Kontrolle über eigene Daten zurückgewinnen

Zuerst veröffentlicht in den Lokalinfo-Zeitungen vom 27. August 2020.

Was es für Geld schon lange gibt, will ETH-Professor Ernst Hafen für persönliche Daten schaffen: eine Bank mit Genossenschaftsmodell als Gegenpol zu den etablierten Internetgiganten.

Noch vor 20 Jahren hätte kaum jemand einem Unternehmen freiwillig mitgeteilt, wie häufig und welche Strecke er oder sie kürzlich gejoggt sei. Heute gibt es dafür Smartphone-Apps, Smartwatches oder Fitnesstracker. Und die persönlichen Fitness-, Gesundheits- oder Ernährungsdaten sind bei Unternehmen oder Krankenkassen heiss begehrt.

Doch Gesundheitsapps und andere haben alle etwas gemeinsam: Egal, wie strikt die Datenschutzerklärungen sind und welche Einstellungen jeder individuell vornehmen kann, die Daten liegen in den Händen von Unternehmen. Nutzerinnen und Nutzer müssen ihnen entweder vertrauen oder auf die Nutzung solcher Angebote komplett verzichten. Letzteres würden wohl viele Privatsphäre-Experten empfehlen.

Forschung soll profitieren

Einen anderen Weg geht Ernst Hafen. Der Professor am ETH-Institut für molekulare Systembiologie will, dass die Bevölkerung die Kontrolle über ihre Gesundheitsdaten behält. Denn für ihn ist klar: Daten entfalten ihr wahres Potenzial erst, wenn sie zusammengeführt werden. Weder Google, Apple, Facebook noch eine Ärztin verfügt über alle Daten, also das Gesamtbild einer Person. Alle haben nur ein Stück vom Kuchen.

«Nur die Bürgerinnen und Bürger selbst können alle Daten zusammenbringen», sagt Hafen. «Aber nicht Internetkonzerne sollen von dieser Zusammenführung profitieren, sondern die Gemeinschaft», so der Biologe. Für Unternehmen sind Daten wie bares Geld. Sie werden gesammelt, ausgewertet, verkauft und für personalisierte Werbung verwendet.

Wer heute eine Studie mit 3000 Teilnehmenden braucht, der muss viel Zeit und Geld investieren. Sind die Daten schon vorhanden, wird laut Hafen beispielsweise die Entwicklung von Medikamenten günstiger, oder es werden Forschungen ermöglicht, die sonst finanziell unattraktiv sind. Der 64-Jährige hat deshalb 2015 mit Gleichgesinnten die Non-Profit-Genossenschaft Midata gegründet. Midata funktioniert wie eine Bank für Daten. Erdacht hat die Technik dahinter Hafens damaliger ETH-Kollege Donald Kossmann, der heute in den USA die Forschungsabteilung von Microsoft leitet. Entwickelt wurde sie zusammen mit der Berner Fachhochschule.

Auf der Internetplattform von Midata kann man seine Daten hochladen. Die Genossenschaft übernimmt die Verwaltung und sucht Partner, welche die Daten nutzen möchten. Firmen sollen für die Nutzung bezahlen. Die Entscheidung, ob Daten genutzt werden dürfen, liegt immer bei den einzelnen Mitgliedern. Sie bleiben Besitzer ihrer Daten. Die Einnahmen werden für die Weiterentwicklung der Midata-Plattform und für Projekte genutzt, beispielsweise in der Forschung, die der Gemeinschaft etwas bringen sollen.

«Ich will Google nichts wegnehmen, aber ich will eine Kopie meiner Daten herunterladen können.»

Ernst Hafen, ETH-Professor

App für Corona-Symptome lanciert
Um die Leute zum Mitmachen zu motivieren, hat Midata verschiedene Projekte lanciert. Eines ist topaktuell und heisst «Corona Science». Bürgerinnen und Bürgern können mit der App ihren Gesundheitszustand und auftretende Symptome einer Covid-19-Erkrankung aufzeichnen. Die gewonnenen Daten werden anonym und allen Interessierten zur Verfügung gestellt. Ein anderes Projekt ist an Pollenallergikerinnen und -allergiker gerichtet. Die Daten werden vom Universitätsspital Zürich verwendet. Mit der Teilnahme an einem der Projekte eröffnen die Nutzenden ein Konto bei Midata. Sie sind damit nicht automatisch Mitglied der Genossenschaft. Ein Genossenschaftsschein kostet 40 Franken. Geld verdienen können Mitglieder nicht: «Wir wollen keine finanziellen Anreize zum Teilen von Daten», sagt Hafen. Wer Geld für seine Daten erhalte, habe einen Anreiz, diese so zu manipulieren, dass sie möglichst wertvoll würden. Das wolle man verhindern.

Schweiz muss Gesetz anpassen
Midata hat aber ein Problem: die Nutzerfreundlichkeit. Bei den Apps muss man seine Symptome selbstständig eingeben, das braucht Disziplin. Wer alle seine Daten in der Datenbank zusammenführen will, muss dies von Hand tun. «Ideal wäre deshalb, wenn es in jeder Software eine Einstellungsmöglichkeit gäbe, die die gesammelten Daten automatisch in die Datenbank legt», sagt Hafen.

Eine Voraussetzung: Alle, die personenbezogene Daten sammeln, egal ob Supermarkt, Internetkonzern oder Spital, sollen diese auf einfache Art und Weise zur Verfügung stellen. «Ich will Google nichts wegnehmen, aber ich will eine Kopie meiner Daten herunterladen können», erklärt Hafen. Dafür braucht es aber eine gesetzliche Grundlage, das Recht auf Kopie, wie es die Datenschutzgrundverordnung der Europäischen Union vorsieht. Die Schweiz ist noch nicht so weit. Die Revision des veralteten Datenschutzgesetzes steckt im Parlament fest.

Midata muss Vertrauen aufbauen

Eine grosse Frage ist die Sicherheit: Gerade für Betrüger ist eine zentrale gespeicherte Datensammlung interessant. Privatsphäre-Aktivisten raten generell dazu, dafür zu sorgen, dass möglichst keine persönlichen Daten ins Internet gelangen. Das würde aber dem Prinzip der Midata-Genossenschaft widersprechen. «Wichtig sind das Vertrauen und die Reputation der Datenbank», sagt Hafen. Midata investiere in die Sicherheit. «Und wir lassen unser System von Profis prüfen», fügt Hafen an. Auch er habe seine Gesundheitsdaten auf Midata gespeichert. Für ihn sei es dasselbe, wie wenn man sein Geld unter der Matratze verstecke, anstatt es auf die Bank zu bringen. Denkbar wäre, dass in Zukunft etablierte Finanzinstitute wie die UBS oder die Zürcher Kantonalbank ähnliche Dienstleistungen anbieten. Dann könnte man seine Daten über den E-Banking-Zugang verwalten.

«Wir müssen die Leute stärker vom Nutzen überzeugen», sagt Hafen. Die Genossenschaft Midata hat rund 200 Mitglieder. Die Apps wurden über 10 000-mal heruntergeladen. Um aufzuzeigen, wie Midata-Daten für Firmen und Forschung interessant sind, will sich Hafen auf entsprechende Projekte konzentrieren. Darum ist er im Mai als Genossenschaftspräsident zurückgetreten. Wer sein Amt übernimmt, ist offen.

Informationen: www.midata.coop

Corona verhindert andere Todesfälle

Zuerst veröffentlicht in den Lokalinfo-Zeitungen «Anzeiger von Wallisellen», «Klotener-Anzeiger» und «Küsnachter» vom 20. August 2020.

In den letzten Wochen waren die Todeszahlen in der Schweiz trotz Pandemie tiefer als 2019. Das zeigt laut Experten, dass die Hygienekonzepte wirken.

Von Pascal Wiederkehr und Lorenz Steinmann

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus steigt in der Schweiz wieder an. Weltweit dramatisiert sich die Lage sogar. Überraschend ist deshalb auf den ersten Blick, dass die Zahl der gesamthaften Todesfälle in der Schweiz im ersten Halbjahr trotzdem tiefer war als 2019. Dies beschreibt auch ein Artikel in der «Sonntagszeitung». Gemäss den jüngsten verfügbaren Daten (Stand 18. August 2020) wurden vom Bundesamt für Statistik 41 610 Tote gezählt. Vergangenes Jahr waren es im gleichen Zeitraum 416 Personen mehr gewesen.

Weniger Infektionskrankheiten
Nachdem zu Beginn der Corona-Pandemie mehr Menschen starben als im langjährigen Durchschnitt, die sogenannte Übersterblichkeit, haben sich die Todeszahlen relativ rasch normalisiert. Wie das Bundesamt für Statistik gegenüber dieser Zeitung mitteilt, werde oft nach dem Abflachen einer Epidemie oder Pandemie beobachtet, dass die Sterblichkeit abnehme. «Dies ist darauf zurückzuführen, dass einige Hochrisikopersonen während der Epidemie/Pandemie gestorben sind», sagt Corinne Di Loreto.

Gegenwärtig gibt es aber einen zweiten Grund: Die im Zusammenhang mit der Pandemie getroffenen Massnahmen bewirkten, dass weniger Menschen an anderen Krankheiten sterben. Man spricht dann von einem Kollateralnutzen als Gegensatz zum Kollateralschaden. «Viele Infektionskrankheiten sind infolge der Hygiene- und sozialen Distanzierungsmassnahmen zurückgegangen», erklärt Di Loreto. Doch etwas Vorsicht ist geboten, weil die Daten für 2020 provisorisch sind und rückwirkend aktualisiert werden.

«Die Massnahmen von Bund und Kantonen und die gute Umsetzung durch die Bevölkerung haben dazu beigetragen, dass sich die Todesfallzahlen in der Altersgruppe ab 65 Jahren nach der ersten Welle wieder ‹normalisiert› haben.»

Bundesamt für Gesundheit

Trotzdem: Die wegen Corona eingeführten Hygienemassnahmen wie Händewaschen oder Abstandhalten sowie der Lockdown scheinen eine Wirkung zu haben. Das zeigen Modellrechnungen von Epidemiologen, wie Jan Fehr erklärt. Er ist Infektiologe an der Universität Zürich. «Es gelang uns, insbesondere Risikogruppen wie ältere Menschen in Alters- und Pflegeheimen wirksam zu schützen. Ebenso das Spitalpersonal», sagt der Departementsleiter Public Health am Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention.

Alle konnten aber nicht geschützt werden. Es gab Ende März und Anfang April eine wahrscheinlich coronabedingte Übersterblichkeit bei der Altersgruppe 65plus. «Wir können aber sagen, dass die Massnahmen sehr wirksam sind. Wären diese nicht getroffen worden, hätten wir womöglich so viele Todesfälle wie in Bergamo oder in den Hotspots der USA und Lateinamerika», sagt Fehr.

Gut möglich, dass durch die Corona-Massnahmen des Bundes etwa die Grippewelle wenigstens zum Teil eingedämmt wurde. Doch sichere Aussagen sind heute kaum möglich. «Wir konnten die Todesfälle in Bezug auf Corona eindämmen, da rasch Massnahmen eingeführt wurden und der Lockdown relativ frühzeitig kam», sagt Fehr. Der Professor spricht in diesem Zusammenhang von einem Präventionsparadox. «Da die Massnahmen wirksam waren, konnten wir viele Todesfälle und schwere Krankheitsverläufe verhindern. Das darf uns aber nicht dazu verleiten, zu meinen, dass die Massnahmen nicht nötig waren, im Gegenteil», betont Fehr.

Virus hat Gefährlichkeit gezeigt

Dieser Ansicht ist auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG). «Das neue Coronavirus hat seine Gefährlichkeit und pandemische Potenz ganz klar gezeigt», ist Mediensprecher Yann Hulmann überzeugt. Wenn keine adäquaten und vor allem raschen Massnahmen ergriffen worden wären, könne es in dieser Pandemie, auch in einem industrialisierten Land, zu vielen Todesfällen kommen. «Die Massnahmen von Bund und Kantonen und die gute Umsetzung durch die Bevölkerung haben dazu beigetragen, dass sich die Todesfallzahlen in der Altersgruppe ab 65 Jahren nach der ersten Welle wieder ‹normalisiert› haben», so Hulmann.

Geholfen hat der Schweiz, dass man sich im Gegensatz etwa zu Italien besser auf die Pandemie vorbereiten konnte. Unklar ist, wie sich die Lage in den kommenden Wochen entwickeln wird und ob die Todeszahlen gerade im Herbst wieder steigen. «Es ist wichtig, dass die Massnahmen von Bund und Kantonen weiterhin gut befolgt werden, um das zu verhindern», heisst es vom BAG. Die aktuelle Lage werde zudem genau beobachtet, um Massnahmen allenfalls anzupassen, damit es nicht zu einem Anstieg der Todesfallzahlen kommt.

«Es gibt einige Entwicklungen, die eine zweite Welle begünstigen.»

Jan Fehr, Infektiologe Universität Zürich

Kollateralnutzen von Corona
Jan Fehr von der Universität Zürich wird konkreter. «Es gibt einige Entwicklungen, die eine zweite Welle begünstigen.» Man habe nun Ferienrückkehrer, die das Virus mitbringen können. Zudem stünden weitere Lockerungen bevor – etwa die geplante Lockerung der 1000er-Grenze bei Veranstaltungen. Und es rücke die kalte Jahreszeit näher. Es ist laut Fehr aber möglich, «dass wir mit den bestehenden Hygiene- und Abstandsmassnahmen sowie einem effizienten Contact Tracing das Virus auch weiterhin unter Kontrolle behalten können, allenfalls auch auf einem relativ hohen Niveau». Ganz verschwinden werde es seiner Meinung nach noch eine Weile nicht. «Wir müssen alle lernen, mit dem Virus zu leben», so Fehr.

Umso wichtiger ist es, dass die Hygienemassnahmen weiterhin konsequent umgesetzt werden. So, dass die Corona-Pandemie trotz aller Kollateralschäden, die sie verursacht, etwas Positives bewirkt. Sprich: Weil sich alle an die Hygienevorgaben halten, gibt es total weniger Infektionskrankheiten und nicht noch mehr Tote.

Cyber attacks can pose a critical threat to hospitals

Foto: Pascal Wiederkehr

Hospitals in Canton Zurich are often the target of cyber attacks. Experts and politicians are therefore concerned about security and patient data. By Pascal Wiederkehr. Translation by Ruth Turin.

During the coronavirus pandemic, hospitals are taking special measures to prevent any suspected cases from coming into contact with unprotected patients. The Department of Health of Canton Zurich even issued a visitor ban. However, a problem that can be solved on-site with security personnel or closed doors is more difficult to monitor in the internet, where umpteen digital doors provide access to hospitals. Companies are not the only popular targets of cyber attacks, hospitals have long been the focus of criminal schemes.

In 2019, Wetzikon Hospital was attacked by the Emotet trojan. A trojan is malware that infiltrates computers and performs unwanted functions, such as the siphoning off of data and passwords. The attack was widely covered in the media at the time, including by Neue Zürcher Zeitung. Research carried out by Rundschau, a program by SRF (Swiss Radio and Television) revealed that other healthcare providers, such as Limmattal Hospital and the Zentrallabor Zürich had also been affected. The attacks had no serious consequences, however, and no patient data were lost.

Minimum standards are needed
Bettina Balmer (Free Democratic Party) and Benjamin Walder (Green Party), both cantonal councillors, submitted a motion on the topic. “Especially in light of increasing digitalization in healthcare, the problem of cyber attacks cannot be underestimated,” they write in their motion. They would like to know, for instance, how many cyber attacks have occurred in hospitals in Canton Zurich in the last few years. They are also asking the Council of State why there are no minimum standards

“Compulsory minimum standards would be a step in the right direction.”

Hernâni Marques, Chaos Computer Club Switzerland

While minimum standards for information and communication strategies (IKT) have been defined by the federal government, they are only recommendations and not specifically intended for hospitals. “If somebody is really bent on launching a malicious attack, it will be extremely difficult to avert it,” says Hernâni Marques. “Compulsory minimum standards would be a step in the right direction” according to the computer linguist who studies encryption software professionally. Indeed, there are even different IT systems being used within hospitals. “In order for systems to be kept up to date, more staff and financial resources are needed,” says Marques, spokesperson for the Chaos Computer Club Switzerland. The hacker organization opposes oversight and advocates data protection in the internet. What is needed, they say, is training for users, as they are a major weak point.

Total security is an illusion
According to Radio Prague, it was only last March that a cyber attack temporarily brought the Brno University Hospital in the Czech Republic to a halt. The hospital became a victim of ransomware. This is where hackers attempt to encrypt data on computers using ransomware and subsequently extort money for decryption. “Typically, ransomware is sent in a mail attachment,” explains Marques. Unsuspecting users open the attachment and the software installs itself independently. “If it is well-designed malware, it always looks for additional devices, jumping from one to the next,” says the IT specialist. The question then is how well the individual systems are separated from one another. “In the worst case, if life-support machines are affected by hacker attacks, even human lives could be at risk,” Marques warns. There is no general reporting obligation for cyber attacks. Wetzikon Hospital set a good example and reported the trojan attack to MELANI, the Reporting and Analysis Centre for Information Assurance. Many companies fear for their reputation, however. “Total security is an illusion, but we have to make systems as secure as possible,” Marques points out. Cyber attacks can pose a critical threat to primary care. 

Attacks happen all the time

Hospitals are frequently the target of cyber attacks. “Attempted attacks on the IT infrastructure of the City of Zurich happen all the time and therefore also on the Waid and Triemli City Hospitals,” their media relations offices explain. This is not only commonplace in the city administration. “So far, the attacks could be averted by our defense systems and security experts,” the city hospitals report.

Attempted attacks on Bülach Hospital occur mainly via mail. So-called port scanner attacks that probe networks for open ports were also discovered. “According to current knowledge, all attacks on our systems could so far be averted,” says Urs P. Kilchenmann, media spokesperson. In 2019, external specialists conducted a comprehensive investigation confirming that there had been no infection by malware. “Security measures at Bülach Hospital have thus far been sufficient to ensure protection, including patient data,” says Kilchenmann.

Zollikerberg Hospital reports similar experiences, saying that their network has not been hacked in the past two years. Untargeted attacks often attempt to obtain information via phishing mails, i.e. false mails, so as to subsequently conduct a targeted attack. The hospital receives multiple such mails every day, of which roughly 90 percent are caught by the spam filter and not delivered to the recipient. The majority of staff are aware of the problem and recognize and delete phishing mails.

However, Zollikerberg Hospital did experience an incident, albeit indirectly. It is co-operator of the Zentrallabor Zürich, which was hacked by the Emotet trojan. “No sensitive data was affected at the Zentrallabor either,” stresses Anke Schramm, who is responsible for marketing and communications at the hospital. “We adhere to the government’s IKT minimum standards and are grateful that such standards exist,” says Schramm.

Owing to the pending motion in the Cantonal Council, the University Hospital Zurich declined to answer any questions.

The English version is a translation of the original in German for information purposes only. In case of a discrepancy, the German original will prevail.

Datenschutz beginnt beim Nutzer

Zuerst veröffentlicht in den Lokalinfo-Zeitungen vom 16. Januar 2020.

Im digitalen Zeitalter muss jede und jeder selber mehr Verantwortung übernehmen: Während die Schweiz um ein neues Datenschutzgesetz ringt, nimmt der Druck auf Tech-Konzerne weltweit zu.

Ein schwieriges Thema hatte der Ständerat vor Weihnachten zu beraten. Behandelt wurde die Totalrevision des bald 30 Jahre alten Datenschutzgesetzes. Der Bundesrat will den Datenschutz an das Internet-Zeitalter und an die Europäische Union (EU) anpassen. Damit sollen laut Bund die Bürgerinnen und Bürger besser geschützt und Wettbewerbsnachteile für Schweizer Unternehmen verhindert werden.

Doch die Vorlage ist umstritten, der Nationalrat hatte sich im Herbst nur knapp für eine abgeschwächte Form ausgesprochen. Für SP und Grüne geht die Revision zu wenig weit. Die SVP ist grundsätzlich dagegen, weil Druck aus der EU ausgeübt werde. Der Ständerat will das Datenschutzgesetz hingegen verschärfen.

«Der Revision fehlte leider von Anfang an eine wirkungsorientierte Zielsetzung», sagt der Datenschutzbeauftragte des Kantons Zürich, Bruno Baeriswyl. Die Datenbearbeiter würden mit bürokratischem Aufwand konfrontiert und der Datenschutz für die betroffenen Personen werde nicht wirklich gestärkt. «Niemand kann sich darüber freuen», so das Fazit von Baeriswyl.

Viele Dienste werten Daten aus
Die Digitalisierung stellt Privatsphäre und Datenschutz vor neue Herausforderungen. Denn Nutzerinnen und Nutzer hinterlassen unzählige Spuren im Netz, die für Internetunternehmen wie Google, Facebook, Amazon & Co. bares Geld sind. Daten werden gesammelt, ausgewertet und für personalisierte Werbung verwendet.

Doch auch die öffentliche Verwaltung bearbeitet viele sensible Daten – etwa im Bereich Strafverfolgung oder im Gesundheitswesen. Und es mischen viele Betrüger mit. Nicht umsonst warnen das Bundesamt für Polizei oder die Kantonspolizei Zürich regelmässig vor neuen Maschen. Die Betrüger passen sich schnell an und profitieren von Sicherheitslücken oder dem laschen Umgang der Nutzenden mit ihrer Privatsphäre.

Für Informatik-Experte Hernâni Marques ist klar: «Eine einfache Lösung gibt es nicht. Am sichersten ist, wenn Daten gar nicht erst ins Internet gelangen.» Er ist Pressesprecher der Hackerorganisation Chaos-Computer-Club. Diese wehrt sich gegen Überwachung und Zensur im Internet. Marques kritisiert, dass Nutzerinnen und Nutzer gerade bei kostenlosen Diensten oft indirekt mit ihren Daten bezahlen. Das lasse sich nur ändern, wenn sie bereit seien, kleine Geldbeträge für Dienstleistungen – sogenannte Mikrotransaktionen – auszugeben. «Den optimalen Preis muss man natürlich zuerst finden. Damit das funktioniert, braucht es einfache, wiederum privatsphärenfreundliche Bezahlsysteme», sagt der Computerlinguist. Ein solches werde gerade von der Berner Fachhochschule getestet – das Bezahlsystem GNU Taler. Es stellt eine Alternative zu Mastercard, Visa, Paypal oder Twint dar.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist aus Sicht von Marques die Abkehr von der heutigen Internet-Infrastruktur. Er plädiert für Peer-to-Peer-Netzwerke, bei denen die Computer untereinander verbunden sind, ohne zentrale Server. Die Kommunikation läuft direkt von einem Computer zum anderen. «Das erlaubt es, von privatwirtschaftlichen Monopolen und rein staatlich kontrollierten Plattformen wegzukommen», ist der Informatik-Experte überzeugt.

Benutzer müssen umdenken
Dass sich alternative Angebote, gerade etwa im Bereich der sozialen Medien, bisher nicht durchgesetzt haben, liegt vor allem an der Marktmacht der grossen Anbieter wie Twitter oder Facebook. Sie haben ein Bedürfnis gestillt – das Bedürfnis, mit Menschen ständig in Kontakt sein und Inhalte teilen zu können. Nur sind sich viele Nutzerinnen und Nutzer nicht bewusst, dass diese Plattformen systematisch Daten sammeln, analysieren und daraus Profile erstellen. «Einschliesslich mit Informationen aus Privatnachrichten, die nicht öffentlich sind», warnt Marques. Es gäbe zwar Alternativen, allerdings sei es schwierig, die Menschen zum Wechsel zu bewegen. Dies natürlich auch, weil man Freunde und Bekannte ebenfalls im grossen Stil vom Wechsel überzeugen müsste.

Grosse Plattformen unter Druck
Doch verloren ist der Kampf für mehr Datenschutz nicht. In diesen Tagen trat im US-Staat Kalifornien der California Consumer Privacy Act in Kraft. Er sei «eine Lightversion» der Datenschutz-Grundverordnung der EU, schreibt die «Republik». Das Gesetz ist ein grosser Schritt, weil sich in Kalifornien die Hauptsitze von Google, Apple und Facebook befinden. «Nicht nur in den USA, sondern weltweit dürften die Regeln damit ein Stück ‹europäischer› werden – also stärker ausgerichtet auf digitale Bürgerrechte», hält Tech-Journalistin und Autorin Adrienne Fichter fest.

Das bestätigt Marques: «Die grossen Social-Media-Plattformen, allen voran Facebook, sind massiv unter Druck.» Dies unter anderem von der EU. Er persönlich verzichte wenn möglich auf alle Google-Angebote. «Diese Firma hat es geschafft, ihre Fühler derart weit auszustrecken, dass sie praktisch jeden Benutzer weltweit überwachen kann», sagt der Computerlinguist. Besonders dann, wenn man Smartphones oder Tablets mit dem Google-Betriebssystem Android benutze und die Privatsphäre-Einstellungen nicht selber anpasse. «Hier ist die kurzfristige Lösung, wann immer möglich Alternativen zu nutzen und jegliches Tracking weitestmöglich auszuschalten», erklärt der Informatik-Experte.

Längerfristig brauche es Systeme, die ohne standardmässige Überwachung – mit Privatsphäre als Voreinstellung – angeboten würden. Hier sollen die Schweiz und Europa gesetzlich entscheidend Einfluss nehmen. «Die Gesellschaft kann die Regeln dafür festlegen, welche Anforderungen ein Produkt erfüllen muss, ehe es auf den Markt kommt», so Netzaktivist Marques. Auch «saftige Bussen» für Datenschutzverletzungen und eine Produkthaftpflicht könnten dazu beitragen, Privatsphäre und Sicherheit zu erhöhen.

Ins gleiche Horn bläst der Datenschutzbeauftragte Bruno Baeriswyl: «Datenbearbeiter müssten verpflichtet werden, ihre Dienstleistungen im Internet auch mit einer datenschutzfreundlichen Lösung anzubieten», sagt Baeriswyl. Die Revision des Schweizer Datenschutzgesetzes sehe nur vor, dass datenschutzfreundliche Voreinstellungen, die die Datenbearbeitungen auf das Notwendige beschränken, vorzunehmen sind. In der Praxis heisst das: Steht in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) etwas anderes, können Anbieter diese Regelung wieder ausser Kraft setzen. So gesehen haben die Nutzerinnen und Nutzer kaum eine Wahl, weil sie den AGB zustimmen müssen, um Dienstleistungen nutzen zu können.

Digitaler Ratgeber

Der Chaos Computer Club Schweiz hat mit der Digitalen Gesellschaft Schweiz und der «Wochenzeitung WOZ» den Online-Ratgeber «Eine kurze Anleitung zur digitalen Selbstverteidigung» herausgegeben. Er behandelt Grundlagen zu Datensparsamkeit, Passwörtern und Betriebssystemen und präsentiert gute Alternativen – etwa bei Webbrowsern, E-Mail-Anbietern, Onlinespeichern oder Suchmaschinen. digitale-gesellschaft.ch/ratgeber/

Messenger

  • Aussehen und Handhabung von Threema sind an Whatsapp angelehnt. Der Messenger kann aber ohne Angabe der eigenen Telefonnummer verwendet werden. Alle Nachrichten sind verschlüsselt. www.threeema.ch
  • Signal ist eine Gratis-App, die von einer gemeinnützigen Stiftung finanziert wird. Sie kann auch als Alternative zu Skype genutzt werden. Alle Nachrichten und Gespräche werden verschlüsselt. www.signal.org

Passwörter

Ein hinreichend sicheres Passwort sollte möglichst lang sein: Am besten bestehend aus einer zufälligen Folge von Wörtern, die man nirgends findet und sich gut merken kann. Profile auf sozialen Medien sind für Betrügerinnen und Betrüger Quellen, um an Passworthinweise zu gelangen. Will heissen: Auf keinen Fall den Namen des Haustiers, des Ehemanns des Lieblings-Sportclubs oder der Lieblingsband verwenden.

Soziale Netzwerke

  • Ello ist eine werbefreie Plattform. Sie garantiert, dass keine Daten von Nutzerinnen und Nutzern an Dritte weitergegeben werden. www.ello.co
  • GNU Social ist eine Alternative zu Twitter. Der Dienst ist Teil des GNU-Projekts, das geschaffen wurde, um ein Betriebssystem auf Basis von freier Software zu entwickeln. gnu.io/social
  • Twitter-Konkurrent Mastodon setzt auf ein dezentrales Netzwerk. www.joinmastodon.org

Webbrowser

  • Der Browser Mozilla Firefox hat sich dem «sicheren Surfen» verschrieben. Wichtig: Cookies und Cache regelmässig löschen. www.mozilla.org
  • Tor stellt die Verbindung zwischen Nutzer und aufgerufener Seite über drei zufällige Knotenpunkte (Server) her. Daher lässt sich kaum zurückverfolgen, wer auf eine Website zugreift. Wer sich dann aber bei Youtube & Co. anmeldet, verliert die Anonymität wieder. www.torproject.org

Der Baby-Hype nervt

Zuerst veröffentlicht in «Zürich 2» vom 16. Mai 2019.

In dieser Kolumne geht es nicht um mich. Noch lässt mich meine Mutter in Ruhe. Sie will nicht bei jedem Familienfest wissen, wann es endlich Enkel gibt. Und da die meisten meiner Freunde ebenfalls babyfaul sind, ist mir angst und bange, wenn ich an den Fortbestand der Stadt Zürich denke.

Ich nerve mich gerade über ein besonderes Baby: Es hat einen komplizierten Namen und heisst Archie Harrison Mountbatten-Windsor. Das Baby entsprang der Liebe von Prinz Harry und Herzogin Meghan. Letztere ist gemäss «Bunte.de» direkt nach der Geburt «strahlend schön».

Ob Prinz Harry ebenfalls «strahlend schön» ist, kann ich nicht beurteilen. Zumindest Royal-Fans bestehen darauf, dass Klein-Archie ganz nach Herzogin Meghan kommen soll.

Warum interessieren wir uns als Schweizer überhaupt für den Nachwuchs des britischen Königshauses? Wir feiern doch am 1. August alle gemeinsam mit Cervelat, Tofu und Bier, dass wir die bösen Habsburger aus dem Land gejagt haben. Der einzige König, den wir verehren dürfen, heisst Roger und kommt aus Basel. Und selbst der verliert bei schlechter Leistung auf dem Tennisplatz schnell seine Krone wieder.

Ich stelle mir gerade vor, wie Kaiserin Sissi zusammen mit Franz Joseph I. in Wien ihren Nachwuchs in die Kamera hält. Die Eidgenossenschaft jubelt verzückt und hofft, bald wieder die Unabhängigkeit zu verlieren. Es ist ein Albtraum. Und das alles nur wegen eines Babys.

Keiner war mächtiger als dieser Zürcher

Das Alfred-Escher-Denkmal auf dem Bahnhofplatz vor dem Hauptbahnhof Zürich wurde im Juni 1889 eingeweiht. Das Foto ist um 1890 entstanden. Foto: Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich
Das Alfred-Escher-Denkmal auf dem Bahnhofplatz vor dem Hauptbahnhof Zürich wurde im Juni 1889 eingeweiht. Das Foto ist um 1890 entstanden. Foto: Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich

Zuerst veröffentlicht in «Zürich 2» vom 25. April 2019.

Alfred Escher brachte die Schweiz in die Moderne: Seine Kritiker hassten ihn und wünschten ihm den Tod. Bis zuletzt arbeitete der ungekrönte König der Schweiz an seinen Visionen.

Die Nordostbahn stürzte 1876 in die Krise. Bei der Gotthardbahn kamen die Kostenüberschreitungen ans Licht. Alfred Escher wurde auf die Probe gestellt. Der Eisenbahnpionier bewältigte beide Krisen – sein Ruf blieb aber nachhaltig beschädigt. Escher war zeitlebens ein Mythos, wurde von den einen verehrt und den anderen verachtet.

Sinnbild dafür ist der Gotthard-Durchstich im Jahr 1880. Der 15 Kilometer lange Bahntunnel gilt als Wunderwerk – und dank Escher wurde er überhaupt Wirklichkeit. «Escher, zum Sündenbock des Gotthardprojekts gestempelt, erntete noch weiteren Undank», schreibt dazu Joseph Jung in seinem neuen Buch «Alfred Escher – Visionär, Grossbürger, Wirtschaftsführer». Escher wurde zu den Feierlichkeiten nicht eingeladen. Kein Redner erinnerte an ihn. Zwei Jahre später, bei der Eröffnung des Tunnels im Jahr 1882, konnte er dann nicht mehr teilnehmen. Escher war todkrank.

Zum Feindbild geworden
Die neue Biografie ist ein kompaktes Werk mit 128 Seiten und vielen Abbildungen. Sie zeichnet den Aufstieg und den Fall von Zürichs grösster Persönlichkeit nach. Escher, der von 1819 bis 1882 lebte, war Eisenbahnpionier, Unternehmer, Politiker und Visionär. Er gehörte unter anderem während 34 Jahren dem Nationalrat an. 38 Jahre sass er im Kantonsrat, 7 Jahre war er Regierungsrat. «Kein anderer Schweizer Politiker hat einen solchen Palmarès vorzuweisen», schreibt der Historiker Jung.

Lydia Escher mit ihrem Vater Alfred. Das Foto ist um 1869 entstanden. Foto: Privatarchive, Privatsammlungen
Lydia Escher mit ihrem Vater Alfred. Das Foto ist um 1869 entstanden. Foto: Privatarchive, Privatsammlungen

Eschers Ämterkumulation führte schon zu seinen Lebzeiten zu Kritik. Wegen seiner Machtfülle wurde der reiche Grossbürger Alfred Escher als «König Alfred I.» und republikanischer Diktator betitelt. So entwickelte sich der Zürcher zum Feindbild der Demokraten, der damaligen politischen Gegenbewegung zur radikalliberalen Partei. «Heute ist es gar nicht mehr möglich, dass jemand zeitgleich Regierungsrat und Kantonsrat ist», sagte Biograf Jung kürzlich im Gespräch mit dieser Zeitung.
Wer heute von Visionären spricht, denkt an Menschen wie Elon Musk oder Steve Jobs. Doch ein Vergleich zu ziehen, ist schwierig. Alfred Escher verfügte mit seinem Vermögen, seinen politischen Ämtern und seinen Unternehmen über einen Einfluss, der im 21. Jahrhundert kaum mehr möglich ist. Die ETH, die Credit Suisse, die Swiss Life und die Gotthardbahn gehören zu seinem Werk. Escher gilt als wichtiger Motor der modernen Schweiz nach der Bundesstaatsgründung 1848.

Escher war ein Workaholic
«Politische Helden sind in der Schweiz verpönt», bringt es Jung in seinem Buch auf den Punkt. Die Biografie zeigt auf, wie Alfred Escher in kurzer Zeit in Zürich und Bern eine beherrschende Stellung aufbaute und wie er ins Kreuzfeuer der Kritik geriet. «Im 19. Jahrhundert gab es in der Schweiz keine andere Führungspersönlichkeit, die sich ein solches Pensum zugemutet und ein solches Programm absolviert hätte», so Jung. Dass diese Arbeitslast bisweilen ungesund war, verdeutlicht die Tatsache, dass sich Escher in seinem Direktionsbüro bei der Nordostbahn ein Bett aufstellen liess. Im Nationalrat in Bern blieb er im Saal sitzen, wenn die Debatten vorüber waren. Er bereitete Geschäfte der folgenden Tage vor, schrieb an Reden und las sich in Dossiers ein. «Und dann kam es vor, dass er einnickte, spätabends», schreibt Jung.

«Seine Liebe zu Zürich war entscheidend für ihn, aber auch seine Identifikation mit der Schweiz. Es ist ihm um sein Heimatland gegangen.»

Joseph Jung, Historiker

Mit Kritik wird gespart
«Seine Liebe zu Zürich war entscheidend für ihn, aber auch seine Identifikation mit der Schweiz. Es ist ihm um sein Heimatland gegangen», sagte der Autor Jung vor kurzem im Interview. Der Historiker beschäftigt sich seit vier Jahrzehnten mit Alfred Escher.

Obwohl auch kritische Themen angesprochen werden – darunter die Plantage mit Sklaven, die Eschers Onkel auf Kuba besass –, zeichnet Jung mehrheitlich das Bild eines grossen Staatsmanns und Wirtschaftsführers. Das Privatleben, darunter die Beziehung zu seiner erstgeborenen Tochter Lydia, der Tod seines Vaters, seiner Frau und seiner zweitgeborenen Tochter Hedwig werden nur gestreift. Dies ist allerdings auch der Kompaktheit der interessanten Biografie geschuldet.

Alfred Escher, der im Landsitz Belvoir in der damals eigenständigen Gemeinde Enge lebte, starb am 6. Dezember 1882. Der Zürcher, der schon in den Jahren zuvor immer wieder von Krankheiten heimgesucht worden war, konnte nie selbst durch den Gotthard fahren. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof Manegg. Sein Denkmal steht prominent auf dem Bahnhofplatz in Zürich.

Joseph Jung: Alfred Escher – Visionär, Grossbürger, Wirtschaftsführer. 128 S. www.pioniere.ch

Anonym im Netz: Darknet ist nicht nur böse

Zuerst veröffentlicht in «Zürich 2» vom 28. Februar 2019.

Darknet ist der verborgene Teil des Internets und geniesst einen schlechten Ruf. Für Informatik-Experte Hernâni Marques ist jedoch klar, dass es jeder Internetnutzer kennen sollte. Und der Zugang dazu ist nur einen Klick entfernt.

Es ist der verborgene Teil des Internets – das Darknet. Ist es in den Medien, dann selten als positives Beispiel. Wer das Darknet betreten will, braucht ein Programm. Am einfachsten gehts mit dem sogenannten Tor-Browser. Darknet-Seiten tragen nicht die bekannten Endungen wie .ch oder .com, sondern sind über .onion (Englisch für Zwiebel) erreichbar. Eine viel besuchte Darknet-Seite wird von Facebook betrieben, damit die Social-Media-Plattform von Menschen genutzt werden kann, die in autoritären Staaten wie Iran oder Türkei mit Internetzensur leben.

Weil man im Darknet aber viel anonymer unterwegs ist als im öffentlichen Teil des Internets, nutzen es auch Kriminelle. So werden auf elektronischen Marktplätzen beispielsweise Drogen und Waffen angeboten, oder es wird Kinderpornografie ausgetauscht. Darum ermittelt unter anderem die Kantonspolizei Zürich oder das Bundesamt für Polizei im Darknet.

Im Darknet surfen ist legal
Trotzdem ist das Surfen im Darknet keineswegs illegal. Genutzt wird es beispielsweise von Journalisten, Bloggern, Aktivisten, die ihre Privatsphäre wahren müssen oder wollen. Es werden im Darknet ganz gewöhnliche Dienste wie Chats oder E-Mail angeboten.
Einer, der sich mit dem Darknet auskennt, ist Hernâni Marques. Der Informatik-Experte ist Pressesprecher beim Chaos Computer Club Schweiz. Das ist eine Hackerorganisation, die sich politisch gegen Überwachung und Zensur im Internet wehrt und in Zürich einen Treffpunkt hat. Marques plädiert für vollverschlüsselte Netzwerke, bei denen Computern untereinander so verbunden sind, dass eine Abhörung und damit Zensur stark erschwert wird – wie beim Darknet. Heute wickeln die grossen Internetkonzerne ihre Dienste über zentrale Server ab, jede Suchanfrage, jedes E-Mail wird potenziell gespeichert.

«Der Staat darf hierzulande beispielsweise unsere Briefe nicht flächendeckend öffnen, die elektronische Kommunikation darf er jedoch kontrollieren.»

Hernâni Marques, Chaos Computer Club Schweiz

Den Begriff «Darknet» findet Marques nicht gelungen. «Er wird von Überwachungskreisen verbreitet, um es als etwas Schlechtes darzustellen», so der 34-Jährige, der Computerlinguistik an der Universität Zürich studiert hat. Finanziert wurde das Tor-Netzwerk stark von der US-Navy. Tor ist ein Teil des Darknet. Das US-Militär nutzt es auch heute. Denn wer im Internet surft, hinterlässt Spuren, die rückverfolgbar sind. «Das Schweizer Überwachungsgesetz erlaubt es den Behörden, die elektronische Kommunikation zentral zu sammeln.» Mit anderen Worten: Jede Kommunikation im Internet oder mit dem Mobiltelefon kann überwacht werden. «Der Staat darf hierzulande beispielsweise unsere Briefe nicht flächendeckend öffnen, die elektronische Kommunikation darf er jedoch kontrollieren», gibt Marques zu bedenken.

Überwachung ist Normalität
Der Chaos Computer Club Schweiz hatte sich erfolglos gegen das Überwachungs- (BÜPF) und das Nachrichtendienstgesetz (NDG) gewehrt. Noch in den 80er Jahren sei der Aufschrei gross gewesen, als der Bundesrat wissen wollte, wie die Bürgerinnen und Bürger ihren Weg zur Arbeit zurücklegen würden. «Heute ist es normal geworden, dass uns die Behörden überwachen können», bedauert der IT-Experte. Und das hauptsächlich, weil es technisch möglich sei. Dabei ist das in den Augen von Marques für die Behörden kontraproduktiv. «Je mehr Überwachung es gibt, je schneller entstehen alternative Netzwerke, die schwieriger zu überwachen sind.»

Wer deshalb seine Privatsphäre im Internet wahren möchte, kann den Tor-Browser verwenden. Dieser basiert auf Mozilla Firefox und leitet das Surfverhalten über drei zufällige Knotenpunkte des Tor-Netzwerks durch das Internet. Angeboten werden die Server von Freiwilligen, aber auch von Regierungen. Die Verbindung zwischen dem persönlichen Computer und den einzelnen Knotenpunkten irgendwo auf der Welt, also Stationen, ist mehrfach verschlüsselt. Damit wird Zensur und Überwachung umgangen. Die Nutzer können wie gewohnt im Internet surfen. Zudem schützen sie sich vor personalisierter Werbung. Gleichzeitig ist der Tor-Browser die einfachste Möglichkeit, die versteckten Seiten des Darknet aufzurufen oder Internetsperren zu umgehen. Der Browser ist mit wenigen Klicks installiert und für jeden benutzbar.

Marques empfiehlt aber auch etwas Grundsätzliches: «Datensparsamkeit ist wichtig.» Je weniger eine Person im Internet preisgebe, desto weniger Daten könnten in die falschen Hände geraten.


So schützt man seine Privatsphäre

Der Chaos Computer Club Schweiz hat mit der Digitalen Gesellschaft Schweiz, der Stiftung für Konsumentenschutz und der «Wochenzeitung WOZ» die Broschüre «Eine kurze Anleitung zur digitalen Selbstverteidigung» herausgegeben. Der Ratgeber kann unter www.woz.ch/-7fb9 als PDF kostenlos heruntergeladen werden.

Datensparsamkeit: Weniger ist mehr. Daten, die nicht ins Netz gelangen, brauchen erst gar nicht geschützt zu werden.

Passwörter: Ein hinreichend sicheres Passwort sollte möglichst lang sein: Am besten bestehend aus einer zufälligen Folge von Wörtern, die man nirgends findet und sich gut merken kann.

Sicherheitsupdates: Betriebssysteme sollten stets auf dem aktuellsten Stand gehalten werden.

Surfen im Netz: 
Tor ist der sicherste Browser im Internet. Er basiert auf Mozilla Firefox und kann unter www.torproject.org heruntergeladen werden. Er ist für Windows, Mac und Linux verfügbar. Da die Verbindung zwischen Nutzer und aufgerufener Seite über drei zufällige Knotenpunkte (Server), quasi Stationen im Netz, hergestellt wird, lässt sich kaum zurückverfolgen, wer auf die Website zugreift. Wer sich dann allerdings bei Youtube, Facebook und Co. anmeldet, verliert diese Anonymität wieder.

Suchen: «Duck Duck Go» ist eine eigenständige amerikanische Suchmaschine, die das Suchverhalten nicht speichert. Finanziert wird der Dienst über Spenden und nichtpersonalisierte Werbung. (pw.)

Es braucht dringend drei Frauen im Bundesrat

Es ist peinlich. Unter Umständen könnte bald nur noch eine einzige Frau im Bundesrat vertreten sein. Will heissen: Simonetta Sommaruga von den Sozialdemokraten (SP) wäre  alleinige Vertreterin ihres Geschlechts in der Schweizer Regierung. Grund dafür ist der angekündigte Rücktritt der Christdemokratin Doris Leuthard (CVP). Weil gleichzeitig Johann Schneider-Ammann von den Freisinnigen (FDP) abtritt, wird jetzt fleissig spekuliert. Zwei Sitze werden frei – wer wird die scheidenden Politiker beerben?

Wegen dem gelebten und viel gelobten Konkordanzprinzip, dem Einbezug möglichst vieler politischer Akteure, steht die Sitzverteilung nach Parteien nicht grundsätzlich infrage. Sowohl die FDP und die CVP dürfen damit rechnen, ihre Sitze zu behalten. Es geht einzig darum zu entscheiden, wen die jeweiligen Parteien nominieren wollen.

Sieben Bundesrätinnen und Bundesräte gibt es – aktuell fünf Männer und zwei Frauen. Gemäss dem Bundesamt für Statistik machen die Frauen 50,4 Prozent der Schweizer Bevölkerung aus. In der Regierung ist ihr Anteil aber nur knapp 28,6 Prozent. Laut einer UNO-Rangliste belegen wir mit unserem Frauenanteil lediglich Platz 33. Nicht gerade berauschend. Die skandinavischen Länder, mit denen wir uns so gerne vergleichen, haben die Schweiz abgehängt. Und auch Deutschland liegt im Ranking zehn Plätze vor uns. 1984 wählte das Parlament mit Elisabeth Kopp (FDP) die erste Frau in die Regierung. 2010 gab es eine Frauenmehrheit. Ingesamt waren aber seit 1848 lediglich 7 von 117 Bundesräten Frauen. Etwas, was Alliance F, dem Bund Schweizerischer Frauenorganisationen, wenig überraschend missfällt.

Aus meiner Sicht ist klar, diese Chance muss genutzt werden. Zwei Sitze werden frei, zwei Frauen sollen nachrücken. Offenbar steht aber sogar der zweite Sitz der Frauen im Bundesrat zur Diskussion. Zumindest kann man das aus gewissen Äusserungen bei der CVP heraushören. Frei nach dem Motto: «Jetzt sind die anderen dran.» Es scheint fast so, als ob es für die Parteien ein grosses Opfer darstellen würde, durch eine Frau im Bundesrat vertreten zu sein. Immerhin: Mindestens eine Frau soll aufs Ticket, sagte CVP-Parteipräsident Gerhard Pfister Ende September. CVP-Nationalrätin Viola Amherd gilt als mögliche Bundesratskandidatin.

Keine Frauenquote aber faire Vertretung

Bei der FDP hat Ständerätin Karin Keller-Sutter die besten Wahlchancen, die Freisinnigen stellen seit 29 Jahren keine Bundesrätin mehr. Trotzdem gibt es auch hier Männer, die sich lieber selber in der Regierung sehen würden.

Natürlich sollten Ämter nicht einfach nach dem Geschlecht verteilt werden – die Qualifikation muss im Vordergrund stehen. In der föderalen Schweiz ist auch die angemessene Vertretung der Regionen unabdingbar. Aber: Bei einem drohenden Frauenanteil von rund 14,3 Prozent in der Regierung gibt es für mich keinen Grund mehr für Diskussionen. Die fehlende Repräsentation der halben Bevölkerung schlägt alle anderen Argumente. Genügend Frauenstimmen dürfen auf dieser politischen Ebene nicht fehlen, sind für die Balance der Gesellschaft essenziell. Fadenscheinige Argumente, weil irgendein Mikrokosmos der Schweiz schon lange keine bundesrätliche Vertretung mehr hatte, zählen nicht. Wenn eine knappe Mehrheit der Bevölkerung von der Politik nicht angemessen repräsentiert wird, ist das einfach ein Affront. Wie soll das Volk an Chancengleichheit glauben können, wenn in Bundesbern Frauen und Männer nicht auf Augenhöhe sind? Es geht weder um Zeitgeist, noch um Quoten, sondern einfach um Fairness.

Brett Kavanaugh and how to actually bring about change

Gastbeitrag von Stephanie Turin

The echo chamber that is my Facebook page is flooded with grief and disbelief on the eve of Brett Kavanaugh’s election as Associate Justice of the Supreme Court of the United States. Whether or not Kavanaugh had been found guilty of the crime(s) he allegedly committed: the man disqualified himself on many levels by objective measure. Yet, he will serve the nation’s highest court for a lifetime. The distraught voices of protest in the Senate gallery scintillated with rage. There is an imminent, desperate tone to the activists’ chants. Similarly, in the photograph below, shared on Facebook by NPR photo editor Mary Mathis, the distraught woman asks: “How are we going to find the strength to keep on fighting?”

As an expatriate US citizen, I find myself ethically beyond perturbed by the Kavanaugh development. Emotionally, however, the consequences feel distant and dull at best. For me personally, the sun will rise again come morning. I will go to work and I will go about my personal business. While some may put their necks on the line for collective injustice, the reality is that most of us will not. We may re-post a YouTube video or two, we scan the headlines on our preferred news apps in the morning and we might moan to our friends over after-work drinks. In a recent article published on “Medium”, Ijeoma Oluo rightly points out that our rage ought to be put to good use. While I wholeheartedly agree with the energizing and productive quality of anger, I also believe that we are fundamentally stirred by the personal and the immediate. It is there, where we should be investing the limited resource that is our emotional energy. Demonstrative resistance is well and good – a rightful tool within the democratic process. But I can’t help but wonder if the heartbroken woman in the image above isn’t investing too much of her resources beyond the scope of her immediate surroundings.

True transformation is essentially forged through the diligent and often solitary work of untangling oneself, integrating the conscious and unconscious and becoming truly yourself. This encapsulates loosely what Carl G. Jung, Swiss psychiatrist and founder of analytical psychology, referred to as Individuation. And let’s be clear: the health of our collective is vitally dependent on the work of the silent middle, wedged between one-sided, opposing extremes. Kavanaugh’s yay-Sayers were never going to be swayed by a noisy minority of angry protesters in revolt. So before you feel guilty for not doing your part in political activism, consider first what can be done closer to home.

Where do your friends personally draw the line when it comes to sexual harassment? Chances are, your opinions will diverge. How does your partner react when a close friend is displaying behavior he doesn’t agree with? We’ve all known a Kavanaugh-type. Do you advocate for yourself at work? If you admired Christine Blasey Ford’s courage to speak up, go ahead and negotiate a higher salary if you’re in a position to do so. Do you hold yourself accountable when it comes to your own priorities? The more balanced and nourished you are as an individual, the more resources you have to allocate to causes you feel passionate about. Reestablishing collective political balance is entirely contingent on each of us tending to our own metaphorical backyard. We have the potential to be greater than the sum of our individual parts – but only so long as the individual parts are whole and thriving.

Uhrzeit umstellen für den europäischen Zusammenhalt – die EU soll sich lieber um wichtigere Themen kümmern

Die sogenannte Zeitumstellung – also der Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit – ist ein fruchtbarer Boden für ziellose Diskussionen. Vorgestern ging eine Umfrage der Europäischen Kommission zu diesem Thema zu Ende. Die Kommission wollte die Meinungen der europäischen Bürgerinnen und Bürger, Interessenträger und Mitgliedstaaten zu möglichen Änderungen der derzeitigen Sommerzeitregelung wissen. «The choices offered in the consultation include permanent summer time or permanent winter time», schreibt «Politico»Laut der «Welt» seien mehr als 4,6 Millionen Antworten eingegangen. Im Vergleich dazu: In den 28 EU-Staaten leben gemäss Eurostat aktuell über 512 Millionen Menschen.

Das Ergebnis wurde zwar noch nicht veröffentlicht, aber schon jetzt ist klar, dass die Umfrage keinen bindenden Charakter hat. Es handelt sich um kein Referendum, das letzte Wort haben die Mitgliedsstaaten, die fraglos kein Interesse an von Land zu Land unterschiedlichen Regelungen für Winter- oder Sommerzeit im Europäischen Binnenmarkt haben dürften. Alleine schon aus wirtschaftlichen Gründen. Übrigens: 1978 hatte eine grosse Mehrheit der Schweizer Stimmbevölkerung Nein zur Zeitumstellung gesagt, 1981 wurde sie aber trotzdem eingeführt – weil die Nachbarländer die Sommerzeit hatten. Würde sie also wieder abgeschafft, müsste die Schweiz der EU wohl folgen, um selbst keine Nachteile zu haben.

Besser wichtige Themen erörtern
Bis es so weit ist und die EU-Länder sich einheitlich für oder gegen eine Abschaffung der «Daylight Saving Time» entschieden haben, wird noch einige Zeit vergehen. Dass die Zeitumstellung jedes Jahr zu Stammtisch-Diskussionen führt, ist bekannt. Ob dank der Sommerzeit wirklich weniger Energie verbraucht wird, darf zumindest bezweifelt werden. Und ob Kühe deswegen weniger Milch geben, wenn sie früher gemolken werden, auch. Immer wieder wurden Studien zum Einfluss der Zeitumstellung angefertigt, die aber zu gegensätzlichen Ergebnissen kamen. Das wirft allerdings die Frage auf, welchen Zweck die EU mit dieser Umfrage wirklich verfolgt. Klar, die Bürgerinnen und Bürger fühlen sich einbezogen, bei einem Thema, welches sie vielleicht persönlich im Alltag stört. Doch das Problem scheint wiederum kaum so drängend, dass es überhaupt oben auf der Tagesordnung der Europäischen Kommission stehen müsste. Es wirkt so, als würde sich Brüssel beim Volk beliebt machen wollen. Frei nach dem Motto: «Seht, wir kümmern uns eben doch.»

Wäre es aber nicht wichtiger, die Bewohnerinnen und Bewohner zu anderen Thema zu befragen, etwa zur Migrations- oder Energiepolitik? Diese Auseinandersetzung wäre bedeutsamer und sie würde wohl zu roten Köpfen führen. Gerade dort, wo es wirklich brennt, hat die EU Hemmungen, das Volk anzuhören. Oft steht die Meinung des Einzelnen der politischen Haltung Brüssels diametral gegenüber. Bei der Zeitumstellung kann man ja mal fragen, schadet ja nicht. Doch für den Zusammenhalt des europäischen Projekts ist es wichtig, alle an Bord zu holen und nicht nur dann nach der Stimmung zu fragen, wenn es sich um ein unwichtiges Thema handelt.