«Bei der Depotplanung musste ich eingreifen»

Zuerst veröffentlicht in den Lokalinfo-Zeitungen vom 29. Juli 2021.

Seit gut 100 Tagen ist Marco Lüthi Direktor der Verkehrsbetriebe Zürich. Im Interview erzählt der 44-Jährige, wo er eingreifen musste im Betrieb mit über 2500 Mitarbeitenden, was er dem Tempo-30-Regime Gutes abgewinnen kann und wie er die Mitarbeiterzufriedenheit verbessern will.

Von Lorenz Steinmann und Pascal Turin

Marco Lüthi, Sie waren knapp zwei Jahre Direktor der Sihltal-Zürich-Uetliberg- Bahn (SZU). Wollen Sie länger bleiben bei den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ)?
Definitiv. Der Wechsel war nicht geplant. Ich hatte ein supertolles Team und spannende Aufgaben.

Trotzdem wechselten Sie. Warum?
Hier kann ich grössere Themen angehen, auch nationale, verkehrspolitische Anliegen. Das war bei der SZU nicht der Fall.

Ihre beruflichen Sporen abverdient haben Sie sich bei der Rhätischen Bahn (RhB) im Kanton Graubünden. Keine Sehnsucht mehr nach dieser beliebten Gebirgsbahn?
Ich war Leiter Unternehmensentwicklung und damit Stellvertreter des Stabs- und Personalchefs auf Stufe Geschäftsleitung. Meine Aufgabe als rechte Hand des Direktors war vor allem, den Modernisierungsprozess des alten Rollmaterials der RhB voranzutreiben sowie als Verkehrsingenieur die Vielzahl von Doppelspurabschnitten zu planen. Ich durfte in Chur meine heutige Frau kennen lernen, sie ist mir sogar ins Unterland gefolgt (lacht).

Und nun wohnen Sie in Zürich?
Wir mussten schnell etwas finden. Fündig wurden wir in Birmensdorf. Ähnlich wie in Chur ist man in Birmensdorf schnell in der Natur.

Wie kommen Sie denn zur Arbeit nach Altstetten?
Natürlich mit dem ÖV. Bis ins Triemli nehme ich die «Konkurrenz», das Postauto. Von dort fahre ich mit dem Bus von uns nach Altstetten, oder dann mit dem Tram via Kalkbreite. Ich benutze den ÖV täglich.

Sie haben Abschlüsse der Universität St. Gallen und der ETH. Können Sie auch Bus fahren oder ein Tram lenken?
Nein, das kann und will ich nicht. Dafür braucht es Profis und ich würde es fast ein wenig despektierlich finden. Ich hatte früher den Pilotenausweis. Wenn man etwas richtig machen will, dann muss man es seriös machen. Ein bisschen Tram oder Bus fahren wäre gefährlich.

Dann fliegen Sie auch nicht mehr?
Nein, das habe ich während meiner Studienzeit gemacht. Man muss viel fliegen, um es seriös und sicher zu machen. Mein Motto: Entweder mache ich es richtig oder ich lasse es sein.

Sind Sie denn neben einem Flugplatz aufgewachsen, oder wie kamen Sie zur Fliegerei?
Ich bin neben dem Verkehrshaus in ­Luzern aufgewachsen. Dadurch habe ich multimodale Verkehrserziehung erfahren (lacht). Dazu war mein Vater Eisenbähnler. Eigentlich war ich also näher bei den Bahnen. Ich kam aber bei der militärischen Pilotenvorschulung relativ weit und das konnte ich dann zivil nutzen.

Ihr Vorgänger Guido Schoch verstand sich nicht so gut mit dem Zürcher Verkehrs­verbund (ZVV). Wie ist Ihr Verhältnis zum ZVV, der ja fast alle finanziellen Entscheidungen der VBZ absegnen muss?
Das ist tatsächlich eine spezielle Kombination mit oft unterschiedlichen Haltungen zwischen Stadt und Kanton. Diese wirken sich dann auf den ZVV und die VBZ aus. Wir müssen Lösungen suchen, obwohl wir wissen, dass die Rahmenbedingungen oft kaum Lösungen zulassen. Ich versuche, mit Zahlen und Fakten unsere Situation aufzuzeigen.

Beim ZVV hat, wie auch bei den VBZ, ein Wechsel bei der Führung stattgefunden. 
Persönlich kenne ich den neuen ZVV-Direktor Dominik Brühwiler gut. Wir haben an der ETH im gleichen Institut gearbeitet, zeitlich aber nicht zusammen. Uns ist bewusst, dass ein Konsens wegen übergeordneter Vorgaben schwierig ist. Menschlich streiten wir sicher nicht, inhaltlich werden wir in den Diskurs gehen müssen.

Haben Sie da Beispiele?
Die Tempo-30-Geschichte ist eine ganz schwierige Thematik. Der Stadtrat hat eine Haltung und der Kanton hat eine Haltung. Da ist die Schnittmenge sehr gering.

Müssten nicht Stadtrat Michael Baumer und Regierungsrätin Carmen Walker Späh (beide FDP) zusammensitzen?
Es ist eigentlich eine Ebene höher. Zuständig sind der Gesamtstadtrat und der Gemeinderat sowie der Kantonsrat auf der anderen Seite. Somit müssen sich die übergeordneten Parlamente einig werden, die uns die Rahmenbedingungen vorgeben.

Ist die Umsetzung von Tempo 30 im grossen Stil überhaupt möglich?
Der Stadtrat will dazu flankierende Massnahmen umsetzen, zum Beispiel vermehrt Eigentrassees für Tram und Bus. Doch auch das wird etwas kosten.

Glauben Sie wirklich, dass der Kanton die geforderten 70 Millionen bezahlt?
Es sind grobe Schätzungen. Und eben, über mögliche flankierende Massnahmen hat man noch nicht diskutiert. So könnten die Mehrkosten auch tiefer liegen. ­Einen Masterplan haben wir noch nicht. Die Mehrkosten beruhen darauf, wo ­Linien kippen, sprich, wo es mehr Fahrzeuge und Personal braucht. Wenn wir auf gewissen Strecken mit dem Tram weiter 50 fahren könnten, würde uns das ­helfen. Wenn wir dank Eigentrassees nicht im Stau stehen, hilft das zudem, ­Verlustzeiten zu minimieren.

Dann wünschen Sie sich also beispielsweise, dass auf der Hardturmstrasse, wo heute Tempo 30 gilt, das Tram weiter 50 fahren darf?
Das ist ein schwieriges Thema. Es würde ­sicher zusätzliche bauliche Massnahmen brauchen. Da sind wir momentan daran, das konkret zu erarbeiten.

Wie viele Strecken sind von den VBZ be­troffen, wenn Tempo 30 flächendeckend eingeführt wird? 
Der Stadtrat spricht davon, dass auf dem grössten Teil der Strassen Tempo 30 gelten soll. Dazu soll es aber spezielle Gutachten geben. Die Gesamtplanung macht das Tiefbauamt, wir kommen relativ weit hinten. Wir können einfach aufzeigen, was der Mehrwert ist, wenn weiterhin Tempo 50 gilt auf VBZ-Trassees. Entscheiden muss schlussendlich aber der Stadtrat.

Ihr politischer Chef, Stadtrat Baumer, nannte die Forchstrasse als Knackpunkt. 
Die Forchstrasse ist eine typische Ein­fallsachse. Dort ist ein Abwägen wichtig. Soll Tempo 50 für alle weiterhin gelten oder soll man dank flankierender Massnahmen dafür sorgen, dass die Forchbahn und wir weiterhin 50 fahren können als ÖV? Die dritte Variante wäre, dass alle nur noch 30 fahren dürfen. Was bedeutet dies finanziell, was bedeutet das für die Anwohner? Da muss man abwägen. Für jedes dieser Projekte gibt es jeweils eine Auslegeordnung.

Also schaut zuerst das Tiefbauamt die Strecken mit Ihnen an, erst dann werden sie ausgeschrieben?
Ja, so verstehe ich den Stadtrat.

Aber das kann Jahre dauern …
Ja, deshalb will man auch etappiert vorgehen. Zuerst kommen die einfachen Strassenzüge, wo weniger Verkehrsteilnehmende betroffen sind und es weniger bauliche Massnahmen braucht.

Die Mehrkosten wegen Tempo 30 will man in Höngg einsparen, indem man die Buslinie 38 aufhebt. Könnte es wegen Tempo 30 einen weiteren Abbau geben? 
Bei der Buslinie 38 wurden wir mit Tempo 30 vor vollendete Tatsachen gestellt. Dann wollte uns der ZVV die Mehrausgaben nicht finanzieren, weil die Linie 38 einen sehr tiefen Kostendeckungsgrad hat. Sehr schön finde ich nun, dass sich der Stadtrat zur Linie 38 bekannt hat. Er hat zumindest einen Überbrückungskredit in Aussicht gestellt, bis die Finanzierung geklärt ist.

Dann ist die Linie 38 also gerettet?
Wir gehen davon aus, dass die Linie 38 weiter bestehen bleibt. Schlussendlich entscheidet aber der Stadtrat. Immerhin hat der ZVV betont, dass er grundsätzlich keine Angebotsreduktion will. Angebotsabbau bedeutet immer auch einen ­Ertragsrückgang, und das will man nicht.

Der neue VBZ-Direktor Marco Lüthi vor einem Flexity-Tram. Foto: Pascal Turin

Wegen Corona sind die Einnahmen aber massiv zurückgegangen.
Corona bedeutet eine Zwischendelle. Wir gehen davon aus, dass wir 2024 wieder dort stehen, wo wir vor Corona waren. Dazu kommen prognostiziertes Bevölkerungs- und Arbeitsplatzwachstum in und um Zürich. Das Mobilitätsbedürfnis wird also nach all den Modellen steigen.

Hand aufs Herz: Wie teuer ist eigentlich das tägliche Im-Stau-Stehen? Das wäre doch eine Vollkostenrechnung analog der Diskussion um Thema 30, oder?
Die Frage ist berechtigt. Wir kennen zwar die Punkte mit Verspätungen, aber die Mehrkosten haben wir noch nicht untersucht. Der Verkehr ist historisch gewachsen. Stolz können wir auf unser weltweit bekanntes System mit der Lichtsignalbevorzugung für Trams und Busse sein. Das hat viele Verluste reduziert.

Die Rosengarten-Abstimmung inklusive Tramlinie ging verloren. Wie wollen Sie jetzt den Flaschenhals Central und Hauptbahnhof entlasten?
Wir arbeiten an einer Mobilitätsvision 2050. Es soll einen ÖV-Doppelring in und um Zürich geben. Mehr dazu sagen wir im Herbst. Später werden wir auf der Basis dieser Vision dann die Netzentwicklung ausarbeiten.

Und ein wenig konkreter?
Es sind oberirdische wie auch unterirdische Linien geplant. Und: Das Ganze ist abgestimmt mit der Stadt wie auch mit dem ZVV. Wichtig ist uns der multimodale Ansatz mit Bahn, Tram, Bus, Trottinett und Velo, damit die Quartiererschliessung noch besser wird. Das soll unser Beitrag für ein attraktives Zürich sein.

Am Central und am Bellevue stehen sich die VBZ oft selber im Weg.
Tatsächlich müssen wir die Peripherie stärken. Heute führen ganz viele Linien ins Zentrum und von da wieder weg. Künftig wollen wir Stadelhofen, Oerlikon und Altstetten besser einbinden. Dazu arbeiten wir eben an einem modularen Ringsystem. So muss man nicht mehr immer ins Zentrum kommen.

Bei einer neuen Umfrage der «Handelszeitung» («Beste Arbeitgeber Verkehr und Logistik») kam die RhB auf Rang 1, die VBZ lediglich auf Rang 14, noch hinter Eurobus. Was halten Sie von dieser Umfrage?
Ich weiss nicht, wie die Umfrage zu Stande gekommen ist. Wir möchten aber nahe bei den Mitarbeitern sein und schauen, dass die Zufriedenheit wächst. Das Thema Kommunikation zu den Mitarbeitern ist für mich sehr wichtig ebenso wie die Transparenz. Das habe ich schon bei der RhB und der SZU gesehen. So können die Mitarbeitenden Entscheide besser nachvollziehen.

Mussten Sie in Ihren ersten Wochen als neuer Chef bei den VBZ bereits irgendwo die Notbremse ziehen?
Normalerweise führe ich so, dass ich Verantwortung delegiere. So macht das Arbeiten für die Mitarbeitenden mehr Spass. Ich sehe das als Wertschätzung. Nur wenn es aus dem Ruder läuft, ziehe ich die Notbremse. Der erste Hemdknopf muss einfach sitzen.

Wo wurde mit falschem Zuknöpfen ­begonnen?
Wir müssen vermehrt schauen, dass die Fahrgäste wieder zurückkommen, sonst passt es finanziell nicht mehr. Und: Wir müssen in nächster Zeit viele Depots und auch die Zentralwerkstatt erneuern. So braucht es viel Abstellflächen für die Trams. Das ist noch nicht optimal aufeinander abgestimmt. Sonst gibt es Zusatzaufwand und zu viele Leerfahrten. Ein Knackpunkt sind auch die neuen Trams, die sich nicht mehr wie die alten auseinander koppeln lassen in den Depots. Zudem brauchen wir für immer mehr Elektrobusse Ladeeinrichtungen. Das braucht viel Vorlaufzeit.

Von der Gewerkschaft VPOD wird kritisiert, dass der Kanton die Einhaltung der Gesamtarbeitsverträge (GAV) zu wenig kontrolliert. So haben die VBZ auch schon Ausschreibungen verloren, etwa gegen die Limmat Bus AG, welche schlechtere Arbeitsverträge hat.
Die Limmat Bus AG hat auch einen Gesamtarbeitsvertrag. Wichtig ist das Bench­markmodell des ZVV, das die besonderen Gegebenheiten, etwa in der Stadt Zürich, berücksichtigt. Heute und morgen sind keine Ausschreibungen geplant, bei der Limmattalbahn sind die VBZ leider unterlegen. Uns ist wichtig, dass für unsere ­Mitarbeitenden gewisse Rahmenbedingungen eingehalten werden. Wir möchten dem Kanton die Vorteile eines GAV aufzeigen, damit wir bei einer künftigen Ausschreibung gleich lange Spiesse ­haben wie die Mitbewerber. Das wäre aber ein politischer Prozess, wir können da als VBZ keinen Einfluss nehmen. Uns ist wichtig, dass wir mit den Sozialpartnern gut ­auskommen.

So könnte Zürich nachhaltiger bauen

Zuerst veröffentlicht in den Lokalinfo-Zeitungen vom 14. Mai 2021.

Foto: Pascal Turin

Kaum ein Neubau kommt ohne Beton aus, dessen Produktion weltweit Milliarden Tonnen CO2 verursacht. Doch darüber, ob abgerissen oder saniert wird, entscheiden ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte. Und der Baustoff Beton ist gar nicht das Hauptproblem.

Für viele ist es ein Schock. Sie leben teilweise schon jahrelang in ihrer Siedlung, wenn die Hiobsbotschaft eintrifft: Die Besitzerinnen und Besitzer planen einen Neubau, das Haus wird abgerissen. Oft wehren sich die Bewohner, versuchen mit Interessensgemeinschaften die Eigentümerinnen von der Abkehr zu überzeugen. Die Politik wird eingespannt, die Stadt um Hilfe gebeten. Häufig bringt der ganze Widerstand wenig. So etwa bei der Hofacker-Siedlung in Hirslanden, wo die Bagger längst aufgefahren sind.

Mediale Aufmerksamkeit erhielt der geplante Neubau der Siedlung Brunaupark in Wiedikon. Kritisiert wurde insbesondere der Abriss von Gebäuden, die noch über eine gute Bausubstanz verfügen. Die Grossüberbauung verzögert sich nun, aber hauptsächlich, weil die Gerichte den Lärmschutz seit einiger Zeit höher gewichten als früher. Das Projekt wird überarbeitet und vorerst das Ladenzentrum der Migros renoviert.

Grosse Investitionen nötig
Die Stadt Zürich muss verschiedene Aspekte berücksichtigen. Es wird Bevölkerungswachstum prognostiziert, weshalb es mehr Wohnraum braucht. Schlagwort: Verdichtung. Ebenso hat die Stadt den Auftrag, gemeinnützigen Wohnungsbau zu fördern. Gleichzeitig soll der Grünraum erhalten bleiben. Nicht zu vergessen wäre der Denkmalschutz, die Erreichung der 2000-Watt-Ziele und die selbst auferlegte Klimaneutralität bis 2040.

Wie die «Republik» kürzlich berichtete, hat die Stadt vergangenes Jahr eine Studie veröffentlicht, die aufzeigt, wie sie Netto-Null erreichen könnte. Netto-Null bedeutet, dass alle Treibhausgasemissionen durch Ausgleichsmassnahmen der Atmosphäre entzogen werden müssen.

Im Sinne einer klimaneutralen Limmatstadt sollten eigentlich die 2020 bestehenden Gebäude praktisch auch 2050 noch alle stehen, heisst es in der Studie. Jedoch mit energetischen Erneuerungen, wie angefügt wird. Doch das bedingt grosse Investitionen der Eigentümerinnen und Eigentümer und wohl finanzielle Förderung durch den Staat.

Holz und Beton nicht ausspielen
Gemäss einem Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen macht der Bau- und Gebäudesektor 38 Prozent der globalen CO2-Emissionen aus. Mitverantwortlich ist der Baustoff Beton, dessen Produktion Milliarden Tonnen CO2 verursacht. Ausserdem verursachen Gebäude im Betrieb Treibhausgase, fürs Heizen oder Kühlen. Zusätzlich steckt die beim Bauen verbrauchte Energie als sogenannte «graue Energie» in den Wänden. Bei einem Abriss eines Gebäudes mit guter Bausubstanz wird die graue Energie verschwendet.

Ein Ausspielen von Beton mit anderen Materialien wie Holz wäre aber falsch. Dieser Meinung ist Guillaume Habert. Er ist Professor für Nachhaltiges Bauen an der ETH Zürich. Wenn Brettschichtholz, auch Leimholz genannt, verbaut wird, sei die Klimabilanz nicht so viel besser als Beton. «Es gibt keine guten oder schlechten Materialien, sondern das richtige Material am richtigen Ort», erklärt Habert.

Hinzu kommt, dass in Nordamerika und Europa verhältnismässig wenig Neubauten entstehen. Im Gegensatz dazu im globalen Süden, vor allem in Südostasien, Indien und Afrika, wo immer mehr ­Menschen bezahlbaren Wohnraum benötigen. Ersetzt man Beton nun einfach ­generell mit Holz, würde dies zu einer massiven Abholzung der Wälder führen.

Darum ist es wichtig, Strategien zu entwickeln, damit die CO2-Emissionen bei Betonbauten möglichst reduziert werden. In diese Richtung wird viel geforscht, darunter beim Zement, der neben Kies, Sand und Wasser der entscheidende Bestandteil von Beton ist. Die ETH Lausanne hat einen «grünen» Zement namens LC3 entwickelt, die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt arbeitet ebenfalls an alternativem Zement.

Beim Sanieren gibts Widersprüche
«In der Schweiz sind nicht Neubauten das Hauptproblem, sondern die nötige energetische Sanierung bestehender Gebäude», sagt Habert. Für die Dämmung werde oft Expandierter Polystyrol-Hartschaum (EPS), auch als «Styropor» bekannt, verwendet. Für die Herstellung von EPS-Dämmstoffen wird Erdöl benötigt. «Wir stossen CO2 für die Herstellung von Dämmmaterialien aus – um dann damit den Energieverbrauch von Gebäuden zu reduzieren», bringt der ETH-Professor den Widerspruch auf den Punkt. Doch selbst EPS-Dämmstoffe seien nicht grundsätzlich schlecht.

Egal ob für Neubauten oder Renovationen, es ist eine Berücksichtigung verschiedener Materialien nötig. Etwa Beton und Zement, der mit weniger CO2-Ausstoss produziert werden kann, oder Holz. Auch Lehm wäre eine Möglichkeit, weil dieser bei der Verarbeitung nur einen Bruchteil der Energie anderer Materialien benötigt. Für die Dämmung eignet sich Stroh, Hanf oder Flachs. Gleichzeitig müssten die alten Heizungen ausgewechselt werden. «Wichtig ist, dass man diese Aspekte kombiniert», sagt ETH-Professor Habert.

Handlungsspielraum beschränkt
Doch in welchen Fällen setzt sich die Stadt Zürich für Sanierungen ein – und in welchen eher für Neubauten? «Es lässt sich keine allgemeingültige Antwort geben», sagt dazu Lukas Wigger, Mediensprecher des Präsidialdepartements. Es gibt Fälle, in denen durch einen Ersatzneubau deutlich mehr Wohnraum als vorher entstehen kann, allenfalls preisgünstige Wohnungen oder solche zur Kostenmiete gebaut werden. Idealerweise wird früh kommuniziert, die Mieterschaft erhält Ersatzangebote und wird auch durch ein «MieterInnen-Büro» oder eine ähnliche Institution unterstützt. «In Fällen, wo alle oder viele dieser Voraussetzungen gegeben sind, sind Ersatzneubauten oftmals sinnvoll», erklärt Wigger.

Die Stadt wirkt laut eigener Aussage bei privaten Bauträgerschaften sensibilisierend auf ein sozialverträgliches Vorgehen hin. Das Amt für Städtebau bietet ­zudem Beratungsgespräche für Bauherrschaften an. Das kann sich positiv auswirken. Doch wenn ein Gebäude nicht im Inventar der Denkmalpflege aufgeführt ist, hat die Stadt rechtlich keine Möglichkeit, einen Abbruch zu verhindern – ihr sind die Hände gebunden.

Es sei denn, es handelt sich ganz offensichtlich um ein «übersehenes» hochwertiges Schutzobjekt. In diesem Fall müsste der Stadtrat ein Veränderungsverbot mit anschliessender formeller Schutzabklärung verfügen. «Dies geschieht in der Stadt Zürich sehr selten, weil mit dem Denkmalinventar die überwiegende Zahl der schutzwürdigen Bauten in der Stadt bereits klar und transparent definiert sind», erklärt Wigger.

Ab und an entlässt die Stadt aber Gebäude aus dem Denkmalschutz, etwa das Haus zum Falken mit dem ehemaligen Café Mandarin direkt neben dem Bahnhof Stadelhofen. Dort soll ein Neubau des Stararchitekten Santiago Calatrava entstehen.

Manchmal funkt jedoch die Justiz dazwischen. So entschied das Bundesgericht zum Beispiel, dass die Gründersiedlung der Familienheim-Genossenschaft im Quartier Friesenberg nicht abgerissen werden darf. Damit wurde dort die bauliche Verdichtung eingeschränkt.

Stadt baut auch mit Lehm
Eine Vorbildfunktion fällt der Stadtverwaltung zu. Anfang 2000er-Jahre wurden die Gerätehäuser der Sportanlage Sihlhölzli unter anderem mit Stampflehm gebaut. Auch die Erweiterung des Schul­pavillons Allenmoos II in Unterstrass oder der Bettenhausneubau des Triemlispitals sind Beispiele für Bauten mit substanziellem Lehmanteil. «Die Stadt Zürich setzt bei ihren Bauten grundsätzlich ökologisch nachhaltige Baumaterialien ein», so Lucas Bally vom Hochbaudepartement. Sie spiele seit 20 Jahren eine Pionierrolle in der Nutzung von Recyclingbeton. «Damit sind ganz wesentliche Beiträge zum Schliessen von Stoffkreisläufen und zum Landschaftsschutz gelungen», sagt Bally. Der Kunsthauserweiterungsbau bestehe zu 98 Prozent aus Recyclingbeton.

Als Pionierprojekt gilt die Wohnsiedlung Kronenwiese oberhalb des Limmatplatzes. Sie besteht zwar auch aus viel ­Beton, dafür wird der Energiebedarf der Öko-Überbauung für Raumwärme, Warmwasser und Lüftung lokal und aus erneuerbarer Energie gewonnen. Dies geschieht in Form von 21 Erdsonden und einer Solaranlage. Für die Siedlung war kein Abriss nötig, da das Areal unbebaut war. Hier musste die Stadt weder zwischen Sanierung oder Neubau entscheiden noch Mietverträge kündigen.

Kinder für Datenschutz interessieren

Zuerst veröffentlicht in den Lokalinfo-Zeitungen vom 11. Februar 2021.

Das Datenschutzlehrmittel «Geheimnisse sind erlaubt» aus Zürich ist in weitere Sprachen übersetzt worden. Es richtet sich an 4- bis 9-jährige Schulkinder. Auch für ältere Schülerinnen und Schüler sollen bald kostenlose Lernmodule erscheinen.

Medienkompetenz bedeutet mehr als  zu wissen, wie man ein Tablet bedient. Kürzlich wurden anlässlich des 15. Europäischen Datenschutztages die Übersetzungen des Zürcher Lehrmittels «Geheimnisse sind erlaubt» vorgestellt. Neu gibt es die Unterrichtsmaterialien für 4- bis 9-jährige Schulkinder in Französisch, Italienisch, Rätoromanisch und Englisch.

«Geheimnisse sind erlaubt» ist der erste Teil der Lehrmittelreihe «Selbstbestimmt digital unterwegs». Bis Ende des Jahres wollen die Verantwortlichen Unterrichtsmaterialien für alle Klassen im schulpflichtigen Alter entwickeln. «Der Schutz der Privatsphäre gehört zum Fundament einer demokratischen und freien Gesellschaft», sagte Dominika Blonski, Datenschutzbeauftragte des Kantons Zürich, vor den Medien. Mit dem Lehrmittel könne das Bewusstsein dafür alltagsnah und begreifbar vermittelt werden.

Die deutschsprachige Ausgabe von «Geheimnisse sind erlaubt» war 2019 erschienen. Entstanden ist das Lehrmittel in Zusammenarbeit mit dem damaligen kantonalen Datenschutzbeauftragten Bruno Baeriswyl und der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH). «Wir stellen Fragen oder versuchen dazu anzuregen, Fragen zu stellen», erklärte Medienpädagogin Mareike Düssel von der PHZH. Im Lehrmittel geht es nicht um technische Begriffe wie «Big Data» oder darum, wie ein sicheres Passwort auszusehen hat. Die Schülerinnen und Schüler lernen, dass Geheimnisse in der Regel zu wahren sind, es aber Geheimnisse gibt, bei denen sie Erwachsene ins Vertrauen ziehen sollten. In weiteren Lektionen kommt der Umgang mit fremden Daten wie Fotos zur Sprache – Stichwörter Urheberrecht oder das Recht am eigenen Bild.

Das alles wird mit Illus­trationen, Texten, Hörspielen, Erklär­videos oder Aufträgen vermittelt. Ein Pluspunkt ist, dass Lehrpersonen die Unterlagen ohne grössere technische Vorkenntnisse einsetzen können. Das Lehrmittel ist für Fernunterricht geeignet und online im Browser sowie als E-Book kostenlos verfügbar. Viele der Unterlagen kann man ausdrucken.

Bis jetzt ist das Lehrmittel im Schulunterricht nicht obligatorisch, wie die Medienstelle der Datenschutzbeauftragten des Kantons Zürich auf Anfrage mitteilt. Hingegen wird es in den Kantonen Zürich, Graubünden, Tessin und Wallis in der Lehrpersonenausbildung eingesetzt. Zudem wurde in mehreren Weiterbildungsseminaren damit gearbeitet.

In romanische Idiome übersetzt
Die PHZH hat für die Übersetzung des Lehrmittels mit der Pädagogischen Hochschule Graubünden, der Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana und der Haute École Pédagogique du 
Valais zusammengearbeitet. Die an der Medienkonferenz anwesenden Datenschutzbeauftragten aus Graubünden und dem Tessin zeigten sich begeistert.

Der Bündner Datenschutzbeauftragte freute sich besonders über die rätoromanischen Versionen. Alle audiovisuellen Inhalte sind in die fünf rätoromanischen Idiome übersetzt worden. Das ist insofern interessant, weil sich das Bündnerromanisch in fünf gesprochene und geschriebene Idiome aufteilt. Die Idiome vereinen verschiedene Dialekte. Durch die Übersetzung ist es den Lehrpersonen in Graubünden möglich, das Thema Datenschutz auch in der jeweiligen Muttersprache der Kinder zu behandeln.

Informationen:
www.datenschutzlernen.ch


Es gibt Alternativen zu Whatsapp

Kürzlich geriet der Kurznachrichtendienst Whatsapp wegen einer geplanten Änderung bei den Nutzungsbedingungen in die Kritik. Der Mitteilungsdienst, der zum Facebook-Konzern gehört, will bestimmte Daten seiner Nutzenden mit anderen Facebook-Unternehmen vernetzen. Wie stark europäische Nutzer davon betroffen sind, ist unklar. Allerdings kann Whatsapp schon jetzt Nutzerdaten auswerten. Der Inhalt der Whatsapp-Nachrichten soll weiterhin privat bleiben.

Viele Nutzerinnen und Nutzer sind nun zu Whatsapp-Alternativen gewechselt. Doch dass sich alle abwenden, ist nicht zu erwarten. Dies natürlich auch, weil man Freunde und Bekannte ebenfalls vom Wechsel überzeugen müsste.

Eine Alternative zu Whatsapp stellt die Gratisapp Signal dar, die von einer gemeinnützigen Stiftung finanziert wird. Der amerikanische Whistleblower Edward Snowden nutzt Signal. Der Programmcode der App gilt als sehr sicher.

Einen Blick wert ist die Schweizer App Threema. Der Messenger kostet 3 Franken und kann ohne Angabe der eigenen Telefonnummer verwendet werden. Die Server sollen sich laut eigenen Angaben in der Schweiz befinden.

Kontrolle über eigene Daten zurückgewinnen

Zuerst veröffentlicht in den Lokalinfo-Zeitungen vom 27. August 2020.

Was es für Geld schon lange gibt, will ETH-Professor Ernst Hafen für persönliche Daten schaffen: eine Bank mit Genossenschaftsmodell als Gegenpol zu den etablierten Internetgiganten.

Noch vor 20 Jahren hätte kaum jemand einem Unternehmen freiwillig mitgeteilt, wie häufig und welche Strecke er oder sie kürzlich gejoggt sei. Heute gibt es dafür Smartphone-Apps, Smartwatches oder Fitnesstracker. Und die persönlichen Fitness-, Gesundheits- oder Ernährungsdaten sind bei Unternehmen oder Krankenkassen heiss begehrt.

Doch Gesundheitsapps und andere haben alle etwas gemeinsam: Egal, wie strikt die Datenschutzerklärungen sind und welche Einstellungen jeder individuell vornehmen kann, die Daten liegen in den Händen von Unternehmen. Nutzerinnen und Nutzer müssen ihnen entweder vertrauen oder auf die Nutzung solcher Angebote komplett verzichten. Letzteres würden wohl viele Privatsphäre-Experten empfehlen.

Forschung soll profitieren

Einen anderen Weg geht Ernst Hafen. Der Professor am ETH-Institut für molekulare Systembiologie will, dass die Bevölkerung die Kontrolle über ihre Gesundheitsdaten behält. Denn für ihn ist klar: Daten entfalten ihr wahres Potenzial erst, wenn sie zusammengeführt werden. Weder Google, Apple, Facebook noch eine Ärztin verfügt über alle Daten, also das Gesamtbild einer Person. Alle haben nur ein Stück vom Kuchen.

«Nur die Bürgerinnen und Bürger selbst können alle Daten zusammenbringen», sagt Hafen. «Aber nicht Internetkonzerne sollen von dieser Zusammenführung profitieren, sondern die Gemeinschaft», so der Biologe. Für Unternehmen sind Daten wie bares Geld. Sie werden gesammelt, ausgewertet, verkauft und für personalisierte Werbung verwendet.

Wer heute eine Studie mit 3000 Teilnehmenden braucht, der muss viel Zeit und Geld investieren. Sind die Daten schon vorhanden, wird laut Hafen beispielsweise die Entwicklung von Medikamenten günstiger, oder es werden Forschungen ermöglicht, die sonst finanziell unattraktiv sind. Der 64-Jährige hat deshalb 2015 mit Gleichgesinnten die Non-Profit-Genossenschaft Midata gegründet. Midata funktioniert wie eine Bank für Daten. Erdacht hat die Technik dahinter Hafens damaliger ETH-Kollege Donald Kossmann, der heute in den USA die Forschungsabteilung von Microsoft leitet. Entwickelt wurde sie zusammen mit der Berner Fachhochschule.

Auf der Internetplattform von Midata kann man seine Daten hochladen. Die Genossenschaft übernimmt die Verwaltung und sucht Partner, welche die Daten nutzen möchten. Firmen sollen für die Nutzung bezahlen. Die Entscheidung, ob Daten genutzt werden dürfen, liegt immer bei den einzelnen Mitgliedern. Sie bleiben Besitzer ihrer Daten. Die Einnahmen werden für die Weiterentwicklung der Midata-Plattform und für Projekte genutzt, beispielsweise in der Forschung, die der Gemeinschaft etwas bringen sollen.

«Ich will Google nichts wegnehmen, aber ich will eine Kopie meiner Daten herunterladen können.»

Ernst Hafen, ETH-Professor

App für Corona-Symptome lanciert
Um die Leute zum Mitmachen zu motivieren, hat Midata verschiedene Projekte lanciert. Eines ist topaktuell und heisst «Corona Science». Bürgerinnen und Bürgern können mit der App ihren Gesundheitszustand und auftretende Symptome einer Covid-19-Erkrankung aufzeichnen. Die gewonnenen Daten werden anonym und allen Interessierten zur Verfügung gestellt. Ein anderes Projekt ist an Pollenallergikerinnen und -allergiker gerichtet. Die Daten werden vom Universitätsspital Zürich verwendet. Mit der Teilnahme an einem der Projekte eröffnen die Nutzenden ein Konto bei Midata. Sie sind damit nicht automatisch Mitglied der Genossenschaft. Ein Genossenschaftsschein kostet 40 Franken. Geld verdienen können Mitglieder nicht: «Wir wollen keine finanziellen Anreize zum Teilen von Daten», sagt Hafen. Wer Geld für seine Daten erhalte, habe einen Anreiz, diese so zu manipulieren, dass sie möglichst wertvoll würden. Das wolle man verhindern.

Schweiz muss Gesetz anpassen
Midata hat aber ein Problem: die Nutzerfreundlichkeit. Bei den Apps muss man seine Symptome selbstständig eingeben, das braucht Disziplin. Wer alle seine Daten in der Datenbank zusammenführen will, muss dies von Hand tun. «Ideal wäre deshalb, wenn es in jeder Software eine Einstellungsmöglichkeit gäbe, die die gesammelten Daten automatisch in die Datenbank legt», sagt Hafen.

Eine Voraussetzung: Alle, die personenbezogene Daten sammeln, egal ob Supermarkt, Internetkonzern oder Spital, sollen diese auf einfache Art und Weise zur Verfügung stellen. «Ich will Google nichts wegnehmen, aber ich will eine Kopie meiner Daten herunterladen können», erklärt Hafen. Dafür braucht es aber eine gesetzliche Grundlage, das Recht auf Kopie, wie es die Datenschutzgrundverordnung der Europäischen Union vorsieht. Die Schweiz ist noch nicht so weit. Die Revision des veralteten Datenschutzgesetzes steckt im Parlament fest.

Midata muss Vertrauen aufbauen

Eine grosse Frage ist die Sicherheit: Gerade für Betrüger ist eine zentrale gespeicherte Datensammlung interessant. Privatsphäre-Aktivisten raten generell dazu, dafür zu sorgen, dass möglichst keine persönlichen Daten ins Internet gelangen. Das würde aber dem Prinzip der Midata-Genossenschaft widersprechen. «Wichtig sind das Vertrauen und die Reputation der Datenbank», sagt Hafen. Midata investiere in die Sicherheit. «Und wir lassen unser System von Profis prüfen», fügt Hafen an. Auch er habe seine Gesundheitsdaten auf Midata gespeichert. Für ihn sei es dasselbe, wie wenn man sein Geld unter der Matratze verstecke, anstatt es auf die Bank zu bringen. Denkbar wäre, dass in Zukunft etablierte Finanzinstitute wie die UBS oder die Zürcher Kantonalbank ähnliche Dienstleistungen anbieten. Dann könnte man seine Daten über den E-Banking-Zugang verwalten.

«Wir müssen die Leute stärker vom Nutzen überzeugen», sagt Hafen. Die Genossenschaft Midata hat rund 200 Mitglieder. Die Apps wurden über 10 000-mal heruntergeladen. Um aufzuzeigen, wie Midata-Daten für Firmen und Forschung interessant sind, will sich Hafen auf entsprechende Projekte konzentrieren. Darum ist er im Mai als Genossenschaftspräsident zurückgetreten. Wer sein Amt übernimmt, ist offen.

Informationen: www.midata.coop

Corona verhindert andere Todesfälle

Zuerst veröffentlicht in den Lokalinfo-Zeitungen «Anzeiger von Wallisellen», «Klotener-Anzeiger» und «Küsnachter» vom 20. August 2020.

In den letzten Wochen waren die Todeszahlen in der Schweiz trotz Pandemie tiefer als 2019. Das zeigt laut Experten, dass die Hygienekonzepte wirken.

Von Pascal Wiederkehr und Lorenz Steinmann

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus steigt in der Schweiz wieder an. Weltweit dramatisiert sich die Lage sogar. Überraschend ist deshalb auf den ersten Blick, dass die Zahl der gesamthaften Todesfälle in der Schweiz im ersten Halbjahr trotzdem tiefer war als 2019. Dies beschreibt auch ein Artikel in der «Sonntagszeitung». Gemäss den jüngsten verfügbaren Daten (Stand 18. August 2020) wurden vom Bundesamt für Statistik 41 610 Tote gezählt. Vergangenes Jahr waren es im gleichen Zeitraum 416 Personen mehr gewesen.

Weniger Infektionskrankheiten
Nachdem zu Beginn der Corona-Pandemie mehr Menschen starben als im langjährigen Durchschnitt, die sogenannte Übersterblichkeit, haben sich die Todeszahlen relativ rasch normalisiert. Wie das Bundesamt für Statistik gegenüber dieser Zeitung mitteilt, werde oft nach dem Abflachen einer Epidemie oder Pandemie beobachtet, dass die Sterblichkeit abnehme. «Dies ist darauf zurückzuführen, dass einige Hochrisikopersonen während der Epidemie/Pandemie gestorben sind», sagt Corinne Di Loreto.

Gegenwärtig gibt es aber einen zweiten Grund: Die im Zusammenhang mit der Pandemie getroffenen Massnahmen bewirkten, dass weniger Menschen an anderen Krankheiten sterben. Man spricht dann von einem Kollateralnutzen als Gegensatz zum Kollateralschaden. «Viele Infektionskrankheiten sind infolge der Hygiene- und sozialen Distanzierungsmassnahmen zurückgegangen», erklärt Di Loreto. Doch etwas Vorsicht ist geboten, weil die Daten für 2020 provisorisch sind und rückwirkend aktualisiert werden.

«Die Massnahmen von Bund und Kantonen und die gute Umsetzung durch die Bevölkerung haben dazu beigetragen, dass sich die Todesfallzahlen in der Altersgruppe ab 65 Jahren nach der ersten Welle wieder ‹normalisiert› haben.»

Bundesamt für Gesundheit

Trotzdem: Die wegen Corona eingeführten Hygienemassnahmen wie Händewaschen oder Abstandhalten sowie der Lockdown scheinen eine Wirkung zu haben. Das zeigen Modellrechnungen von Epidemiologen, wie Jan Fehr erklärt. Er ist Infektiologe an der Universität Zürich. «Es gelang uns, insbesondere Risikogruppen wie ältere Menschen in Alters- und Pflegeheimen wirksam zu schützen. Ebenso das Spitalpersonal», sagt der Departementsleiter Public Health am Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention.

Alle konnten aber nicht geschützt werden. Es gab Ende März und Anfang April eine wahrscheinlich coronabedingte Übersterblichkeit bei der Altersgruppe 65plus. «Wir können aber sagen, dass die Massnahmen sehr wirksam sind. Wären diese nicht getroffen worden, hätten wir womöglich so viele Todesfälle wie in Bergamo oder in den Hotspots der USA und Lateinamerika», sagt Fehr.

Gut möglich, dass durch die Corona-Massnahmen des Bundes etwa die Grippewelle wenigstens zum Teil eingedämmt wurde. Doch sichere Aussagen sind heute kaum möglich. «Wir konnten die Todesfälle in Bezug auf Corona eindämmen, da rasch Massnahmen eingeführt wurden und der Lockdown relativ frühzeitig kam», sagt Fehr. Der Professor spricht in diesem Zusammenhang von einem Präventionsparadox. «Da die Massnahmen wirksam waren, konnten wir viele Todesfälle und schwere Krankheitsverläufe verhindern. Das darf uns aber nicht dazu verleiten, zu meinen, dass die Massnahmen nicht nötig waren, im Gegenteil», betont Fehr.

Virus hat Gefährlichkeit gezeigt

Dieser Ansicht ist auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG). «Das neue Coronavirus hat seine Gefährlichkeit und pandemische Potenz ganz klar gezeigt», ist Mediensprecher Yann Hulmann überzeugt. Wenn keine adäquaten und vor allem raschen Massnahmen ergriffen worden wären, könne es in dieser Pandemie, auch in einem industrialisierten Land, zu vielen Todesfällen kommen. «Die Massnahmen von Bund und Kantonen und die gute Umsetzung durch die Bevölkerung haben dazu beigetragen, dass sich die Todesfallzahlen in der Altersgruppe ab 65 Jahren nach der ersten Welle wieder ‹normalisiert› haben», so Hulmann.

Geholfen hat der Schweiz, dass man sich im Gegensatz etwa zu Italien besser auf die Pandemie vorbereiten konnte. Unklar ist, wie sich die Lage in den kommenden Wochen entwickeln wird und ob die Todeszahlen gerade im Herbst wieder steigen. «Es ist wichtig, dass die Massnahmen von Bund und Kantonen weiterhin gut befolgt werden, um das zu verhindern», heisst es vom BAG. Die aktuelle Lage werde zudem genau beobachtet, um Massnahmen allenfalls anzupassen, damit es nicht zu einem Anstieg der Todesfallzahlen kommt.

«Es gibt einige Entwicklungen, die eine zweite Welle begünstigen.»

Jan Fehr, Infektiologe Universität Zürich

Kollateralnutzen von Corona
Jan Fehr von der Universität Zürich wird konkreter. «Es gibt einige Entwicklungen, die eine zweite Welle begünstigen.» Man habe nun Ferienrückkehrer, die das Virus mitbringen können. Zudem stünden weitere Lockerungen bevor – etwa die geplante Lockerung der 1000er-Grenze bei Veranstaltungen. Und es rücke die kalte Jahreszeit näher. Es ist laut Fehr aber möglich, «dass wir mit den bestehenden Hygiene- und Abstandsmassnahmen sowie einem effizienten Contact Tracing das Virus auch weiterhin unter Kontrolle behalten können, allenfalls auch auf einem relativ hohen Niveau». Ganz verschwinden werde es seiner Meinung nach noch eine Weile nicht. «Wir müssen alle lernen, mit dem Virus zu leben», so Fehr.

Umso wichtiger ist es, dass die Hygienemassnahmen weiterhin konsequent umgesetzt werden. So, dass die Corona-Pandemie trotz aller Kollateralschäden, die sie verursacht, etwas Positives bewirkt. Sprich: Weil sich alle an die Hygienevorgaben halten, gibt es total weniger Infektionskrankheiten und nicht noch mehr Tote.

Cyber attacks can pose a critical threat to hospitals

Foto: Pascal Wiederkehr

Hospitals in Canton Zurich are often the target of cyber attacks. Experts and politicians are therefore concerned about security and patient data. By Pascal Wiederkehr. Translation by Ruth Turin.

During the coronavirus pandemic, hospitals are taking special measures to prevent any suspected cases from coming into contact with unprotected patients. The Department of Health of Canton Zurich even issued a visitor ban. However, a problem that can be solved on-site with security personnel or closed doors is more difficult to monitor in the internet, where umpteen digital doors provide access to hospitals. Companies are not the only popular targets of cyber attacks, hospitals have long been the focus of criminal schemes.

In 2019, Wetzikon Hospital was attacked by the Emotet trojan. A trojan is malware that infiltrates computers and performs unwanted functions, such as the siphoning off of data and passwords. The attack was widely covered in the media at the time, including by Neue Zürcher Zeitung. Research carried out by Rundschau, a program by SRF (Swiss Radio and Television) revealed that other healthcare providers, such as Limmattal Hospital and the Zentrallabor Zürich had also been affected. The attacks had no serious consequences, however, and no patient data were lost.

Minimum standards are needed
Bettina Balmer (Free Democratic Party) and Benjamin Walder (Green Party), both cantonal councillors, submitted a motion on the topic. “Especially in light of increasing digitalization in healthcare, the problem of cyber attacks cannot be underestimated,” they write in their motion. They would like to know, for instance, how many cyber attacks have occurred in hospitals in Canton Zurich in the last few years. They are also asking the Council of State why there are no minimum standards

“Compulsory minimum standards would be a step in the right direction.”

Hernâni Marques, Chaos Computer Club Switzerland

While minimum standards for information and communication strategies (IKT) have been defined by the federal government, they are only recommendations and not specifically intended for hospitals. “If somebody is really bent on launching a malicious attack, it will be extremely difficult to avert it,” says Hernâni Marques. “Compulsory minimum standards would be a step in the right direction” according to the computer linguist who studies encryption software professionally. Indeed, there are even different IT systems being used within hospitals. “In order for systems to be kept up to date, more staff and financial resources are needed,” says Marques, spokesperson for the Chaos Computer Club Switzerland. The hacker organization opposes oversight and advocates data protection in the internet. What is needed, they say, is training for users, as they are a major weak point.

Total security is an illusion
According to Radio Prague, it was only last March that a cyber attack temporarily brought the Brno University Hospital in the Czech Republic to a halt. The hospital became a victim of ransomware. This is where hackers attempt to encrypt data on computers using ransomware and subsequently extort money for decryption. “Typically, ransomware is sent in a mail attachment,” explains Marques. Unsuspecting users open the attachment and the software installs itself independently. “If it is well-designed malware, it always looks for additional devices, jumping from one to the next,” says the IT specialist. The question then is how well the individual systems are separated from one another. “In the worst case, if life-support machines are affected by hacker attacks, even human lives could be at risk,” Marques warns. There is no general reporting obligation for cyber attacks. Wetzikon Hospital set a good example and reported the trojan attack to MELANI, the Reporting and Analysis Centre for Information Assurance. Many companies fear for their reputation, however. “Total security is an illusion, but we have to make systems as secure as possible,” Marques points out. Cyber attacks can pose a critical threat to primary care. 

Attacks happen all the time

Hospitals are frequently the target of cyber attacks. “Attempted attacks on the IT infrastructure of the City of Zurich happen all the time and therefore also on the Waid and Triemli City Hospitals,” their media relations offices explain. This is not only commonplace in the city administration. “So far, the attacks could be averted by our defense systems and security experts,” the city hospitals report.

Attempted attacks on Bülach Hospital occur mainly via mail. So-called port scanner attacks that probe networks for open ports were also discovered. “According to current knowledge, all attacks on our systems could so far be averted,” says Urs P. Kilchenmann, media spokesperson. In 2019, external specialists conducted a comprehensive investigation confirming that there had been no infection by malware. “Security measures at Bülach Hospital have thus far been sufficient to ensure protection, including patient data,” says Kilchenmann.

Zollikerberg Hospital reports similar experiences, saying that their network has not been hacked in the past two years. Untargeted attacks often attempt to obtain information via phishing mails, i.e. false mails, so as to subsequently conduct a targeted attack. The hospital receives multiple such mails every day, of which roughly 90 percent are caught by the spam filter and not delivered to the recipient. The majority of staff are aware of the problem and recognize and delete phishing mails.

However, Zollikerberg Hospital did experience an incident, albeit indirectly. It is co-operator of the Zentrallabor Zürich, which was hacked by the Emotet trojan. “No sensitive data was affected at the Zentrallabor either,” stresses Anke Schramm, who is responsible for marketing and communications at the hospital. “We adhere to the government’s IKT minimum standards and are grateful that such standards exist,” says Schramm.

Owing to the pending motion in the Cantonal Council, the University Hospital Zurich declined to answer any questions.

The English version is a translation of the original in German for information purposes only. In case of a discrepancy, the German original will prevail.

Datenschutz beginnt beim Nutzer

Zuerst veröffentlicht in den Lokalinfo-Zeitungen vom 16. Januar 2020.

Im digitalen Zeitalter muss jede und jeder selber mehr Verantwortung übernehmen: Während die Schweiz um ein neues Datenschutzgesetz ringt, nimmt der Druck auf Tech-Konzerne weltweit zu.

Ein schwieriges Thema hatte der Ständerat vor Weihnachten zu beraten. Behandelt wurde die Totalrevision des bald 30 Jahre alten Datenschutzgesetzes. Der Bundesrat will den Datenschutz an das Internet-Zeitalter und an die Europäische Union (EU) anpassen. Damit sollen laut Bund die Bürgerinnen und Bürger besser geschützt und Wettbewerbsnachteile für Schweizer Unternehmen verhindert werden.

Doch die Vorlage ist umstritten, der Nationalrat hatte sich im Herbst nur knapp für eine abgeschwächte Form ausgesprochen. Für SP und Grüne geht die Revision zu wenig weit. Die SVP ist grundsätzlich dagegen, weil Druck aus der EU ausgeübt werde. Der Ständerat will das Datenschutzgesetz hingegen verschärfen.

«Der Revision fehlte leider von Anfang an eine wirkungsorientierte Zielsetzung», sagt der Datenschutzbeauftragte des Kantons Zürich, Bruno Baeriswyl. Die Datenbearbeiter würden mit bürokratischem Aufwand konfrontiert und der Datenschutz für die betroffenen Personen werde nicht wirklich gestärkt. «Niemand kann sich darüber freuen», so das Fazit von Baeriswyl.

Viele Dienste werten Daten aus
Die Digitalisierung stellt Privatsphäre und Datenschutz vor neue Herausforderungen. Denn Nutzerinnen und Nutzer hinterlassen unzählige Spuren im Netz, die für Internetunternehmen wie Google, Facebook, Amazon & Co. bares Geld sind. Daten werden gesammelt, ausgewertet und für personalisierte Werbung verwendet.

Doch auch die öffentliche Verwaltung bearbeitet viele sensible Daten – etwa im Bereich Strafverfolgung oder im Gesundheitswesen. Und es mischen viele Betrüger mit. Nicht umsonst warnen das Bundesamt für Polizei oder die Kantonspolizei Zürich regelmässig vor neuen Maschen. Die Betrüger passen sich schnell an und profitieren von Sicherheitslücken oder dem laschen Umgang der Nutzenden mit ihrer Privatsphäre.

Für Informatik-Experte Hernâni Marques ist klar: «Eine einfache Lösung gibt es nicht. Am sichersten ist, wenn Daten gar nicht erst ins Internet gelangen.» Er ist Pressesprecher der Hackerorganisation Chaos-Computer-Club. Diese wehrt sich gegen Überwachung und Zensur im Internet. Marques kritisiert, dass Nutzerinnen und Nutzer gerade bei kostenlosen Diensten oft indirekt mit ihren Daten bezahlen. Das lasse sich nur ändern, wenn sie bereit seien, kleine Geldbeträge für Dienstleistungen – sogenannte Mikrotransaktionen – auszugeben. «Den optimalen Preis muss man natürlich zuerst finden. Damit das funktioniert, braucht es einfache, wiederum privatsphärenfreundliche Bezahlsysteme», sagt der Computerlinguist. Ein solches werde gerade von der Berner Fachhochschule getestet – das Bezahlsystem GNU Taler. Es stellt eine Alternative zu Mastercard, Visa, Paypal oder Twint dar.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist aus Sicht von Marques die Abkehr von der heutigen Internet-Infrastruktur. Er plädiert für Peer-to-Peer-Netzwerke, bei denen die Computer untereinander verbunden sind, ohne zentrale Server. Die Kommunikation läuft direkt von einem Computer zum anderen. «Das erlaubt es, von privatwirtschaftlichen Monopolen und rein staatlich kontrollierten Plattformen wegzukommen», ist der Informatik-Experte überzeugt.

Benutzer müssen umdenken
Dass sich alternative Angebote, gerade etwa im Bereich der sozialen Medien, bisher nicht durchgesetzt haben, liegt vor allem an der Marktmacht der grossen Anbieter wie Twitter oder Facebook. Sie haben ein Bedürfnis gestillt – das Bedürfnis, mit Menschen ständig in Kontakt sein und Inhalte teilen zu können. Nur sind sich viele Nutzerinnen und Nutzer nicht bewusst, dass diese Plattformen systematisch Daten sammeln, analysieren und daraus Profile erstellen. «Einschliesslich mit Informationen aus Privatnachrichten, die nicht öffentlich sind», warnt Marques. Es gäbe zwar Alternativen, allerdings sei es schwierig, die Menschen zum Wechsel zu bewegen. Dies natürlich auch, weil man Freunde und Bekannte ebenfalls im grossen Stil vom Wechsel überzeugen müsste.

Grosse Plattformen unter Druck
Doch verloren ist der Kampf für mehr Datenschutz nicht. In diesen Tagen trat im US-Staat Kalifornien der California Consumer Privacy Act in Kraft. Er sei «eine Lightversion» der Datenschutz-Grundverordnung der EU, schreibt die «Republik». Das Gesetz ist ein grosser Schritt, weil sich in Kalifornien die Hauptsitze von Google, Apple und Facebook befinden. «Nicht nur in den USA, sondern weltweit dürften die Regeln damit ein Stück ‹europäischer› werden – also stärker ausgerichtet auf digitale Bürgerrechte», hält Tech-Journalistin und Autorin Adrienne Fichter fest.

Das bestätigt Marques: «Die grossen Social-Media-Plattformen, allen voran Facebook, sind massiv unter Druck.» Dies unter anderem von der EU. Er persönlich verzichte wenn möglich auf alle Google-Angebote. «Diese Firma hat es geschafft, ihre Fühler derart weit auszustrecken, dass sie praktisch jeden Benutzer weltweit überwachen kann», sagt der Computerlinguist. Besonders dann, wenn man Smartphones oder Tablets mit dem Google-Betriebssystem Android benutze und die Privatsphäre-Einstellungen nicht selber anpasse. «Hier ist die kurzfristige Lösung, wann immer möglich Alternativen zu nutzen und jegliches Tracking weitestmöglich auszuschalten», erklärt der Informatik-Experte.

Längerfristig brauche es Systeme, die ohne standardmässige Überwachung – mit Privatsphäre als Voreinstellung – angeboten würden. Hier sollen die Schweiz und Europa gesetzlich entscheidend Einfluss nehmen. «Die Gesellschaft kann die Regeln dafür festlegen, welche Anforderungen ein Produkt erfüllen muss, ehe es auf den Markt kommt», so Netzaktivist Marques. Auch «saftige Bussen» für Datenschutzverletzungen und eine Produkthaftpflicht könnten dazu beitragen, Privatsphäre und Sicherheit zu erhöhen.

Ins gleiche Horn bläst der Datenschutzbeauftragte Bruno Baeriswyl: «Datenbearbeiter müssten verpflichtet werden, ihre Dienstleistungen im Internet auch mit einer datenschutzfreundlichen Lösung anzubieten», sagt Baeriswyl. Die Revision des Schweizer Datenschutzgesetzes sehe nur vor, dass datenschutzfreundliche Voreinstellungen, die die Datenbearbeitungen auf das Notwendige beschränken, vorzunehmen sind. In der Praxis heisst das: Steht in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) etwas anderes, können Anbieter diese Regelung wieder ausser Kraft setzen. So gesehen haben die Nutzerinnen und Nutzer kaum eine Wahl, weil sie den AGB zustimmen müssen, um Dienstleistungen nutzen zu können.

Digitaler Ratgeber

Der Chaos Computer Club Schweiz hat mit der Digitalen Gesellschaft Schweiz und der «Wochenzeitung WOZ» den Online-Ratgeber «Eine kurze Anleitung zur digitalen Selbstverteidigung» herausgegeben. Er behandelt Grundlagen zu Datensparsamkeit, Passwörtern und Betriebssystemen und präsentiert gute Alternativen – etwa bei Webbrowsern, E-Mail-Anbietern, Onlinespeichern oder Suchmaschinen. digitale-gesellschaft.ch/ratgeber/

Messenger

  • Aussehen und Handhabung von Threema sind an Whatsapp angelehnt. Der Messenger kann aber ohne Angabe der eigenen Telefonnummer verwendet werden. Alle Nachrichten sind verschlüsselt. www.threeema.ch
  • Signal ist eine Gratis-App, die von einer gemeinnützigen Stiftung finanziert wird. Sie kann auch als Alternative zu Skype genutzt werden. Alle Nachrichten und Gespräche werden verschlüsselt. www.signal.org

Passwörter

Ein hinreichend sicheres Passwort sollte möglichst lang sein: Am besten bestehend aus einer zufälligen Folge von Wörtern, die man nirgends findet und sich gut merken kann. Profile auf sozialen Medien sind für Betrügerinnen und Betrüger Quellen, um an Passworthinweise zu gelangen. Will heissen: Auf keinen Fall den Namen des Haustiers, des Ehemanns des Lieblings-Sportclubs oder der Lieblingsband verwenden.

Soziale Netzwerke

  • Ello ist eine werbefreie Plattform. Sie garantiert, dass keine Daten von Nutzerinnen und Nutzern an Dritte weitergegeben werden. www.ello.co
  • GNU Social ist eine Alternative zu Twitter. Der Dienst ist Teil des GNU-Projekts, das geschaffen wurde, um ein Betriebssystem auf Basis von freier Software zu entwickeln. gnu.io/social
  • Twitter-Konkurrent Mastodon setzt auf ein dezentrales Netzwerk. www.joinmastodon.org

Webbrowser

  • Der Browser Mozilla Firefox hat sich dem «sicheren Surfen» verschrieben. Wichtig: Cookies und Cache regelmässig löschen. www.mozilla.org
  • Tor stellt die Verbindung zwischen Nutzer und aufgerufener Seite über drei zufällige Knotenpunkte (Server) her. Daher lässt sich kaum zurückverfolgen, wer auf eine Website zugreift. Wer sich dann aber bei Youtube & Co. anmeldet, verliert die Anonymität wieder. www.torproject.org

Der Baby-Hype nervt

Zuerst veröffentlicht in «Zürich 2» vom 16. Mai 2019.

In dieser Kolumne geht es nicht um mich. Noch lässt mich meine Mutter in Ruhe. Sie will nicht bei jedem Familienfest wissen, wann es endlich Enkel gibt. Und da die meisten meiner Freunde ebenfalls babyfaul sind, ist mir angst und bange, wenn ich an den Fortbestand der Stadt Zürich denke.

Ich nerve mich gerade über ein besonderes Baby: Es hat einen komplizierten Namen und heisst Archie Harrison Mountbatten-Windsor. Das Baby entsprang der Liebe von Prinz Harry und Herzogin Meghan. Letztere ist gemäss «Bunte.de» direkt nach der Geburt «strahlend schön».

Ob Prinz Harry ebenfalls «strahlend schön» ist, kann ich nicht beurteilen. Zumindest Royal-Fans bestehen darauf, dass Klein-Archie ganz nach Herzogin Meghan kommen soll.

Warum interessieren wir uns als Schweizer überhaupt für den Nachwuchs des britischen Königshauses? Wir feiern doch am 1. August alle gemeinsam mit Cervelat, Tofu und Bier, dass wir die bösen Habsburger aus dem Land gejagt haben. Der einzige König, den wir verehren dürfen, heisst Roger und kommt aus Basel. Und selbst der verliert bei schlechter Leistung auf dem Tennisplatz schnell seine Krone wieder.

Ich stelle mir gerade vor, wie Kaiserin Sissi zusammen mit Franz Joseph I. in Wien ihren Nachwuchs in die Kamera hält. Die Eidgenossenschaft jubelt verzückt und hofft, bald wieder die Unabhängigkeit zu verlieren. Es ist ein Albtraum. Und das alles nur wegen eines Babys.

Keiner war mächtiger als dieser Zürcher

Das Alfred-Escher-Denkmal auf dem Bahnhofplatz vor dem Hauptbahnhof Zürich wurde im Juni 1889 eingeweiht. Das Foto ist um 1890 entstanden. Foto: Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich
Das Alfred-Escher-Denkmal auf dem Bahnhofplatz vor dem Hauptbahnhof Zürich wurde im Juni 1889 eingeweiht. Das Foto ist um 1890 entstanden. Foto: Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich

Zuerst veröffentlicht in «Zürich 2» vom 25. April 2019.

Alfred Escher brachte die Schweiz in die Moderne: Seine Kritiker hassten ihn und wünschten ihm den Tod. Bis zuletzt arbeitete der ungekrönte König der Schweiz an seinen Visionen.

Die Nordostbahn stürzte 1876 in die Krise. Bei der Gotthardbahn kamen die Kostenüberschreitungen ans Licht. Alfred Escher wurde auf die Probe gestellt. Der Eisenbahnpionier bewältigte beide Krisen – sein Ruf blieb aber nachhaltig beschädigt. Escher war zeitlebens ein Mythos, wurde von den einen verehrt und den anderen verachtet.

Sinnbild dafür ist der Gotthard-Durchstich im Jahr 1880. Der 15 Kilometer lange Bahntunnel gilt als Wunderwerk – und dank Escher wurde er überhaupt Wirklichkeit. «Escher, zum Sündenbock des Gotthardprojekts gestempelt, erntete noch weiteren Undank», schreibt dazu Joseph Jung in seinem neuen Buch «Alfred Escher – Visionär, Grossbürger, Wirtschaftsführer». Escher wurde zu den Feierlichkeiten nicht eingeladen. Kein Redner erinnerte an ihn. Zwei Jahre später, bei der Eröffnung des Tunnels im Jahr 1882, konnte er dann nicht mehr teilnehmen. Escher war todkrank.

Zum Feindbild geworden
Die neue Biografie ist ein kompaktes Werk mit 128 Seiten und vielen Abbildungen. Sie zeichnet den Aufstieg und den Fall von Zürichs grösster Persönlichkeit nach. Escher, der von 1819 bis 1882 lebte, war Eisenbahnpionier, Unternehmer, Politiker und Visionär. Er gehörte unter anderem während 34 Jahren dem Nationalrat an. 38 Jahre sass er im Kantonsrat, 7 Jahre war er Regierungsrat. «Kein anderer Schweizer Politiker hat einen solchen Palmarès vorzuweisen», schreibt der Historiker Jung.

Lydia Escher mit ihrem Vater Alfred. Das Foto ist um 1869 entstanden. Foto: Privatarchive, Privatsammlungen
Lydia Escher mit ihrem Vater Alfred. Das Foto ist um 1869 entstanden. Foto: Privatarchive, Privatsammlungen

Eschers Ämterkumulation führte schon zu seinen Lebzeiten zu Kritik. Wegen seiner Machtfülle wurde der reiche Grossbürger Alfred Escher als «König Alfred I.» und republikanischer Diktator betitelt. So entwickelte sich der Zürcher zum Feindbild der Demokraten, der damaligen politischen Gegenbewegung zur radikalliberalen Partei. «Heute ist es gar nicht mehr möglich, dass jemand zeitgleich Regierungsrat und Kantonsrat ist», sagte Biograf Jung kürzlich im Gespräch mit dieser Zeitung.
Wer heute von Visionären spricht, denkt an Menschen wie Elon Musk oder Steve Jobs. Doch ein Vergleich zu ziehen, ist schwierig. Alfred Escher verfügte mit seinem Vermögen, seinen politischen Ämtern und seinen Unternehmen über einen Einfluss, der im 21. Jahrhundert kaum mehr möglich ist. Die ETH, die Credit Suisse, die Swiss Life und die Gotthardbahn gehören zu seinem Werk. Escher gilt als wichtiger Motor der modernen Schweiz nach der Bundesstaatsgründung 1848.

Escher war ein Workaholic
«Politische Helden sind in der Schweiz verpönt», bringt es Jung in seinem Buch auf den Punkt. Die Biografie zeigt auf, wie Alfred Escher in kurzer Zeit in Zürich und Bern eine beherrschende Stellung aufbaute und wie er ins Kreuzfeuer der Kritik geriet. «Im 19. Jahrhundert gab es in der Schweiz keine andere Führungspersönlichkeit, die sich ein solches Pensum zugemutet und ein solches Programm absolviert hätte», so Jung. Dass diese Arbeitslast bisweilen ungesund war, verdeutlicht die Tatsache, dass sich Escher in seinem Direktionsbüro bei der Nordostbahn ein Bett aufstellen liess. Im Nationalrat in Bern blieb er im Saal sitzen, wenn die Debatten vorüber waren. Er bereitete Geschäfte der folgenden Tage vor, schrieb an Reden und las sich in Dossiers ein. «Und dann kam es vor, dass er einnickte, spätabends», schreibt Jung.

«Seine Liebe zu Zürich war entscheidend für ihn, aber auch seine Identifikation mit der Schweiz. Es ist ihm um sein Heimatland gegangen.»

Joseph Jung, Historiker

Mit Kritik wird gespart
«Seine Liebe zu Zürich war entscheidend für ihn, aber auch seine Identifikation mit der Schweiz. Es ist ihm um sein Heimatland gegangen», sagte der Autor Jung vor kurzem im Interview. Der Historiker beschäftigt sich seit vier Jahrzehnten mit Alfred Escher.

Obwohl auch kritische Themen angesprochen werden – darunter die Plantage mit Sklaven, die Eschers Onkel auf Kuba besass –, zeichnet Jung mehrheitlich das Bild eines grossen Staatsmanns und Wirtschaftsführers. Das Privatleben, darunter die Beziehung zu seiner erstgeborenen Tochter Lydia, der Tod seines Vaters, seiner Frau und seiner zweitgeborenen Tochter Hedwig werden nur gestreift. Dies ist allerdings auch der Kompaktheit der interessanten Biografie geschuldet.

Alfred Escher, der im Landsitz Belvoir in der damals eigenständigen Gemeinde Enge lebte, starb am 6. Dezember 1882. Der Zürcher, der schon in den Jahren zuvor immer wieder von Krankheiten heimgesucht worden war, konnte nie selbst durch den Gotthard fahren. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof Manegg. Sein Denkmal steht prominent auf dem Bahnhofplatz in Zürich.

Joseph Jung: Alfred Escher – Visionär, Grossbürger, Wirtschaftsführer. 128 S. www.pioniere.ch

Anonym im Netz: Darknet ist nicht nur böse

Zuerst veröffentlicht in «Zürich 2» vom 28. Februar 2019.

Darknet ist der verborgene Teil des Internets und geniesst einen schlechten Ruf. Für Informatik-Experte Hernâni Marques ist jedoch klar, dass es jeder Internetnutzer kennen sollte. Und der Zugang dazu ist nur einen Klick entfernt.

Es ist der verborgene Teil des Internets – das Darknet. Ist es in den Medien, dann selten als positives Beispiel. Wer das Darknet betreten will, braucht ein Programm. Am einfachsten gehts mit dem sogenannten Tor-Browser. Darknet-Seiten tragen nicht die bekannten Endungen wie .ch oder .com, sondern sind über .onion (Englisch für Zwiebel) erreichbar. Eine viel besuchte Darknet-Seite wird von Facebook betrieben, damit die Social-Media-Plattform von Menschen genutzt werden kann, die in autoritären Staaten wie Iran oder Türkei mit Internetzensur leben.

Weil man im Darknet aber viel anonymer unterwegs ist als im öffentlichen Teil des Internets, nutzen es auch Kriminelle. So werden auf elektronischen Marktplätzen beispielsweise Drogen und Waffen angeboten, oder es wird Kinderpornografie ausgetauscht. Darum ermittelt unter anderem die Kantonspolizei Zürich oder das Bundesamt für Polizei im Darknet.

Im Darknet surfen ist legal
Trotzdem ist das Surfen im Darknet keineswegs illegal. Genutzt wird es beispielsweise von Journalisten, Bloggern, Aktivisten, die ihre Privatsphäre wahren müssen oder wollen. Es werden im Darknet ganz gewöhnliche Dienste wie Chats oder E-Mail angeboten.
Einer, der sich mit dem Darknet auskennt, ist Hernâni Marques. Der Informatik-Experte ist Pressesprecher beim Chaos Computer Club Schweiz. Das ist eine Hackerorganisation, die sich politisch gegen Überwachung und Zensur im Internet wehrt und in Zürich einen Treffpunkt hat. Marques plädiert für vollverschlüsselte Netzwerke, bei denen Computern untereinander so verbunden sind, dass eine Abhörung und damit Zensur stark erschwert wird – wie beim Darknet. Heute wickeln die grossen Internetkonzerne ihre Dienste über zentrale Server ab, jede Suchanfrage, jedes E-Mail wird potenziell gespeichert.

«Der Staat darf hierzulande beispielsweise unsere Briefe nicht flächendeckend öffnen, die elektronische Kommunikation darf er jedoch kontrollieren.»

Hernâni Marques, Chaos Computer Club Schweiz

Den Begriff «Darknet» findet Marques nicht gelungen. «Er wird von Überwachungskreisen verbreitet, um es als etwas Schlechtes darzustellen», so der 34-Jährige, der Computerlinguistik an der Universität Zürich studiert hat. Finanziert wurde das Tor-Netzwerk stark von der US-Navy. Tor ist ein Teil des Darknet. Das US-Militär nutzt es auch heute. Denn wer im Internet surft, hinterlässt Spuren, die rückverfolgbar sind. «Das Schweizer Überwachungsgesetz erlaubt es den Behörden, die elektronische Kommunikation zentral zu sammeln.» Mit anderen Worten: Jede Kommunikation im Internet oder mit dem Mobiltelefon kann überwacht werden. «Der Staat darf hierzulande beispielsweise unsere Briefe nicht flächendeckend öffnen, die elektronische Kommunikation darf er jedoch kontrollieren», gibt Marques zu bedenken.

Überwachung ist Normalität
Der Chaos Computer Club Schweiz hatte sich erfolglos gegen das Überwachungs- (BÜPF) und das Nachrichtendienstgesetz (NDG) gewehrt. Noch in den 80er Jahren sei der Aufschrei gross gewesen, als der Bundesrat wissen wollte, wie die Bürgerinnen und Bürger ihren Weg zur Arbeit zurücklegen würden. «Heute ist es normal geworden, dass uns die Behörden überwachen können», bedauert der IT-Experte. Und das hauptsächlich, weil es technisch möglich sei. Dabei ist das in den Augen von Marques für die Behörden kontraproduktiv. «Je mehr Überwachung es gibt, je schneller entstehen alternative Netzwerke, die schwieriger zu überwachen sind.»

Wer deshalb seine Privatsphäre im Internet wahren möchte, kann den Tor-Browser verwenden. Dieser basiert auf Mozilla Firefox und leitet das Surfverhalten über drei zufällige Knotenpunkte des Tor-Netzwerks durch das Internet. Angeboten werden die Server von Freiwilligen, aber auch von Regierungen. Die Verbindung zwischen dem persönlichen Computer und den einzelnen Knotenpunkten irgendwo auf der Welt, also Stationen, ist mehrfach verschlüsselt. Damit wird Zensur und Überwachung umgangen. Die Nutzer können wie gewohnt im Internet surfen. Zudem schützen sie sich vor personalisierter Werbung. Gleichzeitig ist der Tor-Browser die einfachste Möglichkeit, die versteckten Seiten des Darknet aufzurufen oder Internetsperren zu umgehen. Der Browser ist mit wenigen Klicks installiert und für jeden benutzbar.

Marques empfiehlt aber auch etwas Grundsätzliches: «Datensparsamkeit ist wichtig.» Je weniger eine Person im Internet preisgebe, desto weniger Daten könnten in die falschen Hände geraten.


So schützt man seine Privatsphäre

Der Chaos Computer Club Schweiz hat mit der Digitalen Gesellschaft Schweiz, der Stiftung für Konsumentenschutz und der «Wochenzeitung WOZ» die Broschüre «Eine kurze Anleitung zur digitalen Selbstverteidigung» herausgegeben. Der Ratgeber kann unter www.woz.ch/-7fb9 als PDF kostenlos heruntergeladen werden.

Datensparsamkeit: Weniger ist mehr. Daten, die nicht ins Netz gelangen, brauchen erst gar nicht geschützt zu werden.

Passwörter: Ein hinreichend sicheres Passwort sollte möglichst lang sein: Am besten bestehend aus einer zufälligen Folge von Wörtern, die man nirgends findet und sich gut merken kann.

Sicherheitsupdates: Betriebssysteme sollten stets auf dem aktuellsten Stand gehalten werden.

Surfen im Netz: 
Tor ist der sicherste Browser im Internet. Er basiert auf Mozilla Firefox und kann unter www.torproject.org heruntergeladen werden. Er ist für Windows, Mac und Linux verfügbar. Da die Verbindung zwischen Nutzer und aufgerufener Seite über drei zufällige Knotenpunkte (Server), quasi Stationen im Netz, hergestellt wird, lässt sich kaum zurückverfolgen, wer auf die Website zugreift. Wer sich dann allerdings bei Youtube, Facebook und Co. anmeldet, verliert diese Anonymität wieder.

Suchen: «Duck Duck Go» ist eine eigenständige amerikanische Suchmaschine, die das Suchverhalten nicht speichert. Finanziert wird der Dienst über Spenden und nichtpersonalisierte Werbung. (pw.)