Selbst die Stadtpolizei gab Verhaltenstipps

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Dank der Handykamera sieht man die Realität: Hier ein Arena-Kampf zwischen einem Aquana (blau) und einem Pixi (rosa). Mittels Tippen auf den Bildschirm löst man die Attacken aus. Foto: Pascal Wiederkehr

Zuerst veröffentlicht in «Zürich West» vom 15. September 2016.

Es war der Sommer-Hit: Pokémon Go. Unzählige Fans begaben sich auf die Jagd durch die Stadt. Doch nun ist der Hype in Zürich vorbei. Eine Einschätzung.

Was einige Spiele-Experten schon am Anfang prophezeiten, ist wahr geworden: Der ganz grosse Pokémon-Hype ist vorbei. So berichtete der amerikanische Finanzdatenspezialist Bloomberg Ende August, dass das Handy-Spiel Pokémon Go etwa 15 Millionen, also ein Drittel, der täglich aktiven Nutzer verloren habe. Das deutsche Branchenmagazin «Meedia» schrieb dazu: «Das Internet-Phänomen des Sommers kühlt ab.» Bloomberg schätzt, dass dem Spiel rund 30 Millionen Nutzer geblieben sind. Wie an der Apple-Präsentation letzter Woche bekannt wurde, sei Pokémon Go seit der Veröffentlichung vor rund zwei Monaten über 500 Millionen Mal heruntergeladen worden. Angaben über die Anzahl aktiver Nutzer blieb John Hanke, CEO der Entwicklerfirma Niantic Labs, jedoch schuldig. Die Spieler hätten 4,6 Milliarden Kilometer mit eingeschalteter App zurückgelegt.

Übermässige Berichterstattung
Unter den 15 Millionen Spielern, die aus Pokémon Go ausgestiegen sind, scheinen einige Zürcher zu sein. Die zahlreichen Gruppen, die beim Treffpunkt am Hauptbahnhof Pokémons gejagt haben, sind deutlich geschrumpft. Trotzdem ist das Smartphone-Spiel weiterhin im Strassenbild der Limmatstadt präsent. «Die übermässige allgegenwärtige Berichterstattung hat auch viele Leute dazu gebracht, das Spiel zu spielen, obwohl sie sich nicht wirklich dafür interessieren», erklärt Matthias Sala, Präsident der Swiss Game Developers Association (SGDA), also des Schweizer Game-Entwickler-Verbands. Diese würden nun abspringen. «Das ist ganz normal.» Sala rechnet vorläufig nicht mit einem grossen Einbruch. «Die Spielerzahl wird sich auf einem hohen Niveau einpendeln», so Sala. Das heisst, einige Spieler dürften sich zwar wieder vermehrt auf Facebook oder Instagram tummeln, andere aber trotzdem der Pokémon-Jagd treu bleiben.

Mobile Spiele sind ja kein neues Phänomen, wegen Pokémon Go haben sich die Spieler aber erstmals an sehr zentralen Orten in der Stadt zusammengerottet. Grund dafür: die Pokéstops. Diese sind überall auf der Karte im Spiel verteilt und repräsentieren in vielen Fällen Sehenswürdigkeiten oder was man für eine solche hält. Ob Paradeplatz, Bellevue oder die Haupthalle des Hauptbahnhofs, überall fand man Pokéstops. Werden diese mit einem Lockmittel ausgestattet, wovon alle Spieler in einem gewissen Radius profitieren, locken sie mehr Pokémons an. Besonders lukrativ, wenn gleich mehrere Pokéstops im näheren Umkreis zu finden sind. Wer draussen vor der Atrio Pizzeria & Bar im Hauptbahnhof sass, hatte bequem Zugriff auf die Pokéstops und konnte nebenbei konsumieren. Dies führte dazu, dass teilweise fast jeder Tisch von Pokémon-Jägern besetzt war. Sicherlich auch zur Freude der Restaurantbetreiber.

Die Mehrheit der Sammler jeden Alters stand jedoch gewöhnlich zwischen der grossen Uhr und dem Gruppentreffpunkt – tagsüber gegen 200 Spieler, und auch nach Mitternacht waren es noch etwa zwei Dutzend. Immer wieder hörte man entweder Jubelschreie, wenn jemand ein besonders starkes oder seltenes Exemplar gefangen hatte, oder lautstarke Fachsimpeleien unter den Pokémon-Fans. Die Profis brachten zudem gleich ihre eigenen Camping-Stühle mit. Ausgerüstet mit Verlängerungskabeln und Mehrfachsteckdosen, um die Ladegeräte anstecken zu können, oder mit externen Akkus, sorgten sie dafür, dass der Saft nicht ausging. Eine Katastrophe, wenn man ein heiss ersehntes Pokémon verpasst, weil das Smartphone gerade den Geist aufgibt. Doch die Jäger und Sammler sassen keineswegs nur am Hauptbahnhof herum. Trotz Abklingen des Hypes: Wer «der Allerbeste» sein möchte, wie es die berühmte Titelmusik der Pokémon-TV-Serie propagiert, muss sich auf die Strasse wagen, um alle fangen zu können. So wie an der Ecke Marktplatz und Franklinstrasse in Oerlikon, wo auf jeder Strassenseite Menschen an die Wände gelehnt standen und auf ihre Handys tippten. Kein Wunder also, fanden aussenstehende Personen dieses Verhalten suspekt.

Verhaltenstipps der Polizei
In der kleinen Gemeinde Birr wurde sogar die Kantonspolizei Aargau aufgeboten, weil es eine «verdächtigte Menschenansammlung» gegeben habe. Und die Stadtpolizei Zürich liess es sich nicht nehmen, in einem Video augenzwinkernd Tipps zum richtigen Umgang mit dem Spiel zu geben. «Aufpassen, die Augen nicht nur auf dem Handy, sondern auch auf der Strasse», erklärte Social-Media-Polizist Patrick Jean. Im Ausland haben Spieler gar lange vermisste Leichen gefunden. So soll ein 49-Jähriger in einem Abwasserkanal auf der Insel Fünen in Dänemark statt auf ein Pokémon auf einen Toten gestossen sein. Ebenso erging es einer 19-Jährigen aus Riverton im US-Bundesstaat Wyoming. Vielleicht hat die Aufklärung der Stadtpolizei Früchte getragen, denn zu bekannten Zwischenfällen war es während der vergangenen Wochen nicht gekommen.

Dann, wenn es im Spiel mehr Pokémons als die verfügbaren 151 gibt, werden wohl einige Spieler zurückkehren. Mit 721 Monstern im Pokémon-Universum gibt es viel zu tun. «Wenn sich das Spiel entsprechend weiterentwickelt, werden die Spielerzahlen auch stabil bleiben», sagt SGDA-Präsident Sala. Pokémon Go habe dazu beigetragen, in der Schweiz das Bewusstsein zu steigern, «dass Games ein ausdrucksstarkes Medium, technologisch innovativ und als globaler Wirtschaftsfaktor relevant sind».

Ich spiele, also bin ich

“Wario Land – Super Mario Land 3” war wohl mein erstes Videospiel. Damals habe ich es stundenlang auf dem “Game Boy Pocket” gespielt. Danach war ich lange in Computerspiele vernarrt. “Age of Empires II” oder “Stronghold” – das waren noch Spiele! Heute hat man ja gerade bei Strategiespielen tausend Möglichkeiten, muss hundert Dinge machen, und hat am Ende doch nach zehn Minuten keine Lust mehr.

Logo Stronghold
Das Strategiespiel “Stronghold” bot ein unglaublich umfangreiches Burgenbau- und Burgverteidigungssystem.

Auch in diesen Tagen spiele ich noch manchmal, dann hauptsächlich auf der Konsole. Ich bin schnell gelangweilt, viele Spiele unterscheiden sich höchstens noch bei der Grafik. Was vor zehn Jahren schon hervorragend funktionierte, sieht nun einfach viel hübscher aus – aber neu ist da nix. Trotzdem darf man natürlich nicht alles schwarzmalen. Immer noch werden gute Spiele entwickelt. Drei Perlen werde ich nun erwähnen.

Gelegentlich spiele ich nun “BioShock Infinite“. Als grosser Fan der “BioShock“-Reihe habe ich mich natürlich sofort in dieses Kunstwerk verliebt. Dieses Wochenende möchte ich auch wieder in die Wolkenstadt Columbia eintauchen, vielleicht macht mir aber eine mögliche Finalteilnahme der Schweizer Eishockeynationalmannschaft an der Weltmeisterschaft in Schweden & Finnland einen Strich durch die Rechnung. Das tut jetzt aber nichts zur Sache. Zurück zu den Videospielen.

Screenshot The Evil Within
“The Evil Within” sieht ziemlich gruselig aus – 2014 dürfen wir uns in die Dunkelheit stürzen.

Auf “Grand Theft Auto V” freue ich mich natürlich besonders. Mit drei spielbaren Charakteren darf man Los Santos unsicher machen und wieder vom amerikanischen Traum träumen. Ebenso freue ich mich auf “The Evil Within“. Dieser Horrorspiel soll 2014 erscheinen und wird vom Schöpfer der “Resident Evil”-Reihe entwickelt.

Was sonst noch so kommt und in der Gameszene läuft, könnt ihr seit dem 15. Mai 2013 im Videospielemagazin “Combobreaker” nachlesen. Dieses Projekt wurde von einigen meiner Kommilitonen an der ZHAW auf die Beine gestellt und will richtigen Game-Journalismus bieten. Ein Blick lohnt sich auf alle Fälle.