Kinder für Datenschutz interessieren

Zuerst veröffentlicht in den Lokalinfo-Zeitungen vom 11. Februar 2021.

Das Datenschutzlehrmittel «Geheimnisse sind erlaubt» aus Zürich ist in weitere Sprachen übersetzt worden. Es richtet sich an 4- bis 9-jährige Schulkinder. Auch für ältere Schülerinnen und Schüler sollen bald kostenlose Lernmodule erscheinen.

Medienkompetenz bedeutet mehr als  zu wissen, wie man ein Tablet bedient. Kürzlich wurden anlässlich des 15. Europäischen Datenschutztages die Übersetzungen des Zürcher Lehrmittels «Geheimnisse sind erlaubt» vorgestellt. Neu gibt es die Unterrichtsmaterialien für 4- bis 9-jährige Schulkinder in Französisch, Italienisch, Rätoromanisch und Englisch.

«Geheimnisse sind erlaubt» ist der erste Teil der Lehrmittelreihe «Selbstbestimmt digital unterwegs». Bis Ende des Jahres wollen die Verantwortlichen Unterrichtsmaterialien für alle Klassen im schulpflichtigen Alter entwickeln. «Der Schutz der Privatsphäre gehört zum Fundament einer demokratischen und freien Gesellschaft», sagte Dominika Blonski, Datenschutzbeauftragte des Kantons Zürich, vor den Medien. Mit dem Lehrmittel könne das Bewusstsein dafür alltagsnah und begreifbar vermittelt werden.

Die deutschsprachige Ausgabe von «Geheimnisse sind erlaubt» war 2019 erschienen. Entstanden ist das Lehrmittel in Zusammenarbeit mit dem damaligen kantonalen Datenschutzbeauftragten Bruno Baeriswyl und der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH). «Wir stellen Fragen oder versuchen dazu anzuregen, Fragen zu stellen», erklärte Medienpädagogin Mareike Düssel von der PHZH. Im Lehrmittel geht es nicht um technische Begriffe wie «Big Data» oder darum, wie ein sicheres Passwort auszusehen hat. Die Schülerinnen und Schüler lernen, dass Geheimnisse in der Regel zu wahren sind, es aber Geheimnisse gibt, bei denen sie Erwachsene ins Vertrauen ziehen sollten. In weiteren Lektionen kommt der Umgang mit fremden Daten wie Fotos zur Sprache – Stichwörter Urheberrecht oder das Recht am eigenen Bild.

Das alles wird mit Illus­trationen, Texten, Hörspielen, Erklär­videos oder Aufträgen vermittelt. Ein Pluspunkt ist, dass Lehrpersonen die Unterlagen ohne grössere technische Vorkenntnisse einsetzen können. Das Lehrmittel ist für Fernunterricht geeignet und online im Browser sowie als E-Book kostenlos verfügbar. Viele der Unterlagen kann man ausdrucken.

Bis jetzt ist das Lehrmittel im Schulunterricht nicht obligatorisch, wie die Medienstelle der Datenschutzbeauftragten des Kantons Zürich auf Anfrage mitteilt. Hingegen wird es in den Kantonen Zürich, Graubünden, Tessin und Wallis in der Lehrpersonenausbildung eingesetzt. Zudem wurde in mehreren Weiterbildungsseminaren damit gearbeitet.

In romanische Idiome übersetzt
Die PHZH hat für die Übersetzung des Lehrmittels mit der Pädagogischen Hochschule Graubünden, der Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana und der Haute École Pédagogique du 
Valais zusammengearbeitet. Die an der Medienkonferenz anwesenden Datenschutzbeauftragten aus Graubünden und dem Tessin zeigten sich begeistert.

Der Bündner Datenschutzbeauftragte freute sich besonders über die rätoromanischen Versionen. Alle audiovisuellen Inhalte sind in die fünf rätoromanischen Idiome übersetzt worden. Das ist insofern interessant, weil sich das Bündnerromanisch in fünf gesprochene und geschriebene Idiome aufteilt. Die Idiome vereinen verschiedene Dialekte. Durch die Übersetzung ist es den Lehrpersonen in Graubünden möglich, das Thema Datenschutz auch in der jeweiligen Muttersprache der Kinder zu behandeln.

Informationen:
www.datenschutzlernen.ch


Es gibt Alternativen zu Whatsapp

Kürzlich geriet der Kurznachrichtendienst Whatsapp wegen einer geplanten Änderung bei den Nutzungsbedingungen in die Kritik. Der Mitteilungsdienst, der zum Facebook-Konzern gehört, will bestimmte Daten seiner Nutzenden mit anderen Facebook-Unternehmen vernetzen. Wie stark europäische Nutzer davon betroffen sind, ist unklar. Allerdings kann Whatsapp schon jetzt Nutzerdaten auswerten. Der Inhalt der Whatsapp-Nachrichten soll weiterhin privat bleiben.

Viele Nutzerinnen und Nutzer sind nun zu Whatsapp-Alternativen gewechselt. Doch dass sich alle abwenden, ist nicht zu erwarten. Dies natürlich auch, weil man Freunde und Bekannte ebenfalls vom Wechsel überzeugen müsste.

Eine Alternative zu Whatsapp stellt die Gratisapp Signal dar, die von einer gemeinnützigen Stiftung finanziert wird. Der amerikanische Whistleblower Edward Snowden nutzt Signal. Der Programmcode der App gilt als sehr sicher.

Einen Blick wert ist die Schweizer App Threema. Der Messenger kostet 3 Franken und kann ohne Angabe der eigenen Telefonnummer verwendet werden. Die Server sollen sich laut eigenen Angaben in der Schweiz befinden.