um die Wohnungsnot zu lindern. Ob zuerst die Swissminiatur in Melide angefragt worden war und abgelehnt hat, ist nicht bekannt.

Der Kaiser trägt nur edelsten Zwirn

Dort ist die Tür: Der Kaiser (r.) entlässt seinen Weber, weil der lieber Guetzli isst, statt zu arbeiten. Foto: Pascal Wiederkehr
Dort ist die Tür: Der Kaiser (r.) entlässt seinen Weber, weil der lieber Guetzli isst, statt zu arbeiten. Foto: Pascal Wiederkehr

Zuerst veröffentlicht in «Zürich 2» vom 25. Juli 2019.

Ein Sommermärchen im Sihlwald: Das Stück «Em Kaiser sini neue Chleider» bringt Kinder und Erwachsene zum Lachen.

«Ab und zu mache ich eine Pause und esse ein paar Guetzli», erzählt Weber Sämi (Yves Ulrich) mit einem Grinsen. Er entspannt sich gerade auf dem kaiserlichen Thron. Auch ein Weber brauche einmal ein bisschen Ruhe. So ein fleissiger Kerl, wie er es sei. Ganz anderer Meinung ist hingegen der Kaiser von Latzhosonien (Beat Gärtner). «Mit seinen ungehobelten Händen bringt er nicht einmal eine Sofadecke fertig», schimpft er.

Im Märchen «Em Kaiser sini neue Chleider» dreht sich alles um die Garderobe von Ihrer Majestät. Der elegante Hofmarschall Helmhuet (Frank Bakker) und der schusslige Oberhofschneider Rümpfli (Nico Jacomet) sorgen sich Tag und Nacht darum, dass der Kaiser bestens gekleidet ist. Vor allem das jüngere Publikum hat viel zu lachen, als dem Kaiser eine Nadel im Allerwertesten stecken bleibt. Weber Sämi, der sie auf dem Thron vergessen hat, wird entlassen.

Das kommt bei der emanzipierten Prinzessin Sidefädeli (Ramona Fattini) schlecht an. Sie hat sich in Sämi verliebt, wie sie ihren Kammerzofen Broschett (Mareen Beutler) und Brischitt (Pascale Sauteur) gesteht. Gut, taucht plötzlich ein neuer Weber auf, der dem Kaiser den edelsten aller Stoffe verspricht. Menschen, die ihres Amtes nicht würdig oder dumm seien, würden ihn nicht einmal sehen. Weil niemand zugeben will, die Kleider nicht sehen zu können, spielt der ganze Hofstaat mit. Es wird fleissig am unsichtbaren Stoff gearbeitet, damit des Kaisers neue Kleider rechtzeitig dem Volk präsentiert werden können.

Nico Jacomet, bekannt als Gründer des Adliswiler «Theaters NI&CO», hat das Dialektmärchen geschrieben. Die Geschichte des Stücks basiert auf dem Märchen des dänischen Autors Hans Christian Andersen. «Em Kaiser sini neue Chleider» ist die erste Produktion des «Theaters im Märliwald».

Die Aufführungen finden auf der Bühne des Freilichttheaters Sihlwald beim Wildnispark Zürich statt. Besonders schön ist, wenn sich die Bühnenwände Richtung Sihl öffnen und der Sihlwald zum Märchenwald wird. Gespielt wird bei jedem Wetter, das Publikum sitzt im Trockenen. Regisseur Jacomet und sein Team überzeugen mit «Em Kaiser sini neue Chleider» nicht nur Kinder. Das Stück hat für Erwachsene einige lustige Anspielungen zu bieten. Gezeigt wird das Märchen noch bis zum 4. August.

«Em Kaiser sini neue Chleider» im Freilichttheater Sihlwald. Aufführungen: 31. Juli, 3. August, 4. August, jeweils 14 Uhr. Tickets: www.turbinetheater.ch

Wie viel Privatsphäre braucht es in der digitalen Zukunft?

Zuerst veröffentlicht in «Zürich 2» vom 31. Januar 2019.

Der Datenschutzbeauftragte des Kantons lud zu einer Podiumsdiskussion mit Experten ein. Konsens herrschte darüber, dass Datenschutz wichtig ist. Doch viele Fragen bleiben unbeantwortet.

Persönliche Freiheit und Privatsphäre sind Grundlagen einer demokratischen Gesellschaft. Doch im Internet kommt sie schrittweise abhanden, wir werden überwacht und manipuliert. Warum das so ist und ob man sich dagegen wehren kann, war Thema in der Reihe Kosmopolitics im Kulturhaus Kosmos am Rande der Europaallee in Zürich. Nur wenige Meter weiter forscht auch Google an der Zukunft.

Anlässlich des 13. Europäischen Datenschutztages trafen sich Bruno Baeriswyl, Datenschutzbeauftragter des Kantons Zürich, Hernâni Marques vom Chaos Computer Club Schweiz, Psychologin Josephine Schmitt und Medienpädagogin Friederike Tilemann. Moderiert wurde das Gespräch von Edgar Schuler, Ressortleiter Analyse beim «Tages-Anzeiger».

Unter den Teilnehmenden, herrschte der Konsens, dass Datenschutz und Privatsphäre im Internet ein wichtiges Gut sind. Ihre Anliegen widersprachen sich nicht, ein gemeinsamer Lösungsansatz war aus der Diskussion aber kaum zu erkennen. Es war, als würde jeder vom eigenen Berg herabpredigen.

Diskutierten gemeinsam im Kosmos über Datenschutz in der digitalen Welt: Der kantonale Datenschutzbeauftragte Bruno Baeriswyl, Psychologin Josephine B. Schmitt. Foto: pw.

Selbstbestimmung ist wichtig
Der kantonale Datenschutzbeauftragte Bruno Baeriswyl sprach hauptsächlich aus der Perspektive des Nutzers: «Wir akzeptieren eigentlich, dass die grossen Player, wie Facebook oder Google, unsere Selbstbestimmung, unsere Privatsphäre verletzen und uns manipulieren.» Wer eine Dienstleistung im Internet nutzen möchte, müsse die Geschäftsbedingungen akzeptieren, ohne das er eine Wahl habe. «In den 1990er Jahre war das Internet das Netz der Freiheit. Heute muss man sagen, es ist das Netz der verlorenen Freiheit.»

Hernâni Marques vom «Chaos Computer Club», einer Hackervereinigung, die sich für Privatsphäre und Informationsfreiheit einsetzt, sah das Problem grundsätzlicher Natur: Er wehrte sich gegen ständige Überwachung. «Das Internet ist eine Fehlkonstruktion in der jetzigen Form.» Er plädierte für Peer-to-Peer-Netzwerke, bei denen die Computer untereinander verbunden sind, ohne zentrale Server. Die Kommunikation läuft direkt von einem Computer zum anderen. Bekanntes Beispiel ist das «Darknet», welches wegen krimineller Aktivitäten in Verruf geraten ist. Es wird aber auch dazu genutzt, damit sich Nutzer vor Zensur- und Überwachungsmassnahmen schützen können.

Medienpädagogin Friederike Tilemann und Hernâni Marques vom Chaos Computer Club Schweiz. Foto: pw.

Einen pädagogischen Ansatz wählte Friederike Tilemann, Medienpädagogin an der Pädagogischen Hochschule Zürich. Kinder bräuchten Schutz vor den Gefahren, aber auch Kompetenzen im Umgang mit dem Netz. Sie müssten lernen, ihre Privatsphäre zu schützen – und die Privatsphäre der anderen. Dazu hat die Hochschule zusammen mit dem Datenschutzbeauftragten ein Lehrmittel für Vier- bis Neunjährige veröffentlicht.

«Es ist nicht das Internet, was böse ist», sagte Psychologin Josephine Schmitt, die über Radikalisierung und extremistische Online-Propaganda forscht. «Es kann einfach wahnsinnig leicht für böse Zwecke missbraucht werden.» Schmitt blieb sonst im Gespräch etwas aussen vor. Die Teilnehmer kratzten bei den Inhalten des Internets nur an der Oberfläche.


Neues Lehrmittel zum Thema Datenschutz für Kinder
Medienkompetenz bedeutet mehr, als zu wissen, wie man ein Tablet bedient oder in den sozialen Medien Sicherheitseinstellungen anpasst. Aus diesem Grund sollen an Zürcher Schulen neue Unterrichtsmaterialien zum Einsatz kommen, die sich dem Thema Datenschutz und Privatsphäre annehmen. Diese wurden am Montag an einer Medienkonferenz vorgestellt.  
Entstanden ist das Lehrmittel «Geheimnisse sind erlaubt» in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH) und dem Datenschutzbeauftragten des Kantons Zürich. Die Unterrichtsmaterialien richten sich an vier- bis neunjährige Kinder. Die Selbstbestimmung über die eigenen Daten sei ein Grundwert einer freien Gesellschaft, findet Bruno Baeriswyl, kantonaler Datenschutzbeauftragter. Die sozialen Medien würden zu einem Verlust von Transparenz führen. «Man weiss nicht mehr, was mit den eigenen Daten geschieht. Man verliert auch die Selbstbestimmung», sagte Baeriswyl. Je früher Kinder also wissen würden, wie sie ihre Privatsphäre im digitalen Zeitalter schützen können, desto besser.
 
Trickfilm führt ans Thema heran
Das neue Lehrmittel ist laut Heinz Rhyn, Rektor der PHZH, zumindest im europäischen Raum bisher einmalig. Rhyn nannte es ein «besonders gelungenes und wichtiges Instrument». Kinder lernen, weshalb es wichtig ist, gewisse Dinge für sich zu behalten und die Privatsphäre anderer zu respektieren. Sie erfahren, dass Regeln, die für die analoge Welt gelten, auch in der digitalen Welt angewandt werden können. «Es geht nicht um Fragen von Passwörtern oder Big Data, sondern um die Sensibilisierung für Privatsphäre», erklärte Medienpädagogin Friederike Tilemann.  
Ein Trickfilm soll für die jüngsten Kinder einen Zugang zum Thema schaffen. Kinder ab sieben Jahren werden über ein Wimmelbild angesprochen, das einen Pausenhof zeigt. Es sind Szenen zu sehen, hinter denen sich Geheimnisse verstecken. Zu jeder Szene gibt es einen Text und eine Audiodatei, die an die Themen Datenschutz und Privatsphäre heranführen. Die Schülerinnen und Schüler lernen, dass Geheimnisse in der Regel zu wahren sind, es aber Geheimnisse gibt, bei denen sie auch Erwachsene ins Vertrauen ziehen sollten. In weiteren Lektionen kommt der Umgang mit fremden Daten wie Fotos zur Sprache.
Die Unterrichtsmaterialien erscheinen im April als E-Book kostenlos zum Download. Ab Herbst fliessen sie in die Lehrerausbildung an der PHZH ein. In den nächsten zwei Jahren sollen unter dem Titel «Selbstbestimmt digital unterwegs» weitere Lehrmittel erscheinen. (pw.)