Sie sind Gesundheitspolizisten

Zuerst veröffentlicht im «Züriberg» vom 25. Februar 2021.

Sie gehören zu den Alligatoren: Der Zoo Zürich hält nun Breit­schnauzen­kaimane. Foto: Zoo Zürich, Manuel Bachmann

Im Alten Ägypten wurden Krokodile verehrt, insgesamt ist ihr Ruf aber heutzutage eher durchzogen. Dabei haben sie eine wichtige Rolle im Ökosystem inne. Die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz hat das Krokodil darum zum Zootier des Jahres ernannt.

Der Zoo Zürich hält seit vergangenem Jahr Breitschnauzenkaimane. Diese sind in die Anlage gezogen, in der früher ein Philippinen-Krokodil lebte. Im Dezember 2019 war es im Krokodilgehege zu einem Arbeitsunfall gekommen. Das Philippinen-Krokodil hatte eine Tierpflegerin schwer an der Hand verletzt. Das Tier musste geschossen werden, weil alle Versuche, es zum Loslassen der Hand zu bewegen, scheiterten.

Vor Kurzem wurden die neuen Bewohner der Krokodilanlage vorgestellt. Das Breitschnauzenkaiman-Pärchen stammt aus dem Krokodille Zoo in Dänemark. Beide sind sieben Jahre alt und könnten bald Nachwuchs zeugen. Der Zoo hatte sich unter anderem für Breitschnauzenkaimane entschieden, weil es eine relativ klein bleibende Art sei und sie sich gut untereinander vertragen würden, erklärte Zoodirektor Severin Dressen vor den Medien. In der Regel messen die Tiere um die 2 Meter. Es gibt aber auch Ausnahmen, die 3,5 Meter lang werden können.

Philippinen-Krokodile sind dagegen  Einzelgänger. «Bei den Philippinen-Krokodilen ist es leider so, dass sie eigentlich ausserhalb der Paarungszeit immer getrennt gehalten werden müssen», führte Dressen aus. In der Anlage des Zürcher Zoos wäre das nicht gut möglich, da es nur einen Wasserbereich gebe und man so gar nicht dauerhaft mehrere Philippinen-Krokodile halten könnte.

Der Mensch ist eine Gefahr für sie
Die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz hat das Krokodil zum Zootier des Jahres 2021 ernannt. Die Nichtregierungs-organisation will damit auf die Bedeutung der Tiere im Ökosystem hinweisen. «Krokodile haben auch einen sehr engen Bezug zur Menschheitsgeschichte», sagte Dressen. Im Alten Ägypten wurden diese Tiere verehrt. Sobek galt als Herrscher über das Wasser und Fruchtbarkeitsgott. Er taucht in den Darstellungen mit Krokodilkopf auf. Krokodile bevölkern die Welt seit 200 Millionen Jahren. Doch die Menschen drangen immer mehr in ihren Lebensraum ein. Anfänglich wurden die Tiere als Schädlinge betrachtet oder für ihr Fleisch gejagt, später wurden sie als Lederlieferant entdeckt. Viele Krokodilarten gelten als gefährdet. Die International Union for Conservation of Nature stuft sieben Arten als von der Ausrottung bedroht ein. Dabei sind Krokodile als Aasfresser wichtige Gesundheitspolizisten. Die meisten fressen  alles, was ihnen entgegenkommt. Gaviale sind hingegen auf Fische spezialisiert.

Krokodile fokussieren sich auf kranke und schwache Tiere. So bleiben andere Tierpopulationen gesund. Verschwinden Krokodile aus einem Gebiet, etwa wegen Überjagung oder Zerstörung der Umwelt, dann gerät das ökologische Gleichgewicht durcheinander. Dressen nannte die Krokodile eine «spannende und gleichzeitig stark bedrohte Tiergruppe».

Sie fressen gerne Schnecken
Der natürliche Lebensraum von Breitschnauzenkaimanen sind Süsswassersümpfe, Mangroven, Seen und Flüsse. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich in Südamerika über Brasilien, Bolivien, Paraguay, Uruguay und Argentinien. Sie fressen gerne Schnecken, Krebse, Fische, Vögel und kleine Säugetiere.
 


Ein Krokodil, ein Kaiman, ein Alligator oder ein Gavial?

Krokodil ist der Überbegriff für verschiedene Tiere: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterscheiden zwischen rund 25 Arten, die in die drei Familien Echte Krokodile, Alligatoren – inklusive Kaimane – und Gaviale aufgeteilt sind.

Will heissen: Ein Alligator ist eigentlich ein Krokodil. Der Begriff Krokodil wird aber als Synonym für Echte Krokodile verwendet. Die Tiere unterscheiden sich etwa beim Kiefer und bei der Schnauzenform. Die Schnauze eines Echten Krokodils ist V-förmig, diejenige eines Alligators U-förmig. Gaviale haben eine auffällig lange, schmale Schnauze.

Der Lebensraum von Alligatoren befindet sich in Amerika und China. Der Echte Gavial ist in Nepal und Indien zu Hause. Der Falsche Gavial auf der Malaiischen Halbinsel sowie den Inseln Borneo, Sumatra. Echte Krokodile sind die artenreichste Familie. Sie leben in tropischen Regionen
Afrikas, Asiens, Ozeaniens und Amerikas. In Florida sind beispielsweise Spitzkrokodile und Mississippi-Alligatoren zu Hause.

Neuer Zoo-Direktor will Seilbahn

Tritt in die grossen Fussstapfen seines Vorgängers Alex Rübel und hat mit Schuhgrösse 49 die besten Voraussetzungen: Severin Dressen. Foto. pw.
Tritt in die grossen Fussstapfen seines Vorgängers Alex Rübel und hat mit Schuhgrösse 49 die besten Voraussetzungen: Severin Dressen. Foto. pw.

Zuerst veröffentlicht in den Lokalinfo-Zeitungen vom 25. Juni 2020.

Er ist gekommen, um zu bleiben: Der 32-jährige Severin Dressen will den Zoo Zürich bis zu seiner Pensionierung führen und die Zoo-Seilbahn bauen.

Seit mehreren Jahren ist eine Seilbahn vom Bahnhof Stettbach zum Zoo Zürich geplant. Sie soll das Parkplatzproblem lösen und die Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr verbessern. Doch die Fronten sind verhärtet. Gegner befürchten eine Verlagerung des Verkehrs aus dem Quartier Fluntern nach Dübendorf, wenn in Stettbach alle auf die Seilbahn umsteigen wollen.

Ein Zeichen in dieser umstrittenen Geschichte setzte jetzt Severin Dressen. Der 32-jährige Deutsche ist ab Juli neuer Direktor des Zoos. Für ihn ist die Seilbahn der richtige Weg für die Zukunft. «Wenn sich der Züri-Zoo etwas in den Kopf gesetzt hat, dann setzt er das auch um», verkündete Dressen vor den Medien.

Grosse Fussstapfen ausfüllen
Dressen tritt in grosse Fussstapfen. Sein Vorgänger Alex Rübel hat den Zoo nicht nur 29 Jahre lang geführt, er ist auch ein guter Lobbyist in Zoo-Sachen. Der Zunftmeister der Zunft zur Saffran hat in seiner Amtszeit viele grosse Projekte umsetzen können und dafür das Geld aufgetrieben. Erst kürzlich wurde Rübels letzter Meilenstein vor der Pension eröffnet – die Lewa-Savanne mit Giraffen und Nashörnern. «Der Nachfolger muss ganz grosse Fussstapfen ausfüllen», sagte darum Verwaltungsratspräsident Martin Naville. Dass Dressen, der mit Frau und seinen zwei Kindern in Zürich lebt, das kann, daran scheint beim Zoo niemand zu zweifeln. Der in Aachen aufgewachsene Biologe erhielt viele Vorschusslorbeeren. Sein Vorgänger Alex Rübel betonte die Gemeinsamkeiten, etwa bei der Philosophie. «Auch in vielen kleinen Sachen denken wir ähnlich», fügte Rübel an. Er selbst war bei seinem Amtsantritt 1991 mit 36 Jahren nur vier Jahre älter als sein Nachfolger Dressen gewesen.

Über 140 Bewerbungen gingen für die Stelle ein. Am Ende standen zwei Frauen und drei Männer in der engen Auswahl – ein Schweizer, eine Österreicherin und drei Deutsche. Durchgesetzt hat sich Dressen, der in Berlin und London Biologie studiert und in Zoologie an der Universität Oxford doktoriert hat. Vor seiner Stelle in Zürich war er stellvertretender Direktor im Zoo Wuppertal.

Seit 1. April arbeitete sich Dressen nun im Hintergrund ein, bildete sich im Bereich Management weiter. Auch ein Medientraining erhielt der 32-Jährige. In der Einführungszeit war Dressen noch vor den Medien abgeschirmt worden.

Zoo plant neue Anlage für Gorillas
Als Herausforderung nannte Dressen die Digitalisierung – darunter beim Bildungsangebot. Vorgestellt wurden die nächsten Bauprojekte, die jedoch noch sein Vorgänger Rübel aufgegleist hat. So ist eine begehbare Voliere im Gebiet Pantanal geplant, ebenso soll zwischen Zoolino und Lewa-Savanne eine Anlage für Gorillas entstehen. Im heutigen Menschenaffenhaus werden dann die Orang-Utans ein modernes Zuhause erhalten.

Gerade die Bauprojekte sollen nicht die einzigen sein, die Dressen umsetzen möchte. Details könne er zwar keine nennen, wie er am Rande der Veranstaltung sagte, er wolle aber bis zur Pensionierung bleiben. Zeit für weitere Meilensteine bleibt also. Nächstes Jahr soll der Entwicklungsplan 2050 vorgestellt werden.